Panorama
Die Polizei räumt das Haus von Kneubühl
Von Jon Mettler. Aktualisiert am 16.09.2010 15 Kommentare
(DerBund.ch/Newsnet)
-
Video
Quelle: DerBund.ch/Newsnet -
Zusammenfassung
Im Fall des flüchtigen Peter Hans Kneubühl werden nach der Polizei immer mehr auch die Behörden kritisiert. Den zuständigen Justiz- und Sozialorganen wird vorgeworfen, sie seien schlecht vernetzt gewesen, hätten Alarmsignale ignoriert und so die Eskalation des Falls begünstigt.
Die Polizei muss sich dafür rechtfertigen, dass sie den Mann trotz achttägigem Grosseinsatz bislang nicht fassen konnte. Ausserdem werden ihr Pannen zur Last gelegt. So war zunächst ein Fahndungsfoto mit dem Abbild des toten Vaters des Flüchtigen in Umlauf gebracht worden.
Der kantonale Polizeidirektor Hans-Jürg Käser wehrte sich am Donnerstag gegen die wachsende Kritik und stärkte der Polizei den Rücken. Inzwischen gebe es in diesem Fall landesweit «hunderttausende von Fachleuten», sagte Käser vor den Medien. Doch dies hier sei «kein TV-Krimi, der nach 50 Minuten gelöst ist».
Die Öffentlichkeit wundere sich zwar, dass mehrere Behördenstellen Informationen über den eigenbrötlerischen Rentner gehabt hätten und es trotzdem zur Eskalation gekommen sei. Doch «wir haben eine offene Gesellschaft, die grossen Wert auf den Datenschutz legt», betonte Käser. «Wir kennen den gläsernen Bürger nicht».
Die Informationen würden nicht automatisch ausgetauscht, und sie gelangten auch nicht automatisch an die Polizei. Deshalb sei das Dispositiv, das die Polizei letzte Woche zum Beginn des Einsatzes getroffen habe, nach derzeitiger Einschätzung angemessen gewesen.
Käser äusserte sich auch zum Umstand, dass der Rentner nach den Schüssen auf einen Polizisten flüchten konnte. Nach dem Zwischenfall habe die Kameradenhilfe Vorrang gehabt, und diese habe Kräfte gebunden.
Haus wird geräumt
Vom flüchtigen Rentner fehlte auch am Donnerstag jede Spur; die Polizei machte sich an die Räumung seines Hauses. Vor den Medien betonte Polizeikommandant Stefan Blättler, der Einsatz werde im bisherigen Ausmass fortgesetzt mit dem Ziel, den Mann anhalten zu können und weitere Personengefährdungen zu vermeiden.
Nach Informationen der Zeitung «Blick» ist der Rentner schon seit 2007 im Fahndungssystem Ripol ausgeschrieben mit dem Vermerk «Warnung - bewaffnet und gefährlich». Blättler widersprach, dass der Vermerk schon seit 2007 bestehe, wollte sich aber im übrigen nicht zu dem Thema äussern.
Einsatz wird untersucht
Auch die meisten anderen Fragen blockte Blättler unter Hinweis auf die Ermittlungen ab. Er und auch Regierungsrat Käser betonten aber, dass der Einsatz nach seinem Abschluss analysiert werden müsse. Laut Käser werden dabei fünf Bereiche untersucht: Führung, Organisation, Ablauf, Einsatz der Mittel und Kommunikation.
Auch die Bieler Sicherheitsdirektorin Barbara Schwickert trat an der Pressekonferenz auf. Die Stadtregierung sei wie alle anderen beunruhigt über die Situation, räumte sie ein. Zu der Kritik an städtischen Amtsstellen äusserte sie sich nicht.
Alarmsignale
Nach übereinstimmender Darstellung mehrerer Medien lagen schon 2006, als der Rentner mit seiner Schwester über das Erbe stritt, genügend alarmierende Hinweise über den labilen Zustand des Mannes vor. Jahrelang soll er kleinere Konflikte mit verschiedenen Amtsstellen ausgetragen haben.
«Hätten Zivilrichter, Regierungsstatthalteramt und Betreibungsamt ihre Informationen ausgetauscht, wäre man gewiss umsichtiger vorgegangen», kommentierte das «Bieler Tagblatt». «Gefährliche und teure Polizeieinsätze in Millionenhöhe hätten vermieden werden können.» -
14:41 Uhr
Die Pressekonferenz wird beendet.
-
14:39 Uhr
Blättler: Diese Frage werde beantwortet werden, wenn der Fall abgeschlossen sei und die Aufarbeitung beginne.
-
14:38 Uhr
Es folgt eine Nachfrage: Inwiefern hat die Publikation des falschen ersten Bildes die Ermittlungen zurückgeworfen?
-
14:37 Uhr
Blättler: Wie schon mitgeteilt habe Kneubühl ein äusserst eigenbrötlerisches Leben geführt. Es sei deshalb für die Polizei am Anfang sehr schwierig gewese, an Bildmaterial zu gelangen. Das erste Bild sei von Angehörigen zur Verfügung gestellt worden. Diese hätten immer wieder bestätigt, dass auf dem Bild Peter Hans Kneubühl zu sehen sei.
-
14:35 Uhr
Die Frage von DerBund.ch/Newsnet: Wie konnte es zur Panne mit dem ersten Bild kommen?
-
14:34 Uhr
Blättler will diese Frage nicht beantworten.
-
14:33 Uhr
Bestätigt die Polizei, dass Kneubühl eine Todesliste geführt hat und wenn ja, welche Namen stehen darauf?
-
13:32 Uhr
Käser wiederholt, dass die Festnahme von Kneubühl oberste Priorität habe und man alles daran setze, um dies zu erreichen.
-
14:31 Uhr
Wie hoch sind die Kosten des Polizeieinsatzes für den Steuerzahler und wie lange will die Polizei das aktuelle Dispositiv aufrechterhalten?
-
14:30 Uhr
Blättler: Die berufliche Karriere von Kneubühl spiele derzeit bei den Ermittlungen eine untergeordnete Rolle. Ziel sei es, ihn zu fassen.
-
14:29 Uhr
Stimmt es, dass Kneubühl gar nicht Mathematik an der ETH Zürich studiert hat?
-
14:25 Uhr
Käser: «Ich werde mich hüten, jetzt Noten zu verteilen.»
-
14:24 Uhr
Welche Note gibt Käser als ehemaliger Lehrer dem Polizeieinsatz?
-
14:22 Uhr
Blättler: Es gebe verschiedene Möglichkeiten, im Register aufgeführt zu sein. Blättler dementiert auch Berichte des «Blick», wonach es einen Vermerk «Achtung, bewaffnet» zu Kneubühl gegeben habe.
-
14:21 Uhr
Stimmt es, dass Kneubühl schon seit 2007 im Fahndungsregister aufgeführt ist?
-
14.20 Uhr
Die Fragerunde hat begonnen.
-
14:18 Uhr
Gemäss Blättler läuft seit heute morgen die Räumung des Hauses von Kneubühl im Lindenquartier. Sämtliches Material im Haus werde abtransportiert, um von der Polizei ausgewertet werden zu können.
-
14:17 Uhr
Blättler ergreift das Wort und betont, dass die Suche nach Kneubühl nach wie vor im Mittelpunkt stehe. Oberste Priorität habe nach wie vor, Kneubühl anzuhalten und die Bevölkerung zu schützen. Mit anderen Worten: Der Schiesswütige ist nach wie vor nicht gefasst.
-
14:16 Uhr
Schwickert kündigt an, heute ins Lindenquartier zurückzukehren, um sich ein Bild von der Lage zu machen.
-
14:14 Uhr
Schwickert spricht den Polizeikräften ein dickes Lob aus.
-
14:12 Uhr
Schwickert bedankt sich bei der Bevölkerung des Lindenquartiers und bei allen Behördenstellen, die involviert sind.
-
14:11 Uhr
Schwickert übernimmt das Wort: Man stehe vor einer sehr «komplexen Situation», sagt sie.
-
14:09 Uhr
Käser bedankt sich bei den Polizeikräften.
-
14:08 Uhr
Käser kündigt an, den Fall nach Festnahme oder Auffinden von Kneubühl untersuchen lassen zu wollen, auch extern. Er wiederholt seine Kritik am Präsidenten des kantonalbernischen Polizeiverbands, der sich gegenüber einem Zürcher Privatradio kritisch über die Polizeiarbeit geäussert hatte.
-
14:05 Uhr
Käser: Er werde regelmässig über den Stand der Ermittlungen infomiert. «Der Fall Kneubühl ist nicht eine Episode eines TV-Krimis», so Käser.
-
14:04 Uhr
Käser übt Kritik an den Medien und bezeichnet das Dispositiv vom Mittwoch vor einer Woche als «angemessen».
-
14:02 Uhr
Käser eröffnet die Pressekonferenz. «Wir alle wüschen uns, dass der Fall Kneubühl möglichst rasch und unblutig beendet werden kann», sagt er.
-
13:59 Uhr
Hans Jürg Käser und Stefan Blättler sind ebenfalls eingetroffen. Bald dürfte es losgehen.
-
13:53 Uhr
Barbara Schwickert ist eingetroffen und spricht mit Journalisten.
-
13:49 Uhr
Erschienen ist auch André Glauser, Leiter der Abteilung Öffentliche Sicherheit und Bevölkerung der Stadt Biel.
-
13:46 Uhr
Die Medienkonferenz findet dieses Mal nicht im Kongresshaus statt, sondern im Berufsbildungszentrum in Biel.
-
13:43 Uhr
Gemäss Namensschildern auf dem Tisch informieren heute: Barbara Schwickert (Sicherheitsdirektorin der Stadt Biel), Hans Jürg Käser (Sicherheitsdirektor des Kantons Bern) und Stefan Blättler (Kommandant der Kantonspolizei Bern).
Erstellt: 16.09.2010, 13:40 Uhr
Kommentar schreiben
15 Kommentare
Kabarett: Die Polizei wird gelobt über jeden Klee. Fehler werden bestritten. Fragen nicht beantwortet. Dumm nur, dass Spezialeinheiten der Polizei den Rentner zweimal haben entwischen lassen, dafür einen anderen Rentner verprügelte und festnahm und eine Nacht lang im Knast sitzen liess. Währenddem Kneubühler noch immer frei rumläuft. Aber ja: Die Polizei macht ja nie Fehler. Alles bestens Antworten
Panorama
Alles für Abonnenten und Abonnentinnen
Laden Sie sich Ihr ePaper auf Ihren Computer und blättern Sie gratis und ab 5 Uhr früh in Ihrem "Bund".
Abopreise vergleichen
Der Handy-Abovergleich mit Ihrem gewünschten Mobiltelefon und Prepaid-Angeboten.



Sportbilder der Woche























