Panorama

«Die Mütter haben geweint»

Von Simon Eppenberger, München. Aktualisiert am 23.11.2010

Der Prozess gegen die Schläger von München dominiert am Tag nach dem Urteil die Schlagzeilen der deutschen Zeitungen. In ihren Kommentaren sind sich die Medien weitgehend einig.

1/6 «Es war mucksmäuschenstill, als der Richter den Saal betrat»: Die Münchner TZ widmet eine ganze Seite dem Prozess.
Bild: Simon Eppenberger

   

Auf ganzen Zeitungsseiten berichten heute die Münchner Tagesblätter über das Ende der Gerichtsverhandlung der drei Schüler aus der Schweiz. Dabei zeigen sich die Boulevardblätter überraschend sachlich. «Das Urteil», titelt etwa die «TZ» nüchtern. «Es war Mordversuch», schreibt «Bild» in fetten Lettern auf schwarzem Grund. Die «Süddeutsche Zeitung» schreibt: «Hohe Strafen für Schweizer Schläger.»

Während sich die meisten Berichte auf das Strafmass und die bekannten Informationen zum Fall beschränken, geht die «TZ» weiter und berichtet über Details aus dem Gericht. Demnach war es «mucksmäuschenstill» als Richter Reinhold Baier am Mittag den Saal betrat. Nachdem er die teils langjährigen Strafen verkündete, durften die Eltern ihre Kinder in den Arm nehmen. «Die Mütter haben geweint», sagt ein Insider gegenüber dem Blatt. «Es sind viele Tränen geflossen.»

Unter Mördern und Kinderschändern

Die «Abendzeitung» beschäftigt sich vor allem mit Ivan Z. und Mike B., die voraussichtlich in der Jugendstrafanstalt Ebrach ihre Haftstrafe verbüssen müssen. Es sei «der härteste Jugendknast». Totschläger, Mörder, Kinderschänder und Vergewaltiger unter 24 Jahren werden dort untergebracht.

Die «Abendzeitung» begrüsst das Urteil in einem Kommentar. Die Strafen sind «ein Signal an Möchtegern-Schläger», schreibt das Blatt. Die Urteile würden den Taten gerecht. Forderungen nach höheren Strafen nach jedem neuen Fall von Jugendgewalt seien falsch. «Es reicht, wenn der bestehende Strafrahmen angewendet wird – so weich wie möglich und so hart wie nötig.» Das Münchner Gericht habe dies getan und damit gezeigt, dass «die Gesellschaft nicht bereit ist, sinnlose Gewalt zu tolerieren». (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 23.11.2010, 12:35 Uhr

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