Panorama

Der amerikanische Agent fragte: «Sex?»

Von Sandro Benini. Aktualisiert am 08.05.2012 1 Kommentar

Edel-Escort Dania Londoño trat erstmals in Radio und Fernsehen auf. Selbstbewusst erzählt die Kolumbianerin die Details des Skandals, der den amerikanischen Secret Service in Verruf brachte.

Die andere Seite der Geschichte um Obama's Secret Service: Die 24-jährige Edel-Escort-Dame Dania Londoño im kolumbianischen Radio.


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Als Prostituierte will sich Dania Londoño Suárez nicht bezeichnen lassen, obwohl sie im Sex-Skandal um die Agenten des amerikanischen Secret Service eine Hauptrolle spielt. Vergangene Woche hat die Kolumbianerin dem Radiosender W Radio und dem Fernsehsender Caracol ein Interview gegeben, das auch von amerikanischen Sendern übertragen wurde, darunter Fox und CNN.

Es war das erste Mal, dass Londoño mit Namen und Gesicht an die Öffentlichkeit trat. Die 24-Jährige beeindruckte das Publikum durch ihr Selbstbewusstsein und die burschikose Munterkeit, mit der sie die Vorfälle erzählte, die Obamas Agenten beim Amerika-Gipfel in Cartagena weltweit als Hallodri in die Schlagzeilen brachten und mehreren von ihnen den Job kosteten. In den USA spricht man vom grössten Skandal in der Geschichte des Secret Service.

Sie tranken Alkohol, als wäre es Wasser

Londoño betont im Interview, sie biete ihre Dienste als Escort-Girl lediglich Ausländern an und verlange umgerechnet zwischen 500 und 1200 Franken. Anders sei es unmöglich, ihrem neunjährigen Sohn eine gute Ausbildung zu garantieren. An jenem Abend sei sie mit drei Freundinnen in einer Bar gesessen – eine ganz normale Bar, wie sie betont. Sie sei eigentlich nicht auf der Suche nach Arbeit gewesen, aber eine ihrer Begleiterinnen sei von einem Gringo angesprochen worden. Ein weiterer Gringo habe sich hinzugesetzt.

Später seien sie zu viert in eine Diskothek gegangen, in der sich zahlreiche andere Secret-Service-Agenten vergnügten. «Sie tranken Alkohol, als wäre es Wasser. Sie tanzten auf den Tischen, sie waren völlig verrückt», sagt Londoño. Kokain habe keiner konsumiert. «Wir bestellten eine Flasche Wodka, eine zweite Flasche, eine dritte.» Dass die Horde besoffener Amerikaner für die Sicherheit des mächtigsten Mannes der Welt zuständig war, erfuhr die junge Frau erst später, denn: «Warum die Jungs in Cartagena waren, interessierte mich nicht, und so fragte ich auch nicht.»

Nach dem Aufwachen war er unhöflich

Dafür fragte ihr Begleiter etwas, nämlich: «Sex?». Sie antwortete: «Baby, cash, money.» Die Kommunikation zwischen den beiden scheint rudimentär gewesen zu sein. Londoño spricht kein Wort Englisch und der Geheimagent verstand kein Spanisch. Um sich auf einen Preis von 800 Dollar zu einigen, reichte es aber aus. «Meine Freundin ging mit dem anderen Agenten mit, aber nicht aus materiellem Interesse, sondern, weil er ihr gefiel.» Als Londoño unterwegs zum Fünfsternhotel Caribe um Geld für Kaugummis und dann für Präservative bat, rückte der Gringo jeweils umstandslos 50'000 Pesos (25 Franken) raus, was die junge Frau hinsichtlich dessen Grosszügigkeit und finanzielle Solvenz beruhigte. Ausserdem sei er sympathisch und witzig gewesen.

Um halb eins Uhr trafen die vier im Hotel ein, fünf Stunden später rief die Rezeptionistin im Zimmer an, um Londoño zu bitten, das Etablissement wieder zu verlassen. «Ich bat den Gringo um das vereinbarte kleine Geschenk, aber er sagte plötzlich Sätze wie 'Go away, bitch', und gab mir nur 50'000 Pesos fürs Taxi. Ich war absolut konsterniert.» Als Besoffener sei er zuvorkommend und zärtlich gewesen, nach dem Aufwachen habe er gewirkt wie ausgewechselt.

Obama beauftragt «dumme Kerle» mit seiner Sicherheit

Dania Londoño verliess das Zimmer und klopfte an die Türe des anderen Agenten und ihrer Freundin. «Meine Freundin sagte, wir sollten einfach verschwinden. Aber sie war zu ihrem Vergnügen dort, ich hatte gearbeitet und wollte mein Geld.» Nach und nach erschienen weitere Geheimdienstler, es kam zu einer dreistündigen Diskussion, während der Londoño einen im Hotelflur stehenden Polizisten bat, ihr zu helfen. «Wir klopften mehrmals an die Tür meines Kunden, aber er weigerte sich zu öffnen.» Schliesslich gelang es Londoño von den übrigen Agenten 250 Dollar einzusammeln und sie ging nach Hause. Zwei Tage später fand sie sich inmitten eines Skandals wieder.

Die Männer des Secret Service seien «dumme Kerle», sagt sie. «Ich kann nicht verstehen, weshalb Obama solche Idioten mit seiner Sicherheit beauftragt.» Als sie während des Streits gedroht habe, die Polizei zu rufen, hätten die Amerikaner lediglich gesagt: «No police, please. No police.» Stattdessen hätten sie besser bezahlt, dann wäre ihr Treiben unentdeckt geblieben. Im Zimmer des Agenten habe sie nichts gesehen, was auf dessen Tätigkeit hingedeutet hätte, ausser einer Militäruniform. Nachdem er eingeschlafen sei, hätte sie aber sehr wohl seine Unterlagen durchwühlen und allenfalls etwas über das Sicherheitsdispositiv herausfinden können, das der Secret Service für den Besuch des amerikanischen Präsidenten aufgezogen hatte.

«Mami, ich stehe nun mal auf Luxus»

Sie betrachte sich eigentlich nicht als Prostituierte, auch wenn sie nun die halbe Welt so nennen würde. «Wenn ich mich mit einem Mann treffe, dann lachen wir zusammen und schauen, ob wir ins Geschäft kommen oder nicht.» Als ihr Name in die Öffentlichkeit gelangte, hätte sie ihre zuvor ahnungslose, in Madrid lebende Mutter informieren müssen, wie sie ihren Lebensunterhalt bestreite. «Ich sagte: Mami, ich stehe nun mal auf Luxus. Was kann man da schon machen?» Darauf sei die Mutter in eine tiefe Depression versunken. Als sie der Radiosender während des Interviews zuschaltete, sagte sie: «Meine Tochter ist keine Prostituierte, dieses Gerede muss aufhören. Jede alleinerziehende Mutter hätte an ihrer Stelle dasselbe getan. Und eine Frau, die Geld verlangt, beweist nur, dass sie sich ihres Wertes bewusst ist, im Unterschied zu einer, die gratis die Beine breit macht.»

Nach den Turbulenzen floh Londoño nach Dubai, weil sie fürchtete, ganz Kolumbien würde mit dem Finger auf sie zeigen. Kein amerikanischer Ermittler, kein Mitglied einer amerikanischen Behörde habe sie befragt oder versucht, sie zu kontaktieren. In Dubai besuchte sie einen ehemaligen Kunden, in den sie sich verliebt hatte. Er habe verständnisvoll auf den Skandal reagiert, aber man könne nicht ausschliessen, dass die Beziehung nun Schaden nehme. «Mein Leben ist zerstört, ich bin völlig am Boden», sagte Londoño mit fröhlicher Stimme. Weitere Interviews wird sie vorläufig nicht geben, und sie werde nie wieder als Escort-Girl arbeiten. Das hat sie auch nicht mehr nötig: «Playboy», der Fernsehsender ABC sowie der Verlag Random House haben Dania Londoño lukrative Angebote für die Vermarktung ihrer Geschichte und für Nacktfotos unterbreitet.

Eine Schande für Kolumbien?

Das Interview hat die kolumbianische Öffentlichkeit gespalten. Für die einen ist Londoño eine junge Frau, die es gewagt hat, ihr Leben in die eigene Hand zu nehmen, die sich ohne falsche Hemmungen zu ihrer Tätigkeit bekennt und sich von niemandem einschüchtern lässt – auch nicht von einem ruppigen, verkaterten, zahlungsunwilligen Gringo. Für die anderen hat sie nichts als Schande über Kolumbien gebracht. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 08.05.2012, 09:50 Uhr

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1 Kommentar

Markus Schlepper

09.05.2012, 10:55 Uhr
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Diletanten voraus!
Wesshalb schickt den die USA Geheimdinstler nach Kolumbien die nicht einmal Spanisch sprechen?
Das heist die FARC könnte in der selben Bar am Nachbartisch sitzen in der die Agenten ein Bier trinken und einen Anschlag auf den Präsident planen ohne dass die Agenten ein Wort davon mitbekommen.
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