Panorama

«Das Wasser war verdächtig ruhig»

Von Romina Wagner. Aktualisiert am 12.04.2012

Der 30-jährige Schweizer Michael Berger war in der Hauptstadt Sri Lankas an seinem Arbeitsplatz, als die Erde bebte. Es folgte die Tsunami-Warnung – und Stunden der Ungewissheit.

1/6 Das Meer hat sich beruhigt: Dies zeigt ein Foto vom Balkon eines Wohnhauses in Colombo.
Leserreporter: Michael Berger

   

Anspannung nach dem Beben: Die Tsunami-Warnung wurde heute aber wieder aufgehoben. (Video: Reuters )

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Schweres Erdbeben vor Indonesien

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Vor der indonesischen Küste hat sich ein Erdbeben der Stärke 8,6 ereignet. Kurz danach kam es zu einem Nachbeben der Stärke 8,2. Die Behörden gaben eine Tsunami-Warnung heraus.

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Der Schweizer Michael Berger war gerade in Colombo bei der Arbeit, als er ein leichtes Schütteln wahrnahm. Jedoch dachte er sich nichts dabei. Seit einem Jahr lebt der 30-Jährige aus Kallern im Kanton Aargau in der Hauptstadt von Sri Lanka. Kurz darauf nahm Berger zusammen mit seinen vier Arbeitskollegen Kontakt mit den Behörden auf. Diese bestätigten ihm das Erdbeben.

Dreissig Minuten nach dem Beben teilte die nationale Meteorologiebehörde mit, dass es zu 80 Prozent einen Tsunami geben werde. Für den Süden, Nordosten, aber auch für die Hauptstadt Colombo galt die Warnung. Michael Berger machte sich sofort auf den Heimweg, um seine Frau Sani zu warnen. Das Haus des Ehepaars liegt nur 200 Meter vom Meer entfernt.

Die Strassen waren überfüllt, viele Leute telefonierten mit ihren Handys, was zu Netzüberlastungen führte. Lautsprecherdurchsagen waren zu hören, die Michael Berger aber nicht verstand. Später erfuhr er, dass das World Trade Center in Colombo evakuiert werden musste, da das Beben dort viel stärker wahrnehmbar war.

«Gegen den Strom geschwommen»

Während die grosse Menge sich ins Landesinnere wegbewegte, ging Michael Berger in Richtung Meer: «Ich bin sozusagen gegen den Strom geschwommen», sagte er gegenüber DerBund.ch/Newsnet. In seiner Wohnung angekommen, beobachtete er von seinem Balkon aus die Bewegung des Meeres: «Das Wasser ging leicht zurück. Das Meer war verdächtig ruhig.» Zusätzlich wurde gemeldet, dass auch das Wasser im Südosten von Sri Lanka, in Kirinda, zurückgegangen sei.

Die Strasse vor seinem Haus wurde abgesperrt, und die Spitäler waren für die Zeit der Tsunami-Warnung in Alarmbereitschaft. Von den 60 benachbarten Wohnungen waren die meisten verlassen. Rund 10 Prozent der Bewohner entschieden sich zu bleiben. Der Rest hatte sich im Landesinneren in Sicherheit gebracht.

Entwarnung am späten Nachmittag

Gemäss Radiomeldung sollte der Tsunami um 16.15 Uhr an der Ostküste eintreffen und um 16.50 Uhr in Colombo. Später folgte die Entwarnung. Die Wellen waren lediglich ein paar Zentimeter hoch. Die Behörden riefen die Bewohner auf, wieder in ihre Wohnung zurückzukehren. Auch für Michael Berger war die Erleichterung nach der Warnung gross. Noch 2004 forderte der Tsunami allein in Sri Lanka über 30'000 Tote. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 11.04.2012, 18:41 Uhr

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