Panorama

Das Kleingedruckte als Geschäftsmodell

Von Amir Ali. Aktualisiert am 11.04.2012

Die verunglückten Türkei-Touristen buchten über eine einschlägig bekannte Agentur. Mit angeblichen Gewinnen lockt sie Kunden an – nur «eine von mehreren Werbemethoden», sagt der Verantwortliche.

Das Hotel Titanic in der Südtürkei gehört zum Standardangebot: Website der FFB Reisen AG.

Das Hotel Titanic in der Südtürkei gehört zum Standardangebot: Website der FFB Reisen AG.
Bild: Screenshot

Carunfall in der Türkei: Wie seriös war der Reiseanbieter? (Video: Keystone )

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Busunglück in der Türkei

Busunglück in der Türkei
In Antalya ist es zu einem schweren Busunfall gekommen. Dabei ist ein Schweizer gestorben, mehrere wurden verletzt.

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Einen Tag nach dem Busunglück in der Südtürkei ist einer der 20 verletzten Schweizer Reisegäste gestorben. Die Verletzten werden derzeit in verschiedenen Spitälern in der Region Antalya behandelt.

Als Nebeneffekt des tragischen Ereignisses gerät nun der Reiseanbieter in den Fokus, über den die Schweizer Touristen in die Südtürkei gelangten. Dabei handelt es sich um die Firma FFB Reise AG mit Sitz in Sachseln OW.

«Jeder legte 1000 Franken drauf»

Der Augenzeugenbericht eines am Unfall Beteiligten wirft ein schlechtes Licht auf die Geschäftspraktiken der FFB. «Die Reise hatten wir im vergangenen September sogenannt gewonnen», so René C. aus dem Kanton Freiburg. Der 50-Jährige hatte den einwöchigen Urlaub mit seiner Frau, der gemeinsamen Tochter und einer Freundin angetreten. «Am Ende aber musste ich 1000 Franken drauflegen.»

Die FFB Reise AG ist für dieses Vorgehen einschlägig bekannt. Eine prominente Rolle nimmt dabei die Swiss Car Promotion GmbH (SCP) ein. Einen Fall dokumentierte die «Aargauer Zeitung» Ende August 2011. Zehn angebliche Wettbewerbsgewinner versammelten sich damals auf Einladung der SCP GmbH in einem Gasthof. In dem Schreiben war noch die Rede vom Gewinn einer Flugreise für zwei Personen im Wert von 996 Franken. Im Gasthof dann begrüsste ein Vertreter der SCP im Namen der FFB und präzisierte den Sachverhalt: Jeder der Glücklichen hatte 1000 Franken an Zusatzkosten zu bezahlen, sollte er die Reise antreten wollen.

Offenbar mit System

Die Verbindung zwischen FFB Reise AG und SCP GmbH besteht aus einer Person: Friedhelm Obermeier ist laut Handelsregister VR-Präsident der FFB und Vorsitzender der SCP-Geschäftsleitung.

Die Anekdote aus dem Aargau scheint einem Muster zu entsprechen, das im Hause Obermeier zum Standard gehört. Das Konsumentenschutz-Magazin «K-Tipp» hat Obermeiers SCP auf eine Warnliste für Anbieter von Werbefahrten und Verkaufsabende gesetzt.

Dort findet sich auch eine digitalisierte Einladung, wie sie so oder ähnlich wohl auch die «Gewinner» im Aargauer Fall bekommen haben. Der Wert des «Preises» (996 Franken) und die Bezeichnung (Flugreise für zwei Personen) stimmen jedenfalls überein.

«Wir werben auf verschiedene Arten»

Obermeier bestätigt gegenüber DerBund.ch/Newsnet, dass sich alle 20 Schweizer über die FFB Reise AG auf die verhängnisvolle Reise in die Südtürkei begeben haben. Darunter seien jedoch keine Wettbewerbsgewinner, widerspricht er der Darstellung von René C. aus dem Kanton Freiburg. «Es handelt sich in allen Fällen um gebuchte Reisen», so Obermeier. Acht Tage «all inclusive» im Hotel Titanic, einschliesslich verschiedener Tagesausflüge.

Dass er sich der Ankündigung von Gewinnen als Geschäftspraxis bedient, streitet Obermeier nicht ab: «Wir haben verschiedene Firmen, und die betreiben auf verschiedenen Kanälen Werbung – unter anderem über Gewinnspiele.» Dass für vermeintlich gewonnene Reisen am Ende bezahlt werden muss, streitet er nicht ab.

Das System FFB Reise AG

Wie das System FFB im Detail funktioniert, könnte ein Fall aus dem Kanton Zürich zeigen. Der «Tages Anzeiger» (Artikel nicht online) berichtete im Juli 2011 über eine Verkaufsveranstaltung in Schwerzenbach. An deren Ende wurden den Teilnehmenden Einzahlungsscheine verteilt: Wer 170 Franken für Buchungsgebühr und Kerosinzuschlag einzahle, gewinne eine Reise in die Türkei. Dass für jeden Ferientag obligatorische Ausflüge geplant waren, für die alle Teilnehmer selbst aufzukommen hatten, stand lediglich im Kleingedruckten auf der Rückseite der Rechnung.

Pikant: Im Handelsregistereintrag der besagten Firma trifft man auf einen alten Bekannten. Verwaltungsrat der Pro Vitalis AG ist Friedhelm Obermeier. Dass die Pro Vitalis AG ebenfalls auf der «K-Tipp»-Warnliste sowie im Archiv der Schweizerischen Lauterkeitskommission auftaucht, kann da nicht mehr verwundern.

Solche Ausflüge standen offenbar auch auf dem Programm der gestern verunglückten Reisegruppe. «Wir fuhren an ein Treffen mit Händlern, die uns Teppiche verkaufen wollten», gab René C. zu Protokoll. Auf dem Rückweg geriet der Bus ins Schlingern und kippte schliesslich um. «Es war reine Bauernfängerei», sagt René C. von seinem Spitalbett aus. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 11.04.2012, 16:15 Uhr

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