Panorama
«Das Frühwarnsystem hat optimal funktioniert»
Fünf Tote auf Sumatra
Nach dem schweren Beben vor der indonesischen Insel Sumatra sind nach Angaben der Katastrophenschutzbehörde fünf Tote gezählt worden. Zwei der Opfer hätten einen Herzinfarkt erlitten, ein weiteres einen tödlichen Schock, teilte die Behörde mit.
Zudem sei ein Kind bei dem Erdbeben am Mittwoch schwer verletzt worden. Es befinde sich in einem kritischen Zustand, nachdem es von einem umstürzenden Baum getroffen worden sei. Es müsse mit weiteren Toten gerechnet werden, da noch nicht alle Daten über Schäden und Opfer zusammengetragen worden seien. (sda)
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Das US-Tsunami-Warnzentrum hat die nach einem Erdbeben vor Indonesien ausgerufene Tsunami-Warnung für den gesamten Indischen Ozean wieder aufgehoben. Die Beobachtung des Meeres habe ergeben, dass die Gefahr gebannt sei, erklärte das auf Hawaii ansässige Zentrum. «Der ausgegebene Tsunami-Alarm wird deshalb aufgehoben.»
Der Erdstoss der Stärke 8,6 ereignete sich etwa 430 Kilometer vor der Westküste Sumatras in 33 Kilometern Tiefe. Das US-Erdbebenzentrum USGS hatte die Stärke zunächst mit 8,9 angegeben, später senkte es diese auf 8,7, dann auf 8,6. «Erdbeben dieser Stärke haben das Potenzial, verheerende Tsunami auszulösen», warnten die US-Experten und gaben zunächst eine Tsunami-Warnung für den gesamten Indischen Ozean aus.
Entlang der Küste erschallten Sirenen und Warnungen wurden in Windeseile per Textnachricht über Mobiltelefone verbreitet. Obwohl teilweise chaotisch, begann die Evakuierung der Küstengebiete umgehend. Das Frühwarnsystem, das unter Federführung des Deutschen Geoforschungszentrums (GFZ) für Indonesien entwickelt wurde, habe «optimal funktioniert», sagte der Seismologe Winfried Hanka in Potsdam. Schon vier Minuten nach dem Beben sei die Warnung herausgegangen.
Ein horizontales Erdbeben
Diesmal erreichten glücklicherweise nur kleinere Flutwellen die indonesische Küste. «Unsere Bojen und Gezeitenanzeiger haben Mini-Tsunamis registriert», sagte ein Sprecher der indonesischen Erdbebenwarte. Es habe mindestens drei solcher Flutwellen gegeben. Die höchste sei in Meulaboh in West-Aceh registriert worden, «sie war 80 Zentimeter hoch». Zuvor hatte Indonesiens Präsident Susilo Bambang Yudhoyono im Fernsehen versichert: «Im Moment gibt es keine Tsunami-Gefahr.» An der thailändischen Küste wurde eine zehn Zentimeter hohe Flutwelle registriert.
Laut dem Seismologen Roger Musson habe es beim Erdbeben um eine Horizontalverschiebung gehandelt. Dabei bewegt sich die Erde in horizontaler Richtung, sodass weniger Wasservolumen bewegt wird. Zuerst habe er das Schlimmste befürchtet. «Aber als ich gesehen habe, was für eine Art Erdbeben es ist, ging es mir viel besser.»
Chaos auf den Strassen
Das Zentrum des Bebens lag südwestlich von Banda Aceh, der Hauptstadt der auf Sumatra gelegenen Provinz Aceh. In der Stadt war das Beben um 15.38 Uhr Ortszeit (10.38 Uhr MESZ) nach Angaben eines AFP-Reporters fünf Minuten lang zu spüren.
In Banda Aceh flüchteten die Menschen nach der Tsunami-Warnung in Autos und auf Motorrädern auf höher gelegenes Gebiet. Chaos brach auf den Strassen aus, als fast vier Minuten lang die Erde bebte. Patienten strömten aus den Krankenhäusern auf die Strasse, einige hatten den Tropf noch in ihrem Arm. In einigen Stadtteilen fiel der Strom aus.
«Es war nicht das stärkste Beben, das ich je gespürt habe», sagte die 22-jährige Tut Tahmi. «Aber es schien ewig zu dauern.» Eine Stunde nach dem Erdstoss standen die Menschen noch immer vor ihren Häusern und hatten Angst hineinzugehen. In Dhaka, der Hauptstadt von Bangladesh, liefen die Menschen in Panik auf die Strassen. Berichte über Schäden oder Opfer lagen nicht vor. Auf den Malediven wurden Häuser evakuiert.
«Keine Hinweise auf Tsunami-Welle»
Der Erdstoss war in Singapur, Thailand, Malaysia und Indien zu spüren. An der malaysischen Westküste schwankten Hochhäuser eine Minute lang. Das Pazifische Tsunami-Warnzentrum auf Hawaii gab in der Folge eine Warnung für den Indischen Ozean heraus, unter anderem für Indonesien und Australien, aber auch für Kenia, Südafrika, den Iran und Singapur.
Der thailändische Katastrophenschutz ordnete die Evakuierung von sechs Provinzen entlang der Westküste des Landes an. Darunter waren die bei Touristen beliebten Gegenden Phuket, Krabi und Phang-Nga. Das indische Tsunami-Warnzentrum gab Warnungen für die Andamanen und die Nikobaren im Golf von Bengalen heraus. Später gab Direktor Satheesh Shenoi Entwarnung. «Es gibt keine Hinweise auf eine Tsunami-Welle», sagte er. «Die Instrumente zeigen keine Veränderungen des Meeresspiegels.»
Erinnerungen an 2004
Vor Aceh hatte es im Dezember 2004 ein Erdbeben der Stärke 9,1 gegeben. Dieses löste einen Riesen-Tsunami aus, der an den Küsten des Indischen Ozeans rund 220'000 Menschen in den Tod riss. Am schlimmsten betroffen war Indonesien mit 168'000 Toten.
(jak/sda/dapd/AFP)
Erstellt: 11.04.2012, 10:57 Uhr
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