Bootsdrama: Hauptverdächtiger nimmt Stellung

Aktualisiert am 30.07.2010 18 Kommentare

Nach dem tödlichen Bootsunglück auf dem Bielersee steht ein 74-jähriger Mann im Zentrum der polizeilichen Ermittlungen. Er selber hält eine Beteiligung am Unglück jedoch «für undenkbar».


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Im Verdacht: Die Polizei transportierte das Boot ab.

Telebärn-Beitrag über die verdächtige Person.

Die Stellungnahme liegt auch DerBund.ch/Newsnet vor.

Der Mann gibt zwar zu, er sei tatsächlich am fraglichen Tag auf dem Bielersee unterwegs gewesen. Weder er noch die beiden anderen Personen auf dem Boot hätten aber etwas Aussergewöhnliches festgestellt, schreibt der Bootsführer in einer von seinem Anwalt verbreiteten Stellungnahme.

Dasselbe hatten der Bootsführer und die beiden weiteren Personen auf dem Boot der Polizei auch bei einer Befragung gesagt.

Weitere Abklärungen nötig

Aus diesem Grund hat die Polizei zusätzliche, weitere Abklärungen in Auftrag gegeben, wie das zuständige Untersuchungsrichteramt und die Kantonspolizei Bern mitteilten. Deren Resultate stehen noch aus. Das Boot des 74-jährigen Mannes wurde sichergestellt und abtransportiert.

Dies vor allem deshalb, weil vor Ort die technischen Hilfsmittel für eine detaillierte Untersuchung gefehlt hätten, schreiben die Behörden weiter. Die Suche nach möglichen Spuren des Unfalls am Boot seien sehr aufwendig.

Der Bootsführer begrüsst nach eigenen Angaben die Sicherstellung seines Bootes. Eine rasche Aufklärung des Falles liege in seinem Interesse. «Ich hoffe sehr, dass der Verdacht, welcher für meine Frau und mich eine schwere Belastung darstellt, durch die technischen Untersuchungen am Boot entkräftet werden kann», schreibt er weiter.

Unabhängig vom Ergebnis der Ermittlungen sprach er der Familie und dem Verlobten des Opfers sein Beileid aus.

Frau tödlich verletzt

Beim Bootsunfall am 11. Juli kam eine 24-jährige Frau ums Leben. Sie war mit ihrem Freund nach einem Picknick auf der St. Petersinsel auf einem Gummiboot Richtung Lüscherz unterwegs.

Als sich ein Motorboot mit hoher Geschwindigkeit näherte, versuchten sich die beiden zunächst mit Handzeichen und Rufen bemerkbar zu machen. Das Motorboot änderte aber den Kurs nicht, so dass sich die beiden mit einem Sprung ins Wasser zu retten versuchten.

Während der Mann unversehrt wieder auftauchte, wurde seine Freundin vom Motorboot erfasst und tödlich verletzt. Das Motorboot fuhr ohne anzuhalten Richtung Biel weiter.

Hunderte Hinweise

Die Polizei erliess noch am selben Abend einen Zeugenaufruf. Tatsächlich meldeten sich verschiedene Personen, die zum fraglichen Zeitpunkt ein Boot vom Typ Boesch gesehen haben wollten.

Bei der Polizei gingen Hunderte Hinweise ein. Sie setzte eine 30- köpfige Sonderkommission ein, die nach dem flüchtigen Bootsführer fahndete. Sie überprüfte zahlreiche Boote und ihre Halter.

Verfahren kann noch Monate dauern

Darunter befand sich auch der 74-jährige Mann, der nun ins Zentrum der Ermittlungen gerückt ist. Dessen Boot hatte die Polizei am Dienstag abgeschleppt.

Die Untersuchungsbehörden betonten in ihrer Mitteilung am Freitag, für den Mann gelte bis zu einem rechtskräftigen Urteil die Unschuldsvermutung.

Gleichzeitig kündigten sie an, dass noch immer weitere Ermittlungen, besonders zum Unfallhergang, notwendig seien. Bis auf weiteres werde man keine weiteren Angaben zum Fall machen. Mit einem Abschluss des Verfahrens sei erst in einigen Monaten zu rechnen.

Die Sonderkommission wurde inzwischen personell reduziert. Sie geht aber nach wie vor weiteren Hinweisen nach.

Die Stellungnahme im Wortlaut:

«Ich war am späten Nachmittag des 11. Juli 2010 mit meinem Boot auf dem Bielersee unterwegs. Weder ich selbst noch die beiden anderen Personen auf dem Boot haben etwas Aussergewöhnliches festgestellt. Deshalb war und ist es für uns undenkbar, dass wir in den tragischen Unfall verwickelt sein könnten.

Schon am Dienstag, 13. Juli 2010 hat die Seepolizei mein Boot untersucht. Am Donnerstag, 15. Juli 2010 wurde ich von zwei Polizisten befragt. Ich habe die Polizisten sofort darüber orientiert, dass ich am späten Nachmittag des 11. Juli 2010 auf dem See war, und ich habe alle verlangten Auskünfte der Wahrheit entsprechend erteilt. Nachdem ich bereits von der Polizei kontaktiert worden war, bestand kein Anlass mehr, mich meinerseits (als Eigentümer eines Boots der gesuchten Marke) bei der Polizei zu melden.

(js/bru/sda)

Erstellt: 30.07.2010, 15:30 Uhr

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18 Kommentare

Benno Brandner

30.07.2010, 15:39 Uhr
Melden

Interessant wäre für mich, dem Statement des Bootsführers aus Sutz entnehmen zu können, was er vor seiner Bootsfahrt oder wähend dem Aufenthalt auf dem Bielersee konsumiert hat, insbesondere die Frage nach Alkohol. Wenn ich zugedröhnt bin, erinnere ich mich nämlich am anderen Tag auch nicht mehr genau an alles was gelaufen ist...Und wäre Alkohol im Spiel gewesen, so wäre die Strafe sicher höher... Antworten


Lukas Haenel

30.07.2010, 15:47 Uhr
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«Unabhängig vom Ergebnis der weiteren Ermittlungen spreche ich der Familie und dem Verlobten des Opfers mein herzliches Beileid aus.» .....?? soll das etwa ein angedeutetes geständnis sein? so etwas schreibt doch kein völlig unschuldiger! Antworten



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