Bewaffneter in Biel sollte in Psychiatrie
Von Jon Mettler. Aktualisiert am 09.09.2010 2 Kommentare
Angeordnet hat den Freiheitsentzug der Bieler Regierungsstatthalter Werner Könitzer, wie «Schweiz aktuell» berichtet. Der 67-jährige Rentner hätte demnach am Mittwoch einem Psychiater zur Untersuchung zugeführt werden sollen. Als die Polizisten beim Haus des Mannes auftauchten, kam es zur Eskalation.
Der Täter ist flüchtig und konnte bisher nicht angehalten werden, wie François Gaudy, Chef der Regionalpolizei Seeland, am Donnerstagnachmittag vor Ort sagte. Gegen Donnerstagmittag haben die Einsatzkräfte feststellen müssen, dass sich der Gesuchte nicht mehr im Haus seiner Eltern am Mon-Désir-Weg im Bieler Lindenquartier befindet. Die Polizei hatte den ganzen Morgen die Liegenschaft und die nähere Umgebung gründlich durchsucht. Auch im vermuteten Waldstück konnte er nicht angehalten werden. Die Suche wurde auf die ganze Schweiz ausgedehnt.
Polizist am Kopf verletzt
Wie es dazu kommen konnte, dass der Mann trotz Riesenaufgebots der Kantonspolizeien Bern, Zürich, Thurgau und Baselland entkommen konnte, kommentierte der Regionalpolizei-Chef folgendermassen: «Wir haben daran auch keine Freude.» Der Täter habe aber gegen 1 Uhr am Morgen unvermittelt mit einem Gewehr auf die Polizei gefeuert und den Überraschungsmoment sowie die Dunkelheit genutzt, um zu entkommen. Gaudy: «Bei all unseren Überlegungen stand stets die Sicherheit der Polizisten und des Mannes selbst im Vordergrund.»
Beim Schusswechsel ist ein Elitepolizist am Kopf schwer verletzt worden. Er musste notoperiert werden. Sein Zustand ist aber stabil.
Der 67-Jährige wird von Anwohnern als Eigenbrötler beschrieben, der das Haus nicht oft verlassen habe. Anwohner äusserten bereits am Donnerstagmorgen die Vermutung, der Mann halte sich nicht mehr im Haus auf.
Unbehagen breitet sich aus
Die 40 Bewohner aus den umliegenden Gebäuden sind teilweise in Zivilschutzanlagen untergebracht worden, andere wohnen bei Bekannten. Wann sie in ihre Häuser im Lindenquartier zurückkehren können, ist zurzeit offen. Ebenfalls evakuiert wurden die Schülerinnen und Schüler der Linden-Schulhäuser. Die älteren Schüler konnten sich selbständig nach Hause begeben, die jüngeren wurden mit Bussen ins Stadtzentrum gebracht, wo sie von ihren Lehrkräften betreut wurden.
Bei den Anwohnern des Lindenquartiers macht sich Unbehagen breit. «Wir haben schon etwas Angst», erzählte ein älteres Ehepaar aus der Nachbarschaft. Eine direkte Nachbarin des flüchtigen Mannes beschrieb die Stimmung als angespannt. Sie bezeichnete den 67-Jährigen als Einzelgänger, «aber nicht böse oder gefährlich». Mit der Polizeiarbeit sei sie zufrieden, wie sie gegenüber bernerzeitung.ch weiter ausführte. Sie schätzte die Situation als sehr schwierig für die Polizei ein, nicht zuletzt weil der Garten des Rentners verwildert und deshalb unüberschaubar sei.
Sicherheitsmassnahmen erhöht
Die Sicherheitsvorkehrungen im Lindenquartier sind bereits am Donnerstagmorgen verschärft worden. Für die Kantonspolizei Bern stand ein Super Puma der Schweizer Armee im Einsatz, wie Armeesprecher Christoph Brunner auf Anfrage sagte. Dieser Helikopter sei mit einer speziellen Wärmebildkamera ausgestattet, die zur Lokalisierung von Personen geeignet sei. Das Quartier befindet sich in der Nähe des Bieler Stadtzentrums. Auch dort herrscht erhöhte Polizeipräsenz.
Haus sollte versteigert werden
Das Haus des 67-Jährigen sollte per Gerichtsbeschluss versteigert werden, am Mittwoch hätte eine Besichtigung stattfinden sollen: Doch genau dies verhinderte der 67-jährige Mann, indem er sich alleine in besagtem Haus verschanzte und einen Schuss abgab. Angeblich soll er sogar selber die Polizei alarmiert haben, wie das «Bieler Tagblatt» in der Ausgabe vom Donnerstag schreibt.
Schüsse und Detonationen
Verschiedene Behördenstellen versuchten laut Miteilung, mit dem Mann Kontakt aufzunehmen. Danach bemühten sich Spezialisten der Polizei darum, das Gespräch mit dem Mann aufzunehmen. Am späten Mittwochabend überstürzten sich dann die Ereignisse. Die Stadtpolizei Zürich rückte mit Spezialkräften an. Die Kantonspolizei Bern hatte Verstärkung angefordert, weil gleichentags der deutsche Bundespräsident Christian Wulff in Bern weilte und Kräfte dadurch gebunden waren. Die Kantonspolizei Zürich rückte bereits am Mittwochabend nach Biel aus. In der Nacht wurde diese jedoch noch zu einem weiteren Einsatz gerufen. Sie traf am Donnerstagmorgen erneut im Lindenquartier ein.
Gegen 22.27 Uhr waren mehrere Knallgeräusche zu hören, die wie Schüsse tönten. Gegen 22.55 Uhr gab es erneut einen lauten Knall, der sich wie eine Detonation anhörte. Gegen 0:20 Uhr am Donnerstag knallte es erneut zwei Mal. Polizeisprecherin Florie Marion bestätigte am Donnerstagmorgen genüber der Schweizerischen Depeschenagentur «Detonationen» in der Nacht. (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 09.09.2010, 17:59 Uhr
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2 Kommentare
Es tut mir sehr leid um den verletztn Polizisten, aber das ganze ist auch beispielhaft für die Bevormundung des Bürgers durch den Staat bis man keinen Ausweg mehr sieht. So neben den Schuhen kann dieser Rentner wohl kaum sein, wenn er es schaft einem Grossaufgebot von Spezialkräften zu entkommen. Aber heute ist Geld eben wichtiger als der Mensch. Die Frage ist nur, wass wehm dienen sollte. Antworten
Interkantonales Polizistentreffen, mal ein bisschen durchs Land fahren, und dann den bewachten älteren Herr entkommen lassen, gibt es dafür Überstunden-Zuschlag? Ich möchte nîcht wissen, wieviele Mannstunden die einzelnen kantonalen Korps zuletzt verrechnen werden, aber eine gute Gelegenheit, das eigene Budget aufzubessern, ist es schon. Gibt es noch etwas Lächerlicheres als diese Polizeiaktion? Antworten
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