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Aus der Plattform Elgin strömt hochexplosives Gas aus
Aktualisiert am 28.03.2012 14 Kommentare
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Nach dem Leck an einer Gasplattform des französischen Total-Konzerns in der Nordsee vor Aberdeen hat sich die Situation verschärft. Der Energiekonzern Shell hat grosse Teile seines Personals von zwei benachbarten Bohrstationen vor der schottischen Ostküste abgezogen.
Nach offiziellen Angaben strömte an der Plattform weiter unkontrolliert giftiges, hochexplosives Gas aus. Nach Einschätzungen von Total traten innerhalb von 48 Stunden 23 Tonnen Gas aus. An der Wasseroberfläche breitete sich ein Ölfilm aus. Die Küstenwache errichtete um die leckgeschlagene Plattform eine Zwei-Meilen-Sperrzone für Schiffe und eine Drei-Meilen-Zone für Flugzeuge. Die Menge des ausströmenden Gases sei derzeit unklar, sagte ein Total-Sprecher.
Kilometerlange Kondensat-Spur
Berichten zufolge steht eine Gaswolke über der Plattform. Auf dem Meer wurde eine zehn Kilometer lange Spur von Gas-Kondensat gemeldet. Total hält nach eigenen Angaben ein Flugzeug in Bereitschaft, das Chemikalien zum Auflösen des Kondensats versprühen kann.
Allerdings werde davon ausgegangen, dass es von selbst verdunsten werde und «keine grosse Gefahr für die Umwelt» darstelle, sagte der Sprecher. Ein Aufklärungsflugzeug flog gestern zweimal über die Unglücksstelle, für heute waren drei weitere Flüge geplant.
Arbeiter in Sicherheit
Die «Elgin»-Plattform von Total war bereits am Sonntag geräumt worden, nachdem das Leck entdeckt worden war. Alle 238 Arbeiter sind in Sicherheit. Total kündigte an, «alle möglichen Massnahmen zu ergreifen, um das Leck zu identifizieren.» Nach Angaben des Unternehmens könnte es bis zu sechs Monate dauern, bis das Leck gestoppt ist.
Der Sprecher bezeichnete die Gefahr, dass die Plattform explodieren könne, als gering. «Aber man sollte nie nie sagen», betonte er. Er schloss auch eine Vergrösserung der Sperrzone nicht aus.
Wochen bis Monate
Nach Angaben des Total-Sprechers handelt es sich bei dem austretenden Stoff um ein Gas-Kondensat, das in flüssiger Form gefördert wird. Es sei entzündlich und potenziell auch explosiv. Die Auswirkungen auf die Umwelt seien jedoch deutlich geringer als etwa bei Erdöl.
Das Gas-Kondensat sei sehr leicht und verflüchtige sich. Allerdings könne es Wochen oder Monate dauern, bis das Leck gestopft sei. «Wir versuchen alles, um es unter Kontrolle zu bekommen», sagte der Unternehmenssprecher.
Warnung vor «kompletter Zerstörung»
Jake Molloy von der Gewerkschaft RMT, in der Bohrinsel-Arbeiter organisiert sind, hält eine Explosion für möglich. «Wenn es irgendwie einen Zündfunken gibt, könnte sein, dass wir eine komplette Zerstörung sehen», sagte er der BBC. Die Gewerkschaft Unite forderte die Evakuierung aller Plattformen im Umkreis von fünf Meilen. Sie befürchtet ein Wandern der Gaswolke.
Britische Umweltschützer kritisierten die Gasförderung in der Nordsee, für die Finanzminister George Osborne erst vor wenigen Tagen Steuererleichterungen in Milliardenhöhe in Aussicht gestellt hatte. Das austretende Gas sei 20 Mal klimaschädlicher als Kohlendioxid. Grossbritannien müsse auf umweltfreundliche Technologien wie Wind und Sonne umstellen.
WWF befürchtet Todeszonen
Die deutsche Sektion des WWF warnt gar vor einem Kollaps des Ökosystems. «Es scheint sich in diesem Fall um sogenanntes saures Gas zu handeln, das mit Schwefelwasserstoff angereichert ist», sagte ein WWF-Meeresschutzexperte in Berlin. Bei einem von Experten befürchteten langfristigen Gasaustritt könnten Todeszonen in der Umgebung entstehen und das Ökosystem der Nordsee schädigen.
Der WWF erklärte, der Unfall sei «ein weiterer Beweis für die Unbeherrschbarkeit von Bohrungen in grosser Meerestiefe». Die Organisation forderte ein Moratorium für Bohrungen in grosser Tiefe sowie strengere Auflagen und höhere Sicherheitsvorkehrungen für die Betreiber von Öl- und Gasplattformen.
Täglich neun Millionen Kubikmeter
An der «Elgin»-Plattform förderte Total täglich neun Millionen Kubikmeter Gas, was drei Prozent der britischen Gesamtfördermenge von Erdgas entspricht. Zudem wurden an der Bohrinsel täglich 60'000 Barrel Leichtöl gewonnen, was rund 5,5 Prozent der britischen Gesamtfördermenge von Erdöl entspricht. Nach der Evakuierung der Plattform zog der Gaspreis an.
Der schwerste Unfall in der Nordsee ereignete sich zuletzt 1988, als die Plattform Piper Alpha explodierte und 167 Menschen getötet wurden. Bei der Explosion der Öl-Plattform «Deepwater Horizon» im Golf von Mexiko wurden vor knapp zwei Jahren elf Arbeiter getötet. Das Unglück löste die grösste Umweltkatastrophe der US-Geschichte aus. (ami/jak/mrs/sda/AFP)
Erstellt: 28.03.2012, 07:26 Uhr
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14 Kommentare
Der WWF ist irgendwie blauäugig. Jetzt, wo überall der Atomausstieg beschlossen und umgesetzt wird, braucht unser Planet mehr Gas und Öl denn je zuvor. Dazu kommen die riesigen Wachstumsraten der asiatischen Wirtschaft. Folglich wird in den nächsten Jahrhunderten überall gebohrt werden, was das Zeug hält. Und die Lobbyisten schauen geflissentlich dazu, dass Umweltauflagen de facto inexistent sind. Antworten
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