135 statt 70 km/h – Stadler Rail kann aufatmen

Nun ist definitiv klar: Die in Norwegen verunfallte Flirt-Komposition fuhr zu schnell in eine Kurve. Das zeigen erste offizielle Untersuchungsergebnisse. Für Stadler Rail sind das gute Neuigkeiten.

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Der Lokführer hat den Testzug von Stadler Rail in einem unmittelbar vor einer Kurve liegenden geraden Teilstück auf über 135 km/h beschleunigte und es nicht mehr geschafft, abzubremsen. Erlaubt sei auf der kurvenreichen Strecke nur 70 km/h gewesen. Das hat nun der Leiter der staatlichen Unfallkommission, Hans Bjørnseth, der Osloer Tageszeitung «Aftenposten» bestätigt. «Die hohe Geschwindigkeit war ein bedeutender Faktor bei der Ursache des Unfalls», so Bjørnseth. Weshalb der Zug derart schnell unterwegs war, ist noch unklar. Die norwegische Havariekommission setzt ihre Untersuchungen fort.

Weitere Aufschlüsse soll die Auswertung des Fahrtenschreibers bringen. Bei Stadler Rail hofft man, dass bald Klarheit über die endgültige Unfallursache bestehen werde, heisst es im Communiqué.

Somit wird die These von Bahnexperten gestützt, die die Unfallstelle in der nur schwer zugänglichen Gegend von Holmestrand südwestlich von Oslo gestern besuchen konnten. «Der Zug fuhr in einer scharfen Linkskurve einfach geradeaus», sagte der Sprecher der Norwegischen Staatsbahnen (NSB), Tom Ingulsted, nach einem Augenschein.

Stadler Rail kann aufatmen

Sowohl der staatliche Infrastrukturbetrieb Jernbaneverket, der die Verantwortung für den Bahnabschnitt trägt, als auch Stadler Rail können aufatmen.

«Unsere Gleise befinden sich in einem tipptoppen Zustand», erklärte Jernbaneverket-Sprecher Arvid Bårdstu gestern und bezeichnete einen «Gleisbruch als ausgeschlossen». Stadler-Rail-Chef Peter Spuhler äusserte sich gegenüber der Nachrichtensendung «10vor10»: «Wir wollen die Resultate der Kommission abwarten». Dann werde man wissen, ob die Ursache menschliches Versagen, ein zu altes Trassee oder ein technischer Defekt am Flirt sei. Der Thurgauer SVP-Nationalrat wies darauf hin, dass sein Unternehmen bereits über 600 Flirt-Züge ins Ausland exportiert habe und es noch nie zu einem so schweren Unfall gekommen sei.

Späte Rettungsaktion

Der 250 Tonnen schwere Flirt-Zug war am Mittwoch auf einer Testfahrt in eine Felswand geprallt. Die fünf an Bord befindlichen Mitarbeiter von Stadler Rail und der Norwegischen Staatsbahnen überlebten den Unfall, wurden aber zum Teil schwer verletzt. Der Unfall ereignete sich auf einem Streckenabschnitt der wichtigen IC-Bahnverbindung Oslo–Sandefjord.

Der betroffene Abschnitt gehört zu den ältesten Teilen des norwegischen Bahnnetzes und soll bald durch eine Neubaustrecke ersetzt werden. Für Aufsehen sorgte der Umstand, dass die Behörden erst gut fünfzehn Minuten, nachdem Privatpersonen die Entgleisung telefonisch gemeldet hatten, eine Rettungsaktion einleiteten. (bru)

(Erstellt: 17.02.2012, 14:55 Uhr)

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