Panorama

Wie man Sexsucht vergoldet

Von Philippe Zweifel. Aktualisiert am 08.04.2010 10 Kommentare

Nike hat einen Werbeclip mit einem reumütigem Tiger Woods und dessen totem Vater geschaltet. Ist das nun genial oder geschmacklos?

«Tiger, ich bin neugierig und möchte eine Diskussion anregen»: Earl Woods im posthumen Dialog mit seinem Sohn.


Just als bekannt wurde, dass Tiger Woods auch die Tochter seines Nachbarn vernascht hat, strahlte Nike den ersten Werbespot mit dem Golfer seit dessen Sex-Skandal aus. Im 30-Sekunden-Clip schaut Woods mit leerem Blick direkt in die Kamera. Aus dem Off ist die Stimme seines Vaters Earl Woods zu hören: «Tiger, ich bin neugierig und möchte eine Diskussion anregen. Ich möchte wissen, was du gedacht hast. Ich möchte wissen, was du fühlst – und ob du irgendetwas daraus gelernt hast.» Doch Tiger antwortet nicht. Stattdessen wird das Nike-Logo eingeblendet.

Dass Woods’ Vater nur stimmlich präsent ist, hat einen guten Grund. Earl Woods ist vor vier Jahren gestorben. Seine Worte hat man aus alten Interviews zusammengeschnipselt. Der Clip soll Tiger Woods die Rückkehr in den Wettkampf ebnen. Wie ein Sprecher von Nike sagte, vermittle der Werbespot die Botschaft, Woods habe die Zeit, die er von der Bildfläche verschwunden war, dazu genutzt, sich die Worte seines Vaters zu Herzen zu nehmen.

Balsam für das geschundene Image

Was der Nike-Mann nicht sagte: Von Woods’ Sponsoren ist der Sportartikelhersteller so ziemlich der einzige, der nicht vom einstigen Saubermann abgelassen hatte. Zu verlockend war das Geschäft mit dem Megastar. Also galt es nach der Duck-and-Cover-Phase für den gefallenen Golfer einen Neustart zu inszenieren. Das ist den Werbeleuten gelungen. Ohne ein einziges Wort zu verlieren, signalisiert Woods im Clip Reue, Demut und Einsicht. Der egoistische, sexsüchtige Milliardär wird so zum Buben, den man bei einem Streich erwischt hat.

Nach den peinlichen Schlagzeilen, ist der Clip Balsam auf Woods’ geschundenem Image. Oder nicht? Wie Tigers Vater sind wir neugierig und möchten eine Diskussion anregen: Ist es in Ordnung, die Worte des verstorbenen Vaters aus dem Zusammenhang zu reissen, um die eigenen Fehler zu entschuldigen oder für Nike ein paar Dollars mehr in die Kassen zu spülen? Und hat Woods nicht versprochen, die Affäre im Kreis seiner Familie zu verarbeiten? Ist ein Werbespot wirklich der richtige Ort für ein persönliches Sündenbekenntnis? Oder gilt in der Angelegenheit auch «Just do it»?

Und was denken Sie? Ihre Meinungen zum Nike-Clip können Sie unten eintragen. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 08.04.2010, 15:34 Uhr

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10 Kommentare

James Lehm

08.04.2010, 17:45 Uhr
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Ich weiss nicht, was die Aufregung soll. Tiger Woods hat nichts illegales gemacht. Ausserdem ist das anscheinends ganz normal, wenn ich so in die Welt schaue. Begreift doch endlich mal, dass es nicht nur Tiger Woods ist, der Moralisch daneben lag, die ganze Gesellschaft liegt in vielen Punkten immer noch moralisch daneben. Antworten


Rolf Schumacher

08.04.2010, 15:26 Uhr
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Ist Tiger Woods weniger gut im Golfspiel, weil er seine Frau mehrmals betrogen hat? War Clinton ein schlechter Politiker, weil er im oval office ausserehelich geliebt habt. War J.F. Kennedy, ein bekennender Frauenhelt, ein so mieser Politiker. Sind Politiker wie M. Thatcher, G. W. Bush, Ch. Blocher die besseren Politiker, weil ihnen kein Sexskandal nachgewiesen werden kann? Antworten




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