Panorama

Sheen, Schein und Show

Von Jean-Martin Büttner. Aktualisiert am 09.03.2011 3 Kommentare

Die Empörung über Schauspieler Charlie Sheen kommt spät, kein Wunder: Seine Ausfälligkeiten brachten Geld.

Partylöwe mit Tigerblut: Schauspieler Charlie Sheen.

Partylöwe mit Tigerblut: Schauspieler Charlie Sheen.
Bild: Keystone

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Ein Filmstar darf sich vieles herausnehmen, solange er Erfolg hat. Nur eines darf er offenbar nicht im Showgeschäft: Seine Vorgesetzten öffentlich angreifen. Das hat jetzt Charlie Sheen erfahren, der dank der Fernsehserie «Two and a Half Men» zum bestbezahlten Fernsehschauspieler aufgestiegen ist. Und sich mit seinen Ausfällen und Ausfälligkeiten zum Hauptdarsteller in eigener Sache inszenierte.

Jetzt haben seine Arbeitgeber genug. Nachdem die Dreharbeiten zur achten Staffel eingestellt worden waren, gab der Medienkonzern Warner Brothers am Montag bekannt, Sheen sei mit sofortiger Wirkung entlassen. Der Entscheid sei «nach sorgfältigen Überlegungen» gefällt worden, schrieb das Studio.

Er nützte so vielen so lange

Die Sorgfalt dürfte sich aus der abwägenden Beantwortung zweier Fragen ergeben haben: Wie lange würden die wüsten Auftritte Sheens der Fernsehserie nützen, in welcher der 45-Jährige die brave Version jener Rolle spielt, die er auch als Privatmann ausfüllt, nämlich den Dauerjugendlichen? Oder andersherum gefragt: Wie lange würde der Unkontrollierbare die Produzenten der Show ungestraft attackieren dürfen? Sheen hatte Chuck Lorre, den Erfinder der Serie, als «verrottete Made» verhöhnt und ihn mit einem antisemitischen Schlenker bedacht. Dass er jetzt gehen muss, hat offensichtlich mit diesen Attacken zu tun.

Dabei hat Charlie Sheen genügend Anlässe geliefert, um ihn aus der Familienserie zu entfernen. Dass er viel Drogen nimmt und viel Sex hat und mit beidem öffentlich angibt, gehört nicht dazu. Sonst hätten eine Menge Schauspieler keine Arbeit mehr.

Aber Sheen ist auch Frauen und Freundinnen gegenüber wiederholt gewalttätig geworden, hat sie verprügelt und mit dem Tode bedroht. Darüber wird seit fünf Jahren immer wieder berichtet. Dass der Warner-Konzern jetzt Sheens «moralisches Fehlverhalten» verurteilt, kommt als Einsicht reichlich spät.

Mehr Schlagzeilen als Ghadhafi

Das hat vor allem mit Geld zu tun. Die Sitcom «Two and a Half Men», die das Schweizer Fernsehen als «Mein cooler Onkel Charlie» im Vorabendprogramm zeigt, läuft in den USA seit über sieben Jahren und gilt als eine der erfolgreichsten Fernsehserien überhaupt. Selbst die Ausstrahlung einer älteren Staffel bescherte dem Fernsehsender CBS letzte Woche Spitzenwerte. Und der Abbruch der Dreharbeiten dürfte Warner über 250 Millionen Dollar kosten. Kein Wunder, hielt man so lange an ihm fest.

Charlie Sheen, der mit seinen Auftritten in den USA mehr Schlagzeilen generiert als Ghadhafi, geht konsequent seine Abwege. Seit Wochen meldet er sich mit immer neuen Ankündigungen, Beschimpfungen und Versprechen. In Interviews wirkt er manisch und fahrig, hat aber auch dafür eine Erklärung: «Meine Droge heisst Charlie Sheen.» Am Wochenende hat er übers Internet erstmals «Sheen’s Corner» verbreitet, eine Talkshow mit sich selber. Über Twitter hat er bereits zwei Millionen Interessenten erreicht. Alle verurteilen ihn, jeder schaut ihm zu.

Das Ende eines Serientäters

Ein Freund versuchte, den Serientäter zu einer Entziehungskur zu überreden. Er solle das bleiben lassen, wurde ihm aus Sheens Entourage bedeutet: «Wir machen eine Menge Geld mit ihm.» Mit DVD-Verkäufen, Wiederholungen, Spitzenquoten und Werbeblöcken.

Also hat der Unbändige nur noch zwei Verpflichtungen zu erfüllen: So lange als möglich so viele wie möglich so heftig wie möglich zu schockieren. Und dann mit einer Überdosis abzutreten. So wäre der Weg frei für Phase drei: «Charlie Sheen: Der Film». (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 08.03.2011, 20:25 Uhr

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3 Kommentare

Zurkirchen Marlon

09.03.2011, 08:10 Uhr
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Wie peinlich, dieser Herr Sheen.. Antworten


Daniel Zollinger

09.03.2011, 11:08 Uhr
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Ja ja der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. Wenn man sein Vater Martin Sheen sieht, dann wundert mich gar nichts. Antworten




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