Samuel Koch vertraut darauf, «dass es gut kommt»
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Der junge Mann wirkt zerbrechlich, wie er da in seinem Rollstuhl sitzt, den Kopf immer in der gleichen Pose, die Arme und Hände links und rechts auf Stützen. Als er dann mit seiner dünnen Stimme von seinem Leben als Tetraplegiker zu erzählen beginnt, wirkt er gleich noch ein Stück zerbrechlicher. Im Saal des Kongresszentrums Bernexpo wird es mucksmäuschenstill.
Samuel Koch heisst der junge Deutsche, und er war gerade 23 Jahre alt, als es passierte. Gut ein Jahr ist vergangen, seit er in der Fernsehshow «Wetten, dass?» mit Sprungfedern an den Füssen über ein fahrendes Auto zu springen versuchte und dabei so schwer stürzte, dass er heute an den Rollstuhl gebunden ist.
Nun tritt er auf einer eher kleinen Bühne in Bern auf und will von seinem Glauben, von seiner Hoffnung berichten. Im Publikum sitzen die Teilnehmer des ersten Forums christlicher Führungskräfte. Zwei Tage lang machen sie sich Gedanken darüber, was Wirtschaften auf der Basis von christlichen Werten heissen kann.
Er will wieder schauspielern
Gleich mehrfach macht Samuel Koch deutlich, dass er trotz seines Schicksalsschlags nach vorne zu blicken versucht. Zum Beispiel, als er von seinem Schauspielstudium redet, das er in wenigen Tagen wieder aufnehmen wird. Klar wisse er nicht, wie es sein werde, an den alten Ort zurückzukehren und dauernd an die früheren, weit unbeschwerteren Zeiten erinnert zu werden. «Es bleibt ein Wagnis, aber ich vertraue darauf, dass es gut kommt», sagt er.
«Gebe nicht so schnell auf»
Oder später, als es um seinen gesundheitlichen Zustand geht. «Ja, natürlich», antwortet er auf die Frage von Moderatorin und Radiojournalistin Ladina Spiess, ob er auf seine Heilung hoffe. Sicher wegen seines Glaubens – «ich glaube an einen Gott, der Wunder tut, auch wenn das nicht so Mode ist» – aber nicht nur: Sein Rückenmark, fährt Samuel Koch fort, sei nicht völlig durchtrennt, sondern nur gequetscht. «Ich kann die linke Zehe ansteuern.»
Dennoch gibt es auch die schwierigen, dunklen Momente in seinem Leben als Behinderter. Gerade abends im Bett, wenn der früher so sportliche Samuel Koch mit sich allein ist und einen unbändigen Bewegungsdrang spürt. Diese innere Unruhe könne Platzangst, ja fast panikartige Zustände auslösen, «ich weiss dann nicht mehr, wo mir der Kopf steht». In diesen Momenten helfe nur, sich abzulenken. «Ich gebe nicht so schnell auf.»
Ferien im Schnellboot
Nur Trübsal blasen mag Samuel Koch trotzdem nicht. Auch bei seinem Auftritt blitzt hin und wieder etwas von seinem trockenen Humor durch, der ihm ganz offensichtlich geblieben ist.
So sagt er zu seinen Ferien, von denen er gemeinsam mit zwei Freunden gerade erst zurückgekehrt ist: «Es war sehr angenehm, dass sie keinen Schimmer von Tetraplegie hatten. Wir sind Schnellboot gefahren, haben Tauchgänge unternommen – genau das hat den Reiz der Sache ausgemacht.» (Berner Zeitung)
Erstellt: 26.03.2012, 08:48 Uhr
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