Panorama

Gefallener Engel

Von Dania Ringeisen, dapd. Aktualisiert am 12.08.2010

No-Angels-Sängerin Nadja Benaissa muss sich wegen Ansteckung eines Mannes mit dem Aids-Virus vor Gericht verantworten. Ein weiteres Kapitel eines Lebens zwischen Starruhm, Drogensucht und Geldnot.

1/6 No Angel? Nadja Benaissa soll vorsätzlich einen Mann mit dem HI-Virus angesteckt haben.
Bild: Reuters

   

Mit der ersten öffentlich gecasteten Pop-Band No Angels wurde die 28-Jährige über Nacht berühmt. Der Erfolg brachte aber auch Negativschlagzeilen mit sich. Vor allem Benaissa geriet ins Visier der Boulevardpresse. 2009 dann ihr persönlicher Tiefpunkt: Am 11. April nahmen Polizisten sie in einem Frankfurter Lokal vor einem Auftritt fest. Der Grund: Sie soll einen Mann mit dem Aids-Virus angesteckt haben. Am Montag beginnt der Prozess vor dem Amtsgericht Darmstadt. Die Sängerin hat laut Staatsanwaltschaft eingeräumt, dass sie seit 1999 von ihrer HIV-Infektion wusste. Laut Anklage verheimlichte sie diese ihren Partnern jedoch. 2004 soll sie einen Mann angesteckt haben. Zwei weitere Männer, mit denen sie zwischen 2000 und 2004 sexuelle Kontakte gehabt haben soll, blieben von der Ansteckung verschont.

Zehn Tage sass die junge Mutter in Untersuchungshaft. Ab dem 16. August muss sie sich nun vor dem Jugendschöffengericht in Darmstadt wegen gefährlicher Körperverletzung und versuchter gefährlicher Körperverletzung verantworten, weil sie zur Tatzeit noch Jugendliche war. Der Fall hatte wochenlang für Schlagzeilen gesorgt und eine Grundsatzdiskussion angeheizt, welche Details aus dem Intimleben Prominenter Gegenstand der Berichterstattung sein dürfen. Angegriffen wurde das Vorgehen der Ermittler: Kritiker meinen, es wäre nicht nötig gewesen, den Pop-Star in aller Öffentlichkeit festzunehmen und durch die Justiz als HIV-positiv zu outen. Das komme einer Vorverurteilung gleich, hiess es.

Öffentliche Reue

Die 28-jährige Sängerin selbst klagte vor allem über eine «unmögliche Massivität von Medien». Sie ging offen mit ihrer Infektion um. Erstmals sprach sie am 1. Juli 2009 in der RTL-Sendung «Stern TVv» darüber. Und bei ihrem Auftritt bei der Gala für die Deutsche Aids-Stiftung im November 2009 erhielt die Sängerin Standing Ovations. Sie sagte dort, es gebe keinen Tag, an dem sie nicht bereue, kein Kondom benutzt zu haben. In der Vergangenheit habe sie unter enormem Druck gestanden, ihre Infektion geheim zu halten: «Es gab Erpressungen, Drohungen.»

Das Leben der Sängerin mit der souligen Stimme ist von Höhen und Tiefen gekennzeichnet. Benaissa wurde am 26. April 1982 als Tochter eines marokkanischen Einwanderers in Frankfurt am Main geboren und wuchs in Langen auf. Im Teenageralter geriet sie in die falschen Kreise – mit 14, wie sie selbst in einem «Stern TV»-Interview zugab, war sie crackabhängig, bereits mit 17 wurde sie Mutter. Ihre Tochter Leila habe ihr das Leben gerettet, erzählte Benaissa in einem Interview. Der Entzug sei schwer gewesen, dennoch sei sie clean. Vorwürfe, sie habe sogar Prostitution betrieben, wies die Sängerin immer wieder entschieden zurück.

Benaissa startet 2005 Solokarriere

Für die junge Mutter ging es danach steil bergauf: Sie holte ihre Mittlere Reife nach und nahm 2000 beim Fernsehsender RTL2 an einem Casting für die erste Staffel «Popstars» teil und wurde prompt genommen. Gemeinsam mit Jessica Wahls, Sandy Mölling, Lucy Diakovska und Vanessa Petruo wurde Benaissa über Nacht berühmt. Zwölf Singles, die unter den Top Ten in Deutschland landeten, vier davon waren Nummer eins – die fünf Engel waren ganz oben in dem schnelllebigen Geschäft. Doch mit dem Erfolg kamen auch die Negativschlagzeilen, vor allem Benaissa sorgte wegen ihrer Jugendsünden für Schlagzeilen in einschlägigen Boulevardblättern.

Ende 2003 dann das Aus: Die Band löste sich zugunsten einer längeren Pause und Solokarrieren auf. Benaissa zog sich zurück, widmete ihre Zeit ihrer Tochter. Erst 2005 startete sie ihre Solokarriere, koppelte ein Album aus und ging mit Simply Red auf Tour. Anfang 2007 folgte das Comeback der No Angels – allerdings nur noch zu viert, ohne Petruo. Die Band schaffte es allerdings bislang noch nicht, an ihre früheren Erfolge anzuknüpfen. Die grösste Schlappe verzeichneten die Vier 2008 mit ihrer Teilnahme beim Eurovision Song Contest, als sie den drittletzten Platz belegten.

Nadja Benaissa hat sich in den vergangenen Monaten immer mehr aus dem Pop-Geschäft zurückgezogen. Gerüchte um einen Ausstieg aus der Band wurden laut, besonders als sie ihre Teilnahme an der Club-Tournee der Vier abgesagte. Der Manager der No Angels, Khalid Schröder, wollte sich auf DAPD-Anfrage dazu nicht äussern. Benaissa sei seit Mai krankgemeldet – und das wohl auch noch bis zum Prozessauftakt, betonte er. Im Oktober soll die Biografie der Sängerin erscheinen – der Titel des Buches scheint optimistisch: «Nadja Benaissa – Alles wird gut». (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 12.08.2010, 14:45 Uhr

Panorama

Populär auf Facebook Privatsphäre


DIE AGENDA

Informieren Sie sich über aktuelle Kulturveranstaltungen in der Stadt und Umgebung.

Remund führend in Werbetechnik

Kein Wunsch zu aufwendig, kein Format zu gross - Remund Werbetechnik löst jede Aufgabe mit modernster Technik.

Online-Wettbewerb

Jetzt mitmachen!: Gewinnen Sie einen Abend als Statist bei den Tellspielen Interlaken!

Live @ Sunset

11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!