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Ex-Freunde sagten im Fall Benaissa aus

Aktualisiert am 19.08.2010

An zweiten Verhandlungstag im Prozess gegen «No Angels»-Sängerin Nadja Benaissa traten heute Ex-Freunde vor Gericht in Darmstadt auf. Einer wusste von ihrer HIV-Ansteckung, ein anderer fand Medikamente.

1/11 Hat nicht alle Freunde über ihre Krankheit im Unklaren gelassen: Nadja Benaissa am zweiten Verhandlungstag.

   

Im Prozess gegen die Sängerin Nadja Benaissa müssen die anderen No-Angels-Mitglieder voraussichtlich nicht mehr als Zeuginnen erscheinen. Das wurde am Donnerstag während der Verhandlung vor dem Jugendschöffengericht in Darmstadt bekannt. Auch die Aussage des Rap-Stars Samy Deluxe wird nach derzeitigem Stand nicht mehr benötigt. Am zweiten Prozess-Tag stellte die Strafkammer einen Anklagevorwurf der versuchten gefährlichen Körperverletzung ein.

Die Staatsanwaltschaft wirft der 28-jährigen HIV-Infizierten vor, im Jahr 2004 einen Mann beim ungeschützten Sex mit dem Aids-Virus angesteckt zu haben. Deswegen ist sie wegen gefährlicher Körperverletzung angeklagt. Ausserdem hatte sie mit zwei anderen Männern ungeschützt Sex und ihnen ihre Infektion verschwiegen. Weil diese nicht angesteckt wurden, gelten diese beiden Fälle als versuchte gefährliche Körperverletzung.

Anzeige im Jahr 2008

Eingestellt wurde das Verfahren im Fall des Mannes, den Nadja Benaissa 2004 bei Dreharbeiten für eine Fernsehshow in der Dominikanischen Republik kennengelernt hatte. Unmittelbar vor ihm hatte sie eine Beziehung zu dem Künstlerbetreuer, der im Jahr 2004 infiziert wurde und sie 2008 anzeigte.

«Realistisch wäre eine Bewährungsstrafe»

Der Sängerin drohen bei einer Verurteilung zwischen sechs Monaten und zehn Jahren Haft. Das Geständnis werde sich mit grosser Wahrscheinlichkeit strafmildernd auswirken, sagte Staatsanwalt Peter Liesenfeld bereits am Montag in einer Verhandlungspause. Am Donnerstag meinte der Anwalt des HIV-infizierten 34-jährigen Künstlerbetreuers, der als Nebenkläger am Prozess teilnimmt: «Realistisch wäre eine Bewährungsstrafe.»

Am Donnerstag wurde bekannt, dass Nadja Benaissa nicht allen Freunden ihre HIV-Infektion verschwiegen hatte. Ein Exfreund, der in den Anklagevorwürfen aber keine Rolle spielt, sagte als Zeuge, sie habe ihn im Jahr 2003 von Anfang an über ihre HIV-Infektion aufgeklärt. «Sie hat sehr offen und verantwortungsvoll mit mir über das Thema gesprochen», sagte der 38-jährige Musiker, der nach eigener Aussage etwa ein Jahr lang eine feste Beziehung mit Benaissa hatte.

Ansteckung laut vorläufigem Gutachten bewiesen

Die Sängerin hat gestanden, auch mit ihrem Freund aus dem Jahr 2000, einem Mitschüler der Abendschule, ungeschützten Sex gehabt haben. Mit ihm hatte sie nach eigener Aussage im Jahr 2000 eine achtmonatige Beziehung. Er sagte am Donnerstag unter Ausschluss der Öffentlichkeit als Zeuge aus.

Ein anderer Zeuge erschien nicht vor dem Amtsgericht und hatte sich auch nicht entschuldigt. Deswegen verhängte die Kammer eine Strafe von 400 Euro. Seine frühere Aussage wurde verlesen. Demnach will der Musikproduzent Nadja Benaissa zur Rede gestellt haben, nachdem er während einer Affäre im Jahr 2007 zufällig Aids-Medikamente in ihren Sachen entdeckt hatte. Sie habe ihm daraufhin unter «Heulkrämpfen» von ihrer Angst vor einer Gefängnisstrafe erzählt. Auch soll sie ihm schon damals ungeschützten Verkehr mit zwei anderen Männern gebeichtet haben.

Gutachten eines Mediziners

Am nächsten Mittwoch soll ein Münchner Experte sein immunologisches Gutachten vortragen. Darin geht es um die Rückverfolgung der Virenstämme und um die Frage, ob sich der 34-jährige Künstlerbetreuer, der erst 2007 seine HIV-Diagnose erhielt, tatsächlich bei Benaissa angesteckt hat. Sein vorläufiges schriftliches Gutachten weist nach Angaben des Staatsanwalts auf eine Ansteckung durch Benaissa hin.

Der Prozess vor dem Jugendschöffengericht ist auf insgesamt fünf Verhandlungstage angesetzt. Mit dem Urteil ist am 26. August zu rechnen. (sam/dapd)

Erstellt: 19.08.2010, 17:42 Uhr

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