Panorama

Ein Engel im freien Fall

Aktualisiert am 15.04.2009

Der Fall der Popsängerin Nadja Benaissa beschäftigt nicht nur die Klatschpresse Deutschlands. Das Mitglied der No Angels soll einen Mann wissentlich mit HIV angesteckt haben.

1/6 No Angel? Nadja Benaissa soll vorsätzlich einen Mann mit dem HI-Virus angesteckt haben.
Bild: Reuters

   

Und wieder einmal geht es um die Kehrseite des Showbusiness: Nadja Benaissa, Sängerin der erfolgreichsten deutschen Girl-Group No Angels, sitzt in Untersuchungshaft. Der Vorwurf: In den Jahren 2004 und 2006 soll sie mit mindestens drei Männern ungeschützten Sex gehabt zu haben, ohne sie darüber zu informieren, dass sie HIV positiv ist. Einer davon hat sich dabei angeblich mit dem HI-Virus angesteckt und erstattete deswegen letztes Jahr Anzeige. Sollten sich die Vorwürfe erhärten, hat sich die 26-Jährige damit der gefährlichen Körperverletzung strafbar gemacht.

Öffentliche Festnahme

Benaissa war am Samstagabend vor dem Auftritt in einer Disco in Frankfurt am Main vor den Augen von Fans verhaftet worden. Gemäss der Staatsanwaltschaft war die Festnahme in der Öffentlichkeit unvermeidlich, da Benaissa nur sporadisch an ihrer Wohnadresse zugegen war. Wegen dringenden Tatverdachts und Wiederholungsgefahr bleibt sie bis auf Weiteres in U-Haft. Ihr droht eine mehrjährige Haftstrafe. Gemäss Experten könnte ein Strafmass von ein bis zwei Jahren Gefängnis fällig werden.

Benaissas Rechtsanwalt liess jedoch über eine Pressemitteilung verlauten, für ein strafrechtliches Verhalten gebe es «keine irgendwie gearteten Anhaltspunkte». Er erwartet, dass die Untersuchungshaft «unverzüglich aufgehoben wird». Es sei keineswegs bewiesen, dass Nadja für eine HIV-Infektion einer anderen Person verantwortlich sei, betonte der Anwalt. Auch die Aids-Stiftung Deutschland kritisiert die Inhaftierung als unverhältnismässig. Die Verantwortung werde alleine auf Benaissa abgeschoben.

Ein Leben voller Ups und Downs

Benaissa ist kein unbeschriebenes Blatt. Die Tochter eines Marokkaners und einer Deutsch-Serbin geriet als Teenager mehrfach mit dem Gesetz in Konflikt: Sie verübte Diebstahldelikte und gab später zu, mit 14 stark crack-abhängig gewesen zu sein. Mit 15 haute sie von zuhause ab und 1999 brachte sie im Alter von 17 Jahren ihre Tochter Leila zur Welt, welche allerdings nicht mit dem HI-Virus infiziert sein soll. Auch zu erfolgreichen Zeiten kämpfte die hübsche Sängerin und alleinerziehende Mutter mit Geldproblemen: 2008 gab sie bekannt, pleite zu sein und über 200’000 Euro Schulden zu haben.

Intelligent und introvertiert

In der Branche gilt Benaissa dennoch als intelligent und eloquent. «Bei Diskussionen wartet Nadja am längsten, bis sie sich einmischt. Sie hört aufmerksam zu und bringt dann sehr überlegt ihre Argumente vor», erklärt ein Insider gegenüber «Spiegel Online». Sie sei eher introvertiert, habe ständig ein Buch in der Hand.

Nadja Benaissas Leben dürfte mit der Verhaftung und den happigen Vorwürfen einen neuen Tiefpunkt erreicht haben. Ironie des Schicksals: Derzeit wirbt Lucy, «No Angels»-Mitglied und Kollegin von Nadja, auf Plakaten für eine HIV-Aufklärungskampagne. «Ich habe Aids… nicht vergessen» steht in grossen Lettern. (reh)

Erstellt: 15.04.2009, 13:39 Uhr

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