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Der Flop der Polizeikommissarin

Von Christian Brüngger. Aktualisiert am 25.04.2012 16 Kommentare

Die Weltklassehochspringerin Ariane Friedrich outet einen Belästiger – und sorgt damit für Wirbel.

Übte Selbtjustiz und stellte ihren Belästiger an den Online-Pranger: Die deutsche Weltklassehochspringerin und Teilzeit-Polizeikommissarin Ariane Friedrich.

Übte Selbtjustiz und stellte ihren Belästiger an den Online-Pranger: Die deutsche Weltklassehochspringerin und Teilzeit-Polizeikommissarin Ariane Friedrich.
Bild: Keystone

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Ariane Friedrich hatte ganz einfach genug. Also schrieb die deutsche Spitzenhochspringerin und WM-Dritte von 2009 auf ihrem Facebook-Konto einen Eintrag an ihre «lieben Followers». Darin machte sie die Mail eines Mannes, der sie mit Sprüchen und einem Penisbild belästigt hatte, samt seinem Namen und Wohnort publik.

Das führte zu Hunderten meist wohlwollenden Kommentaren anderer Facebook-Benutzer. Auf die kritischen Stimmen antwortete die 28-jährige Frankfurterin in einer weiteren Mitteilung: «Natürlich ist es ein grosser Schritt, solch eine unverschämte E-Mail öffentlich zu machen – aber es ist nicht das erste Mal, dass mich persönlich so eine E-Mail erreicht, zwar nicht von ihm, aber von Dritten. Anzeige zu stellen, ist natürlich immer der richtige Weg, den ich zusätzlich gehen werde», rechtfertigte Friedrich die virtuelle Anprangerung. «Ich bin nicht mehr bereit, zu schweigen. Nur weil ich ein wenig mehr in der Öffentlichkeit stehe, heisst das noch lange nicht, dass Dritte mich in irgendeiner Art und Weise attackieren, beleidigen oder sexuell belästigen dürfen.»

«Es war ihr Notrecht»

Dass Friedrich als Polizeikommissarin angestellt ist und auch Teilzeit arbeitet, macht den Fall aussergewöhnlich. Wenn sich bereits Polizisten um die Regeln des Rechtsstaates foutieren, argumentieren die Kritiker, ist es um Deutschland schlecht bestellt. Denn ob Friedrich wissentlich oder nicht handelte: Der Name des mutmasslichen Belästigers ist am genannten Wohnort, den es in Deutschland nicht nur einmal gibt, mehrfach zu finden. Manche Kommentatoren auf Friedrichs Facebook-Seite finden das zwar unschön, die meisten unterstützen ihr Vorgehen jedoch.

Selbst die Vorsitzenden der beiden deutschen Polizeigewerkschaften stellen sich hinter die resolute Sportlerin. Einer von beiden sagte gar: «Es war ihr Notrecht.» Juristen sehen das ein bisschen anders. Auch mutmassliche Täter – von falsch Beschuldigten ganz zu schweigen – haben nämlich Persönlichkeitsrechte und hätten, wenn es zu einem Prozess käme, gute Chance, diesen zu gewinnen. Zumal es leicht ist, einen Facebook-Account unter falschem Namen zu eröffnen.

Fokus zurück zum Sport

Ariane Friedrich hat inzwischen Anzeige erstattet – und ist verstummt. Sie befindet sich mitten im Aufbau für die Olympischen Spiele. Da stören solche Nebengeräusche. Ihr Manager und Trainer Günter Eisinger bekundet zwar Verständnis für das Vorgehen seines Schützlings, klagt aber: «Keiner redet mehr über den Sport.» Dass der Fall in Deutschland so hitzig diskutiert wird, hängt auch mit Friedrichs sportlicher Sonderstellung zusammen. Vor der Leichtathletik-WM 2009 in Berlin galt sie als aussichtsreichste deutsche Goldkandidatin, nachdem sie sich innert Kürze zur Weltklassehochspringerin entwickelt hatte. Dass ihr Leistungsausweis eher bescheiden war, dämpfte die Euphorie kaum.

Der deutsche Leichtathletik-Verband organisierte kurz vor dem Heimanlass sogar eine Pressekonferenz, an der nur Friedrich auftrat. Eine Ehre, die keinem ihrer 91 Teamkolleginnen und -kollegen zuteilwurde. Mit ihrer extrovertierten Art, ihrer stetig wechselnden Haarfarbe und ihren markigen Worten über Doper ist Friedrich längst auch Sportmuffeln ein Begriff. Zuletzt aber rebellierte ihr Körper: Im Spätherbst 2010 riss die linke Achillessehne. Ihr Wiedereinstieg in diesem Winter fiel eher bescheiden aus. Ariane Friedrich hat bereits genügend Herausforderungen der sportlichen Art. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 25.04.2012, 10:51 Uhr

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16 Kommentare

christof schweitzer

25.04.2012, 11:41 Uhr
Melden 49 Empfehlung 0

an und für sich verständlich. was aber, wenn der email schreiber einen fremden namen verwendet hat (ist bei diesen feigen gestalten oft der fall)? oder, wie offenbar in diesem fall, wenn es nicht nur eine stadt mit diesem namen gibt und nicht nur eine person die so heisst. resultat: es werden x-beliebige unschuldige leute schwer beschuldigt. ähnliches hat kürzlich bereits fast zu lynchjustiz gefüh Antworten


Andreas Meier

25.04.2012, 11:32 Uhr
Melden 44 Empfehlung 0

Der Rechtsstaat ist schon lange am Ende mit seinem "Latein"! Wer andere belästigt und erst noch so dumm ist, dies auf Facebook zu tun - muss sich nicht wundern, an den Pranger gestellt zu werden! Wenn der Staat seine Bürger nicht mehr ausreichend schützen kann, ist es das natürliche Recht der Bürger sich selbst zu wehren - gut gemacht Ariane Friedrich! Antworten



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