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Arnies Liebesboot erleidet Schiffbruch
Im «Boot des Versprechens» fragte er, ob sie will: Überreste einer gescheiterten Ehe.
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Wie es wirklich war, können wir natürlich nicht wissen. Wir können uns nur an die Erinnerungen des Beteiligten halten und uns den Rest ausmalen: Ein herrlicher Herbsttag muss es gewesen sein, vor 26 Jahren. Die Herbstsonne hüllte die kleine Gemeinde Thal bei Graz in goldenes Licht. Die Grillen zirpten, und die Kirchturmuhr schlug Mittag. Alles war still, nur ein kleines Boot zog auf dem kleinen See seine Runden. Der Mann auf der Ruderbank hatte mächtige Schultern und keine Mühe, den Kahn mit ein paar Ruderschlägen in die Mitte des Gewässers zu steuern. Er legte die Ruder zur Seite, holte aus der Jackentasche einen Ring, kniete vor der Frau, die im Heck des Bootes sass, und flüsterte in schönstem Steirer-Englisch: «Maria, do you want do marry me?» Und Maria antwortet: «Oh, Arnie!» Dann gaben sie einander das Eheversprechen. Der Rest ist Geschichte.
Traurige Überreste
Ein Vierteljahrhundert blieben Arnold Schwarzenegger und Maria Shriver ein Paar. Die Journalistin aus dem Kennedy-Clan verzichtete ihres steirischen Bodybuilders wegen auf ihre Karriere, damit er zum Gouverneur von Kalifornien aufsteigen konnte. Jetzt sind sowohl seine politische Laufbahn als auch die Ehe zu Ende. Diese Woche verlautbarte die «L.A. Times», dass Schwarzenegger und Shriver künftig getrennte Wege gehen würden. Und Schwarzeneggers Heimatgemeinde Thal bei Graz hat ein Problem: Was tun mit den traurigen Überresten jenes romantischen Herbsttages des Jahres 1985?
Thal ist schon heute ein überdimensionales Schwarzenegger-Freilichtmuseum. Im Ort und in den umliegenden Hügeln liess der rührige Bürgermeister die «Arnold-Schwarzenegger-Wanderwege» anlegen. Auf den Rundkursen kann man in einer Stunde (Kurzversion), zwei Stunden oder dreieinhalb Stunden die wichtigsten Orte aus Arnies Jugend passieren: das Geburtshaus, die Pfarrei – und eine Ausstellung über seinen Lebensweg «Mit Kraft zum Erfolg» und schliesslich – als Höhepunkt – jenes «Boot des Versprechens», das Arnie 23 Jahre zuvor für die romantische Verlobungsfahrt gemietet hatte. Jetzt steht es neu lackiert als Denkmal am Seeufer, und zwar senkrecht, sodass der Bug in den Himmel ragt. Auf dem Bootsboden klebt ein Foto des lächelnden Arnold Schwarzenegger, Wange an Wange mit Maria Shriver.
Bronzestatue als Prunkstück
Genau drei Jahre ist das Denkmal alt und doch schon so was von von gestern. Was aber jetzt tun damit? Einfach entfernen, so wie einst den Namen«Schwarzenegger» vom Fussballstadion in Graz (weil der damalige Gouverneur Kaliforniens Todesurteile unterzeichnet hatte)? Oder so stehen lassen, wie es ist? Beides könnte Thals berühmtester Sohn als Affront auffassen, wenn er demnächst zu Besuch in eine alte Heimat kommt. Denn ausgerechnet jetzt wird Schwarzeneggers Geburtshaus zu einem Schwarzenegger-Museum umgebaut. Exponate, die derzeit noch in einem schmucklosen Container lagern, sollen ausgestellt werden, unter anderem die ersten Trainingsgeräte des späteren Terminators. Sein Kinderzimmer und die Küche werden originalgetreu restauriert. Schwarzenegger höchstpersönlich soll das Museum im Juli eröffnen.
Prunkstück aber wird eine drei Meter grosse Bronzestatue des Muskelprotzes. Schwarzenegger hat sie selbst bei einem amerikanischen Bildhauer in Auftrag gegeben. Sie zeigt ihn mit geballter rechter Faust in der Pose von Rodins Denker. Brustkorb und Oberarme werden von Muskelbergen eingehüllt, die Unterarme sind ein Netz dicker Adern und Venen. Die hyperrealistische Skulptur mag nicht jedermanns Geschmack treffen, auffallend ist sie auf alle Fälle.
Und steht sie erst einmal auf dem mächtigen Betonsockel vor dem Museum, könnten ja die Thaler in ihrem Schatten still und leise das «Boot des Versprechens» versenken. Auf dass es auf dem stillen Grund des Thaler Sees seine ewige Ruhe finde. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 13.05.2011, 11:35 Uhr
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