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Reto Knobel
Ressortleiter Digital
«Lieber Freund» – die vielen Leben des Dr. Kevin Brown
Aktualisiert am 10.05.2010 4 Kommentare
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Beliebter Schund
Nur drei Prozent aller Mails, die auf Firmenservern landen, sind laut dem Sicherheitsanbieter Sophos keine Spamnachrichten.
Junk-Mails sind beliebter, als man denkt – wie sonst lässt es sich erklären, dass fast die Hälfte aller Nutzer Spams öffnet, wie eine neue Studie ergeben hat?
Die meisten Spam-Nachrichten kommen übrigens aus Asien (33,7 Prozent), Europa (31,2 Prozent) und Nordamerika (16,9 Prozent).
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Es gibt viele Kevin Browns auf dieser Welt, darunter sogar ein paar Halb- und Ganztagesprominente. Ein 45-jähriger Kevin Brown spielt Baseball in den USA, ein 36-jähriger Namensvetter ist als Hockeyaner in Grossbritannien tätig und der zehn Jahre jüngere Kevin Brown hat sich einen Namen als Kämpfer in der britischen Rugby League einen Namen gemacht. Dr. Kevin Brown ist ausserdem ein bekannter Psychologieprofessor der Universität Birmingham, der sich in der britischen Presse immer wieder mal zu Famillienfragen äussert.
Der berühmteste aller Kevin Browns allerdings kommt aus der virtuellen Welt. Seit Jahren verschickt er Mails mit einer verlockenden Botschaft: 12,5 Millionen Dollar für jedermann, gratis!
Nigeria ist in Europa
«Kevin Brown», sagt der deutsche Spamexperte Berthold Metz, «ist tatsächlich ein alter Bekannter, er gehört in die Kategorie Nigeria-Spam». Streng genommen handle es sich bei diesen Junk-Mails um «UK-Spam», aber wie Metz herausgefunden hat, hat sich die Nigeria-Masche auf andere Pseudo-Herkunftsländer ausgeweitet. Unter anderem macht derzeit Nigeria-Spam aus Polen und dem Irak die Runde. Der Hauptvertreter des Tigris-Trashs nennt sich Timothy Reese, seines Zeichens Colonel der US-Armee und behauptet, einer Terroristengruppe 9,2 Millionen US-Dollar abgenommen zu haben. Nun braucht er nur noch einen Geschäftspartner, der den Schatz ausser Landes transferieren kann. Das Urteil von Berthold Metz: «Prädikat: höchst originell!»
Spezialist für Flugzeugabstürze
«Dr. Kevin Brown» hat ein bewegtes Leben. So gibt er sich in einer aktuellen Spamnachricht als Geschäftsleitungsassistent in London aus, der auf einem verlassenen Konto eine grosse Summe eine amerikanischen Staatsbürgers entdeckt hat, welcher vor zehn Jahren bei einem Flugzeugabsturz in Alaska ums Leben gekommen ist. Brown hat ausserdem die Konten eines mexikanischen Juden aufgestöbert, der einen Helikopterabsturz nicht überlebt hat, und das Geld eines Mr. Thompson Morrison, «der leider sein Leben verlor bei dem Flugzeugabsturz von Alaska Airlines Flug 261, die am 31. Januar 2000 stürzte». Zufälligerweise haben alle Verunglückten immer genau 12,5 Millionen Dollar auf der Bank...
Laut Metz verschickt «Dr. Kevin Brown» seine Mails «selbst», respektive von einer Adresse seiner Wahl. Das heisst, er kann kontrolliert vom eigenen Mailserver aus spammen (ausserdem muss er keine Kontaktmailadresse in seine Spam-Mails reinschreiben). Der grosse Vorteil dieser Masche: «Weil ‹Kevin Brown› selbst versendet, kommen nicht so viele Mails an, dafür ist die Wahrscheinlichkeit, dass diese durch einen Spamfilter kommen, viel höher. Durch Variationen und andere Absendestationen hat er die Möglichkeit, Blacklists zu umgehen», weiss Berthold Metz.
Weiblicher Spam mit Stil
Es hat nicht lange gedauert, da gebar der Cyberspace Kevin Brown ein Brüderchen – Dr. K. Braun genannt. Die Nachrichten des «German Browns» stammen offenbar aus den gleichen Quellen wie die von Dr. Gisela Blecher-Stratmann, im deutschsprachigen Raum das häufigst verwendete Pseudonym. «Man könnte fast meinen», sagt der studierte Germanist Berthold Metz, «dass Dr. K. Braun zum Team von Gisela Blecher-Stratmann gehört». Allerdings habe der Verfasser der Blecher-Stratmann-Mails Stil und spamme professionell, «während der Urheber von Dr. K. Braun ein namenloser und vor allem mittelmässiger Vorstadtbroker ist.» (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 10.05.2010, 11:21 Uhr
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