Käse mit Anlaufschwierigkeiten

Der «Chäs-Chäuer» ist anfangs etwas schwer zu finden, ist man jedoch einmal dort, dreht sich alles um Käse - und um den dazu passenden Wein.

Im hinteren Teil des Chäsbueb-Ladens gelangt man in den Chäs-Chäuer.

Im hinteren Teil des Chäsbueb-Ladens gelangt man in den Chäs-Chäuer. Bild: chaesbueb.ch

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Von der Altstadtgasse her ist der Zugang zum Keller verrammelt. Dabei hatte es auf der Website geheissen, der Keller sei während der Ladenöffnungszeiten stets geöffnet. Wir fragen nach. «Ja, der Chäs-Chäuer ist offen», sagt der Verkäufer hinter der Theke und zeigt in den hinteren Teil des Chäsbueb-Ladens.

Dort weist ein unauffälliger Schriftzug den Weg in den Untergrund. Ein schummriger Raum erwartet uns. Ausser uns ist niemand da – obs am schönen Wetter liegt oder daran, dass man den Weg hierhin kaum findet? Erneut bezweifeln wir, dass der Chäs-Chäuer wirklich geöffnet hat.

Doch dann taucht aus dem Dunkeln plötzlich eine Verkäuferin auf. Sie heisst uns willkommen, auch wenn die Beleuchtung etwas anderes sagt. Das Licht müsse so gedämpft sein, klärt sie uns auf. Sie könne es aber auch heller drehen, wenn wir möchten. Wir möchten. Sofort wird der kleine Kellerraum freundlicher.

Überraschend modern wirkt er – mittendrin ein langer Holztisch mit einfachen Sitzgelegenheiten. Brennende Kerzen sorgen für Stimmung. Auf der einen Seite steht ein Regal mit Weinen und den heutigen Hauptdarstellern: den Käselaiben. Sie geben dem Keller nicht nur seinen Namen, sondern auch seinen Geruch.

***

Was wir essen möchten, will die Verkäuferin wissen. Raclette? Fondue? Weder noch. Der Sinn steht uns nach etwas Einfacherem: Käseplättli, Brot, Wein. «Möchten Sie den Käse selber auswählen?», fragt die Dame. «Überraschen Sie uns.» Auch beim Rotwein vertrauen wir auf ihr Urteil. Wenig später steht der Käseteller mit acht verschiedenen Sorten auf dem Tisch.

Welcher Käse wie heisst, woher er kommt oder in welcher Reihenfolge die Auswahl zu essen wäre, darüber schweigt sich die Verkäuferin aus. Auch beim Wein bleibt den Gästen nur ein kurzer Blick auf die Etikette; einige erläuternde Worte wären nett gewesen.

Aber – das ist letztlich immer noch das Wichtigste – der Wein schmeckt. Eine kräftige Assamblage, die dem intensiven Käse die Stirn bieten kann. Zu Käse und Wein gibt es frisches Baguette, Feigensenf, Zwiebelkonfitüre, Tomätchen und Trauben.

***

Die Herausforderung zum Start ist es, die Käsesorten so in eine Reihenfolge zu bringen, dass der Geschmack zum Ende hin intensiver wird und nicht umgekehrt. Bei der ersten Runde zeigt sich, dass zwei Sorten dem Geschmack von Testesser und Begleiter nicht ganz entsprechen: Der mit Kräutern gefüllte Weissschimmelkäse schmeckt eher langweilig, ein halbharter gewöhnungsbedürftig nach Curry.

***

Unsere Reise auf dem Käseteller beginnt mit einem äusserst cremigen Weissschimmelkäse, der am Rand leicht verläuft. Weiter geht es mit zwei klassischen, würzigen Hartkäsen. Gefolgt von einem, der so reif ist, dass er beim Schneiden zerbröckelt, im Mund aber dennoch verhältnismässig mild schmeckt.

Den Abschluss bilden ein herrlich kräftiger Weichkäse mit Rotschmiere und ein reifer Gouda (oder Cheddar) mit feiner Schärfe. Besonders zu diesen Sorten passen der scharfe Feigensenf und die würzig-fruchtige Tomatenkonfitüre bestens. Was uns das Ganze – ein grosszügig gefüllter Käseteller und drei Gläser Wein (ebenfalls grosszügig gefüllt) – kostet, erfahren wir erst an der Kasse. «58.10 Franken, bitte», sagt die Verkäuferin, die regelmässig bei uns nach dem Rechten gesehen hat – und verspricht, das nächste Mal werde sie uns etwas mehr Orientierungshilfe geben. (Der Bund)

Erstellt: 02.04.2017, 20:56 Uhr

Die Rechnung, bitte

Karte: Eine eigentliche Karte gibt es nicht. Geboten wird Käse in verschiedenen Variationen: vom Käseplättli bis zum Fondue. Dazu gibt es eine schöne Auswahl an Weinen aus der Münsterkellerei. Am Samstag wird ein Brunch serviert.

Preise: Ein Käseplättli und drei Gläser
Rotwein kosten knapp 60 Franken. Den Samstagsbrunch gibt es für 29 Franken.

Kundschaft: Nur gerade der Testesser und sein Begleiter verirren sich an diesem Mittag in den Chäs-Chäuer. Beim Samstagsbrunch scheint das anders zu sein. Dann empfehle es sich zu reservieren, heisst es auf der Website.

Öffnungszeiten: Montag 11–18.30 Uhr, Dienstag bis Donnerstag 9–18.30 Uhr, Freitag 8–18.30 Uhr, Samstag 8–17 Uhr.

Adresse: Chäs-Chäuer, Chäsbueb,
Kramgasse 83, 3011 Bern
Telefon: 031 311 22 71
E-Mail: info@chaesbueb.ch
Internet: www.chaesbueb.ch

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Kommentare

Blogs

KulturStattBern Out of Komfortzone: Tschingelhell

Zum Runden Leder Schleimiger Schelm

Die Welt in Bildern

Süsse Handarbeit: In der Schokoladenfabrik 'La muchacha de los chocolates' platziert ein Arbeiter eine Kirsche in eine mit Schokolade ausgekleidete Form. (21. Juli 2017)
(Bild: Andres Stapff) Mehr...