Der Fluglärm in Meiringen stört - vor allem beim Tourismus

Der Lärm des Kampfflugzeugs F/A-18 sei unsäglich laut, klagen die Touristiker am Brienzersee – doch das VBS habe für ihre Probleme kein Musikgehör.

Der Lärm vertreibt Touristen: Startender F/A-18 auf dem Militärflugplatz Meiringen.

Der Lärm vertreibt Touristen: Startender F/A-18 auf dem Militärflugplatz Meiringen. Bild: Adrian Moser

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Der F/A-18 ist unglaublich laut. Wenn eine dieser Militärmaschinen auf dem Flugplatz Meiringen startet, beträgt der Lärmpegel um die 115 bis 120 Dezibel. Der Lärm echot von den Bergen zurück, so dass niemand mehr sein eigenes Wort versteht. Das ist nicht neu. Am Brienzersee kennt man die lauten Fluggeräte seit 2005/06, als die F/A-18-Staffel von Dübendorf nach Meiringen verlegt wurde. Doch gewöhnen können sich die Leute am Brienzersee und im Haslital nicht daran.

Gewöhnt sind sie zwar Militärflieger, doch die früheren Tiger-Maschinen waren viel weniger laut. Der F/A-18 ist auch deshalb so lärmig, weil die Piloten aus Sicherheitsgründen mit Nachbrenner starten müssen, damit sie in den Bergen rasch an Höhe gewinnen. In Dübendorf war das wegen der flacheren Umgebung nicht nötig.

Kontaktgremium ohne Resultat

Der Konflikt zwischen der Armee und den Touristikern und Hoteliers schwelt seit langem. Der frühere VBS-Vorsteher Samuel Schmid hatte darum ein Kontaktgremium eingerichtet, in dem Vertreter der Region und der Armee ihre Anliegen bereden. Viel scheint dabei bis dato nicht herausgekommen zu sein.

«Es ist eine gute Idee», sagt Monique Werro, Geschäftsführerin des Seehotels Bären in Brienz und Vizepräsidentin des Hoteliervereins Brienz. Allerdings sei ihr Verein längst aus dem Gremium ausgetreten, denn «man konnte die Anliegen zwar einbringen, aber richtig diskutiert wurden sie nie». Ohnehin hätten um den Flugplatz Meiringen herum viele den Eindruck, sie würden bloss hingehalten. Seitens des VBS heisse es stets, die Dinge seien im Fluss, man wisse noch nicht, welche Flugzeugtypen die Armee haben werde, darum könne man kein Konzept aufstellen, sagt Werro.

Warten auf St. Nimmerleinstag

In den falschen Hals geriet den Lärmgeplagten in der Region ein Communiqué, das Ende Oktober im Namen des Kontaktgremiums verschickt wurde. Inhaltlich gab die Mitteilung vor allem den VBS-Standpunkt wieder: Man habe sich im Gremium getroffen und werde dies weiter tun, es werde pro Jahr bei 4000 bis 5000 Flugbewegungen bleiben. Als besonders alarmierend empfanden die Hoteliers den Satz, wonach «bis 2020 keine Veränderungen absehbar» seien.

Für Meiringen «nicht zumutbar»

«Meiringen ist ein extremer Fall, man kann es nicht dabei belassen», sagt hingegen Werner Ballmer, früher langjähriger Präsident des Verbandes Schweizer Flugplätze (VSF). Er sei kein Fluggegner und als Offizier selbstverständlich auch kein Armeegegner, sagt er, aber dieser ungeheure Lärm sei für die Tourismusregion nicht tragbar. Sie leide während der kurzen Sommersaison massiv unter dem Lärm.

Der F/A-18 sei ein Gerät mit einem Lärmpegel, der für ein Tourismusgebiet «nicht zumutbar» sei. Ballmer stört auch die Art der Berechnung der Lärmbelastung. Vereinfacht gesagt werden die dröhnenden Lärmspitzen und die Zeiten ohne Flugbetrieb in einen Durchschnitt umgerechnet, was der Realität nicht gerecht werde.

Es sei wichtig, sich ernsthaft mit den Anwohnern auseinanderzusetzen, sagt Ballmer. So komme man am Schluss zu einem Resultat. Der Kompromiss mache vielleicht niemanden vollends glücklich, aber es könnten alle damit leben: «So funktioniert die Schweiz.» (Der Bund)

(Erstellt: 10.11.2015, 10:56 Uhr)

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