Merz selber hat sein politisches Schicksal theatralisch mit der raschen Befreiung der Geiseln verknüpft. Damit inszeniert sich der Bundespräsident als Mann der Tat, der sich berufen sieht, mit einsamen Führungsentscheiden in der Not das Glück zu erzwingen und alle Verantwortung auf sich zu laden. Dieses fast romantische Rollenverständnis ist an sich sympathisch und wirkt mutig. Doch Merz wird am Schluss nicht als Held dastehen, selbst wenn die Sache gut ausgeht.
Seinen Hochseilakt im Geiseldrama lancierte Merz ohne Sicherheitsnetz. Er traf den libyschen Premierminister, ohne sich mit den Bundesratskollegen abzusprechen, und ignorierte den Rat, dass nur ein Treffen mit Ghadhafi eventuell den Durchbruch bringen könnte. Und er machte Konzessionen ohne harte Garantie für rasche Gegenleistungen.
Die gut gemeinte Befreiungsaktion war deshalb eher leichtsinnig als mutig. Selbst im Erfolgsfall bleibt Schaden für Hans-Rudolf Merz. Nachdem er schon im Fall UBS-USA mit verwirrenden Äusserungen Irritationen ausgelöst hat, unterspült die Libyen-Affäre jetzt seine Autorität zusätzlich.
Schon am Anfang seiner Bundesratskarriere schien es manchmal, der hochanständige Hans-Rudolf Merz passe nicht so ganz in die raue Welt der Politik. In den Krisensituationen der jüngsten Zeit hat sich dieser Eindruck verstärkt.
(Der Bund)