Parlamentarier begrüssen Kopftuchverbot im Basketball

Von David Schaffner, Luzern . Aktualisiert am 21.08.2009
Parlamentarier von links bis rechts begrüssen den Entscheid, dass eine muslimische Basketballerin in der Nationalliga B kein Kopftuch mehr tragen darf.
topelement Gruppenbild mit Kopftuch: STV Luzern mit Sura al-Hawk.
Kopftuch oder Basketball? Vor dieser Frage steht die 19-jährige Sura Al-Shawk. Die Schweizerin mit irakischen Wurzeln gilt als Hoffnungsträgerin des Basketballteams STV Luzern Basket. Bis zu ihrem Eintritt ins Nationalliga-B-Team hat die junge Frau aus dem luzernischen Ebikon stets mit Kopftuch gespielt. Am Donnerstag aber hat der Nordostschweizer Basketballverband Probasket in seinem Newsletter klargemacht, dass das Kopftuchverbot bei offiziellen Spielen auch für sie gilt.

«Wir müssen unser Kreuzchen ebenfalls abziehen»

Probasket begründet das Verbot mit dem Reglement des internationalen Basket-Verbandes Fiba, welches das Tragen von religiösen oder politischen Symbolen prinzipiell untersagt. «Wir müssen unser Kreuzchen ebenfalls abziehen, wenn wir spielen», sagt Probasket-Mitarbeiterin Rita Hess-Gerber zu einem Bericht der «Neuen Luzerner Zeitung». Nicht nur Symbole seien verboten, sondern auch Kopfbedeckungen oder Schmuck.

In der Politik kommt der Entscheid von Probasket gut an: «Religion hat nichts auf dem Spielfeld zu suchen», sagt der Zürcher SVP-Nationalrat Hans Fehr. Er ist überzeugt, dass die junge Frau das Kopftuch nicht freiwillig, sondern aus familiärem Zwang trägt. «Letztlich profitiert auch sie vom Verbot», glaubt Fehr.

«Religion darf nicht im Sport auftauchen»

Einverstanden mit dem Verbot ist auch der Luzerner SP-Nationalrat Hans Widmer: «Es ist wichtig, dass religiöse Anliegen und Konflikte nicht plötzlich im Sport auftauchen.» Dies lasse sich nur mit klaren Regeln verhindern wie eben einem Kopftuchverbot. Man könne es zwar durchaus als Zeichen einer gewissen Integration ansehen, dass die junge Frau in einem Schweizer Verein mitspiele. «Sie muss sich jedoch auf eine Art und Weise integrieren, in der nicht sogleich religiöse Spannungsfelder auftauchen», meint Widmer.

Die Aargauer CVP-Nationalrätin Ruth Humbel meint: «Private Organisationen wie Probasket können ihre eigenen Regeln machen und diese durchsetzen. Etwas anders wäre die Lage, wenn es um ein Kopftuchverbot im Schulsport gehen würde.» Dort sei vor allem wichtig, dass muslimische Mädchen überhaupt mitmachten. «Der Staat darf nicht zu fest in die religiöse Freiheit eingreifen und muss das Tragen eines Kopftuchs im staatlichen Sportunterricht zulassen», sagt Humbel.

Noch keine Entscheidung gefällt

Die Basketballerin selber, die seit neun Jahren in der Schweiz lebt, kann den Entscheid nicht verstehen. Sie habe bisher mit dem Kopftuch nie Probleme gehabt, weder bei der eigenen noch den gegnerischen Mannschaften. Ob sie sich für das Kopftuch oder ihre sportliche Leidenschaft entscheidet, weiss sie noch nicht. Sollte ihr Verein sie mit Kopftuch aufs Feld schicken, würde er die Spiele forfait verlieren.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 21.08.2009, 04:00 Uhr

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