Anti-Terror-Einheit im Einsatz
Um 9.22 und um 10.14 Uhr hat die Kantonspolizei Bern zwei anonyme Anrufe erhalten. Aus diesen Meldungen sei hervorgegangen, dass die Polizei in der Gibb «ein Delikt gegen Leib und Leben verhindern könne», sagte Regierungsstatthalterin Regula Mader am Mittag im Rahmen einer ersten Medienkonferenz. Die Drohungen hatten einen Grosseinsatz von Sicherheitskräften zur Folge. Für Stunden wurde das Schulgelände abgeriegelt und die Lorrainestrasse teilweise gesperrt. Die Sanitätspolizei stand mit einem halben Dutzend Fahrzeugen am Dammweg bereit, die Berufsfeuerwehr der Stadt Bern war vor Ort. Im Vergleich zum Bombenalarm an der Gibb im März 2007 (vgl. Kasten) waren die Drohungen diesmal offener formuliert: Die Polizei suchte allgemein nach gefährlichen Gegenständen. Entschärfungsspezialisten mit Spürhunden standen genauso im Einsatz wie die Anti-Terror-Einheit Enzian. Stundenlang wurden sämtliche Schulräume durchsucht.
Im Schulzimmer festgesessen
Zum Zeitpunkt des Alarms befand sich ein Grossteil der 1200 Schüler im Schulhof in der Pause. Sie durften nicht mehr zurück in die Schulräume. Während einige Schüler draussen den aus dem ganzen Land angereisten Medienleuten Erlebtes und Gerüchte in die Mikrofone diktierten, hingen viele ihrer Kolleginnen und Kollegen in den Klassenzimmern fest. Sie, wie auch eine stattlicher Teil der Lehrerschaft, durften die Gebäude nicht verlassen. Unter die Schülerschaft auf der Lorrainestrasse mischten sich zahlreiche Schaulustige, aber beispielsweise auch eine besorgte Mutter, die ihren festsitzenden Sohn per Handy bat, dieses eingeschaltet zu lassen. In Panik indes brach niemand aus, alle blieben ruhig, ja unter der Schülerschaft im Freien war durchaus teilweise ein gewisses Amüsement feststellbar. Für einige war früh klar, was gegen Abend schliesslich als höchstwahrscheinlich feststand: Bei den Drohungen handelte es sich um einen dummen Scherz von Schülern.
Schüler durchsucht
Nach 13 Uhr durften schliesslich die im Innern blockierten Schüler die Gibb verlassen: Sie alle wurden von der Polizei durchsucht. Ebenso erging es den Lehrlingen, die kurze Zeit später die ersten Räumlichkeiten wieder betreten durften.
Für Verwirrung sorgte kurzzeitig der abrupte Aufbruch der Einheit Enzian, die in Vollmontur und mit Blaulicht davonraste. Es sei ein Hinweis eingegangen, dass «irgendwo» im Einsatzgebiet «jemand aus dem Fenster geworfen werde», erklärte Polizeisprecher Jürg Mosimann später dem «Bund». Die Meldung habe sich aber als nichtig erwiesen.
Als Fehlalarm entpuppten sich auch die anonymen Drohungen betreffend Gibb: Es gebe bis jetzt «keine Hinweise darauf, dass die Drohungen ernst gemeint waren», sagte Regula Mader am späten Nachmittag an einer zweiten Medienkonferenz. Bei den Durchsuchungen und Personenkontrollen seien «keine besonderen Feststellungen gemacht worden».
Mehrere Personen angehalten
Allerdings seien «mehrere Personen angehalten» worden, fuhr Mader fort. Entsprechende Ermittlungen seien im Gang. Weitere Angaben zu den Angehaltenen wollte Mader aus «ermittlungstaktischen Gründen» nicht machen. Auch zu einer Festnahme kam es; Abklärungen hätten aber ergeben, dass der Festgenommene nicht mit den Drohungen in Zusammenhang gebracht werden könne. Für ihre Ermittlungen hält sich die Polizei an die eingegangenen Anrufe: Sie sucht Zeuginnen und Zeugen, die gesehen haben, wer um 9.22 Uhr am Publiphon Viktoriarain und um 10.14 Uhr am Publiphon Lorrainestrasse telefonierte.
Gibb-Direktor Herbert Binggeli geht von einem «dummen Scherz» aus, wie er auf Anfrage sagte. Drohungen dieser Art habe man aber ernst zu nehmen – «wir dürfen kein Risiko eingehen». Spezielle Vorkommnisse oder Anlässe, die zur Tat motiviert haben könnten, habe es nicht gegeben. Dem ärgerlichen Vorfall konnte Binggeli – wie 2007 – wenigstens etwas Positives abgewinnen: Alle seien ruhig geblieben. Und die Sicherheitsleute hätten professionell gehandelt.
(Der Bund)