Meinung

Zu viel «Solidarität» ist schädlich

Von Patrick Feuz. Aktualisiert am 18.02.2011 7 Kommentare

Patrick Feuz

Das Wahljahr ist wie Weihnachten: ein Fest für die Familie mit schön verpackten Geschenken. Die CVP macht den Anfang. Sie will, dass Eltern für ihre Kinder keine Krankenkassenprämie mehr bezahlen müssen. Und die Sozialkommission des Nationalrats hat sich der Forderung mehrheitlich angeschlossen, weil sie nicht hartherzig erscheinen will.

Heute verbilligen die Kantone bei unteren und mittleren Einkommen die Kinderprämien um mindestens die Hälfte. Wie weit in den Mittelstand hinein die Subventionen fliessen,bestimmen die Kantone selber – die einen sind grosszügiger, die anderen knausriger. Die Linke findet diese Form von Föderalismus ungerecht und ist deshalb für eine einheitliche Prämienbefreiung der Kinder. Und die CVP erachtet die Abschaffung von Kinderprämien als «solidarisch», weil so Familien wirksam entlastet würden.

Wie viel Solidarität erträgt es? Das fehlende Kinderprämiengeld hätten laut CVP die Erwachsenen beizusteuern – mit einem Prämienaufschlag von 20 bis 30 Franken pro Monat. In anderen Worten: Kinderlose müssten Eltern subventionieren. Man mag die Umverteilung sympathisch finden, doch für die obligatorische Grundversicherung wäre sie schlecht. Familien via Krankenkasse zu fördern, ist eine gefährliche Idee – die Grundversicherung darf nicht mit neuem Konfliktstoff belastet werden.

Schon heute löst der vielfältige Solidaritätszwang Unmut aus. Dreissigjährige zahlen weit höhere Prämien als die von ihnen verursachten Gesundheitskosten und finanzieren so die Alten mit. Nichtraucher übernehmen einen Teil des Schadens, den sich Raucher zufügen. Und Linienbewusste beteiligen sich an den Kosten der Fettleibigen. Und jetzt sollen Kinderlose auch noch Eltern subventionieren? Und Leute mit Mittelstandseinkommen Blochers Enkelkinder mitfinanzieren?

Irgendeinmal kommt der Punkt, wo einzelne Gruppen versuchen werden,die Solidarität aufzukündigen. Dann gerät das Versicherungsobligatorium politisch unter Druck. Zu dieser sozialen Errungenschaft sollten wir deshalb Sorge tragen – und sie nicht mit Forderungen wie jener der CVP unnötig unterspülen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 17.02.2011, 22:36 Uhr

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7 Kommentare

maja naef

18.02.2011, 07:45 Uhr
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Fettleibige treiben weniger Sport finanzieren also Sportverletzungen mit. Nicht Skifahrer finanzieren Skiunfälle mit. Ich könnte die Liste beliebig erweitern. Nichtraucher haben sicher andere Mödelie die auch nicht gerade gesund sind. Antworten


Andreas Meier

18.02.2011, 08:48 Uhr
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"Junge zahlen für die Alten"? Nicht nur. Auch wir Älteren zahlen für die unzähligen und immer gravierenderen Verletzungen bei Risikosportarten. Habe noch keine Kasse gefunden, die mir Abzüge zu einzelnen Risikoposten erlaubt. (Nichtraucher? x Franken weniger. Kein Risikosport? y Franken weniger. etc) Frage aber bei jedem Verkäuferanruf danach. Sollten Sie auch machen. Vielleicht hilft's mal was. Antworten



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