Meinung

Warum der Post-Präsident für Leuenberger gefährlich ist

Von Rita Flubacher. Aktualisiert am 07.01.2010 8 Kommentare
Rita Flubacher.

Rita Flubacher.

Hat Bundesrat Moritz Leuenberger mit Claude Béglé den falschen Mann an die Spitze des Post-Verwaltungsrats gesetzt?

Ja, könnte man mit Blick auf die jüngsten Turbulenzen sagen. Ein Post-Präsident, der laut über milliardenschwere Investitionen im Ausland nachdenkt und sagt: «Die Post muss wie Nestlé werden.» Ein Konzernchef, der mit sofortiger Wirkung gehen muss. Zwei Verwaltungsräte, die kurz nacheinander das Handtuch werfen: All dies deutet auf tiefgreifende Zerwürfnisse in der Postleitung hin.

Wer Munition gegen Béglé sucht, wird in Postkreisen rasch fündig. Es zirkulieren anonyme Schreiben, in denen der Präsident als Bluffer und Blender dargestellt wird. Sein Leistungsausweis bei seinen früheren Tätigkeiten im Ausland sei bescheiden, wenn nicht gar desaströs gewesen.

Man kann die ganze Sache freilich auch anders interpretieren. Mit dem Draufgänger Claude Béglé, der den grössten Teil seiner beruflichen Laufbahn im Ausland gemacht hatte, wollte Moritz Leuenberger an der Postspitze für einen neuen Energieschub und einen Kulturwechsel sorgen. Der bis zu diesem Zeitpunkt von Anton Menth präsidierte Verwaltungsrat war in der öffentlichen Wahrnehmung nicht vorhanden und winkte durch, was der dominierende Post-Chef Ulrich Gygi ihm vorlegte.

Der wirblige Béglé legte los, bevor er überhaupt richtig im Amt war, entwarf ein Diagnose- und Strategiepapier über den gelben Riesen und streute das Werk bei Medienschaffenden. Einmal im Amt, setzte er im obersten Gremium Corporate-Governance-Regeln nach dem Vorbild des Swisscom-Verwaltungsrats durch, bildete Ausschüsse und machte klar, dass über Strategie künftig im Verwaltungsrat und nicht wie bis anhin in der Konzernleitung entschieden werde.

Angesichts dieser Gewichtsverlagerung ist es nicht erstaunlich, dass das nicht alle kampflos hinnehmen mochten. Nicht Michel Kunz, Ziehsohn von Gygi, der vom alten Verwaltungsrat noch kurz vor Béglés Amtsantritt zum Konzernchef gewählt worden war und sich anschliessend mit seinem neuen Präsidenten einen letztlich aussichtslosen Kampf lieferte. Und nicht die Verwaltungsräte Rudolf W. Hug und Wolfgang Werlé, die aus ihrer Abneigung gegen den machtbewussten Béglé kein Geheimnis machten.

Auch wenn die personellen Umwälzungen derzeit für Furore sorgen: Moritz Leuenberger hat sein Ziel – einen aktiven Verwaltungsrat zu bilden – erreicht. Und der Präsident, der sich im Verwaltungsrat zu Beginn immer in der Minderheitsposition befand, ist nach den jüngsten Abgängen die Anti-Fraktion los. Nun also könnte Béglé beweisen, dass er in der Lage ist, die zahlreichen Baustellen bei der Post zusammen mit seinem neuen Konzernchef Jürg Bucher offensiv und erfolgreich anzugehen. So, wie er das in seinem Strategiepapier durchaus nachvollziehbar dargelegt hat.

Doch stattdessen haben die beiden jetzt die Politiker am Hals. Mit seinem unbedachten Vergleich der Post mit Nestlé hat Béglé auf einen Schlag tiefsitzende Ängste vor ruinösen Auslandabenteuern eines Staatsbetriebs geweckt. Selbst Béglés Freunde finden die Äusserung inakzeptabel. Und so ist bereits jetzt absehbar, dass die Erneuerungswahl des Post-Verwaltungsrats in diesem Frühjahr ein heisses Politikum werden wird. Hält Leuenberger am Westschweizer fest, muss er ihm den Rücken stärken und Béglé-kompatible Personen in das Aufsichtsgremium wählen. Ob ein Ja-Sager-Gremium dem Gedeihen der Post nützlich ist, steht allerdings dahin. Wählt er Leute zu, die Béglé widersprechen, riskiert er weitere Machtkämpfe.

Lässt Leuenberger seinen Mann fallen, wäre der Imageschaden gross: Ein geschasster Konzernchef, zwei abtrünnige Verwaltungsräte und ein nicht wiedergewählter Präsident innerhalb von weniger als einem halben Jahr wären rekordverdächtig.

Der Verkehrsminister müsste sich die unangenehme Frage gefallen lassen, weshalb er nicht gründlichere Nachforschungen bei den früheren Béglé-Arbeitgebern wie der Deutschen Post oder La Poste in Frankreich angestellt hat. Dann wäre er womöglich darauf gestossen, dass Béglé mit seinem unbändigen Ehrgeiz und seinem Machtstreben immer mal wieder im Offside landete. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 07.01.2010, 13:47 Uhr

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8 Kommentare

Ruth Olloz

07.01.2010, 11:33 Uhr
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Es gibt keine schlechten Untergebenen, sondern nur schlechte Chefs. Herr BR M. Leuenberger sollte sich, wenn auch viel zu spät, diesem Dossier ernsthaft annehmen. Er ist dafür verantwortlich, dem Steuerzahler Schaden abzuwenden. Antworten


Gerhard Frötscher

07.01.2010, 15:33 Uhr
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Also, als Österreicher kenne ich ähnliche Diskussionen, welche bei uns geführt wurden, nur zu gut, nur blieb auch uns nicht viel anderes über, als uns den EU-Richtlinien anzupassen. Will heißen: Nachdem ich davon ausgehe, dass die Schweiz auf kurz oder lang Mitglied bei der EU sein wird, wäre es vielleicht sinnvoll, vorhandene Hindernisse bereits jetzt schon aus dem Weg zu räumen. Antworten



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