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Seltsame Platzgebühr der FDP

Von Jürg Rohrer. Aktualisiert am 11.10.2010 1 Kommentar

Jürg Rohrer

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Für eine Million Franken mache er aus einem Kartoffelsack einen Bundesrat, sagte einst der Werber Rudolf Farner. Der Satz ist nur schon deshalb zum Schmunzeln, weil der Kartoffelsack noch nicht einmal das Amtsgelübde ablegen könnte. Vor allem aber illustriert er das Selbstbewusstsein der Kommunikationsbranche. Die ist so allgegenwärtig geworden, dass einem das Schmunzeln jedoch bald vergeht, denn der Satz trifft den Verdacht, dass die Politik käuflich ist – auch in der Schweiz; dass sich zumindest auch unsere Demokratie mit Geld manipulieren lässt, was ja den SVP-Gönnern und Millionären Christoph Blocher und Walter Frey immer wieder vorgeworfen worden ist. Es geht also um den Verdacht, dass wir in einer abgeschwächten Form der Plutokratie leben; nicht wegen Pluto, des Comic-Hunds, sondern Pluto von griechisch Plutos, was Reichtum heisst: Herrschaft dank Bankkonto.

Dieser Verdacht scheint bestätigt zu werden, wenn sich die Zürcher FDP einen Spitzenplatz auf der Nationalratsliste mit 40'000 Franken bezahlen lässt. Ab dem 5. Platz wirds zwar günstiger, aber die Wahlchancen sind dort auch deutlich kleiner. Die 40'000 Franken Platzgebühr zementieren überdies das Klischee, dass die FDP trotz ihrer gegenteiligen Beteuerungen eine Wirtschaftspartei geblieben ist, und sie lassen vermuten, dass uns die Freisinnigen einen Hinterbänkler als Retter der Nation andrehen würden, wenn dieser sich mit 100'000 Franken eingekauft hätte.

Schaut man aber genauer hin, sind die 40'000 Franken bloss eine eigenwillige Form der Wahlkampffinanzierung. Das Auswahlverfahren ist das gleiche wie bei den anderen Parteien; wer sich ihm in der FDP stellt, weiss, welche Einzahlung auf ihn zukommt. Andere Parteien wie die SVP verlangen Beiträge nach erfolgreicher Wahl; die SP wiederum schröpft die Gewählten während ihrer gesamten Amtsdauer mit einkommensabhängigen Zwangsabgaben. Wenn jetzt die FDP vor der Wahl kassiert, schreckt das allenfalls junge oder weniger gut verdienende Kandidatinnen und Kandidaten ab. Der Listenpreis wirkt deshalb nicht besonders nachwuchsfördernd. Aber das ist ein spezielles Problem der Freisinnigen und kein allgemeines unserer Demokratie. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 10.10.2010, 22:01 Uhr

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1 Kommentar

Heinz Gasser

11.10.2010, 09:47 Uhr
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Man wird auch bei der FDP eine Lösung finden für einen jungen Kandidaten mit hervorragenden Chancen - falls man will. Zu den Finanzen: Bei Kantonsratswahlen geben in kleinen Bezirken einzelne Kandidaten bis zu 20'000 CHF aus. Wer vorne sein will, dem soll der Platz auch was wert sein. Zudem: Die Zeiten sind vorbei, als die Wirtschaft die FDP finanziert hat. Antworten



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