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Recht vor Gnade

Von Res Strehle. Aktualisiert am 19.11.2010 8 Kommentare

Res Strehle.

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Wie erwartet, hat das Walliser Parlament gestern das Begnadigungsgesuch des verurteilten Hanfbauers Bernard Rappaz abgelehnt. Überrascht hat allenfalls, wie deutlich der Entscheid fiel. Gerade 14 Abgeordnete signalisierten Bereitschaft zur Milde, selbst die SP war gespalten.

Die ablehnende Mehrheit hat das Recht auf ihrer Seite, dazu den Zeitgeist und vielleicht sogar die Moral. Die Strafverfahren gegen den Hanfbauer und -händler liefen, soweit bekannt, korrekt ab. Der Zeitgeist spricht für Härte, ob es um straffällige Ausländer, schwächere Schüler oder Langzeitarbeitslose geht. Und die Moral spricht dafür, alle Gefangenen gleich zu behandeln und sich als Rechtsstaat nicht erpressen zu lassen.

Es gibt nur ein Argument für Rappaz: Der Mann hat weder gestohlen noch vergewaltigt, noch sonst eine Todsünde begangen. Sein inzwischen lebensbedrohlich gewordenes Delikt besteht darin, jenen Stoff hergestellt und gewinnbringend vertrieben zu haben, den der lockerere Teil der letzten zwei Generationen romantisierend mit Freiheit und Unangepasstheit gleichsetzte. Sie sind mit Dennis Hopper im Roadmovie «Easy Rider» mit auf dem Töff gesessen und haben in Lieder wie «Don’t Bogart Me» oder «If You Want to Be a Bird» eingestimmt.

Heute ist Kiffen out, und der Walliser Hanfbauer gilt als ganz gewöhnlicher Krimineller. Bevor er wie einst Franz Kafkas «Hungerkünstler» mit dem Stroh seines Zirkuswagens entsorgt wird, sind die letzten möglichen Auswege aus diesem Drama zu prüfen. Das kann ein Mediator à la Heiner Geissler bewerkstelligen, der ins Wallis Bewegung bringt wie bei «Stuttgart 21». Vielleicht Pascal Couchepin, der Alt-Bundesrat, «le roi», wie er sich gerne halbironisch bezeichnete? Repräsentative Monarchien machen es möglich, dass sich das Parlament ans Recht hält und der König Grösse zeigt. Oder die Bundesrätin mit Walliser Wurzeln, Micheline Calmy-Rey, die sich in den vergangenen Tagen besorgt zeigte? Mit allen Mitwirkungswilligen ist die Suche nach Alternativen zu forcieren, die beiden Seiten ermöglichen, das Gesicht zu wahren. Recht vor Gnade ist konsequent – aber jetzt braucht es auch Grösse. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 18.11.2010, 22:29 Uhr

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8 Kommentare

Peter Koller

19.11.2010, 10:34 Uhr
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Ich bin mir sicher, dass 90 % der Parlamentarier welche gegen Rappaz gestimmt haben, schon mal gekifft haben. Antworten


Sam David

19.11.2010, 10:54 Uhr
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Res Strehle, sie sollten auch noch von den anderen Straftatten Rappaz berichten, die sie aber gekonnt weglassen, und so der Aufgabe ihres Berufes untreu werden. Rappaz hat die Freiheit zu wählen, ob er die Konsequenzen seines Handelns trägt oder ob er seinen jetztigen Weg zu Ende geht (2 Möglichkeiten). Rappaz wusste was er tat. Und im übrigen ist Einsicht sowie Reue die Voraussetzung für Gnade. Antworten



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