Meinung

Nur Parolen, keine Ideen für Wien

Von Bernhard Odehnal, Wien. Aktualisiert am 11.10.2010 3 Kommentare

Bernhard Odehnal (Bild: www.quajou.ch)

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Sind Sie auch der Meinung, dass die österreichischen Parteien den Rechtspopulisten das Feld kampflos überlassen?




«Lebenswerteste Stadt der Welt»: Mit diesem Ergebnis der Mercer-Studie, die Wien in den vergangenen zwei Jahren stets vor Zürich aufs Podest stellte, wehrten die Wiener Sozialdemokraten Kritik an ihrem Regierungsstil ab. Bloss die eigenen Wähler konnten sie damit nicht beeindrucken. Wiens Bürgermeister Michael Häupl erklärte seine Partei zum Bollwerk gegen die rechtspopulistische FPÖ, doch der Schuss ging nach hinten los. Die SPÖ konnte in den inneren Bezirken mit ihren Studenten und Selbstständigen Wähler von den Grünen holen, verlor aber in den Arbeiterbezirken ihre Kernwähler an die FPÖ. Dort kamen die Rechtspopulisten auf bis zu 37 Prozent.

Der Wahlkampf gegen Asylbewerber und Islam war weder neu noch originell, aber die Sprüche wirkten. Die Aufregung darüber fanden vor allem Jungwähler «cool». Früher war es Jörg Haider, jetzt ist es sein Nachfolger Heinz Christian Strache, «der sich was traut».

So hässlich die FPÖ-Kampagne auch war, sie vermittelte den Wählern ein klares Ziel, während die Kampagnen von SPÖ, ÖVP und Grünen unbeholfen und zum Teil extrem dilettantisch wirkten. Die FPÖ übernahm geschickt die deutsche Debatte um Thilo Sarrazin mit der Parole: Man muss endlich darüber reden dürfen. Dabei redet Wien ohnehin über fast nichts anderes als über Ausländer. Und das schon seit Jahren. Die angeblichen Rede- oder Denkverbote der «Gutmenschen» gibt es lediglich in der rechtspopulistischen Propaganda. Es wird nicht zu wenig über Ausländer geredet, sondern zu wenig über Schulen, Universitäten, über neue Ideen für die Stadt.

Das Problem der anderen Parteien ist, dass sie keine Ideen haben oder sie zumindest nicht formulieren können. Damit überlassen sie den Rechtspopulisten das Feld. Fast kampflos. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 10.10.2010, 22:40 Uhr

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3 Kommentare

Abdel Thuma

11.10.2010, 09:43 Uhr
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"Die angeblichen Rede- oder Denkverbote der «Gutmenschen» gibt es lediglich in der rechtspopulistischen Propaganda." Dem stimme ich gar nicht zu, Herr Odehnal. Solche der politischen Korrektheit geschuldete Verbote gibt es in allen westeuropäischen Ländern. Hier in der Schweiz hat dieses Verschweigen von Problemen durch Politik und Medien massgeblich zur Annahme der Minarettinitiative beigetragen. Antworten


Klaus Schweizer

11.10.2010, 12:42 Uhr
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"Die angeblichen Rede- oder Denkverbote der «Gutmenschen» gibt es lediglich in der rechtspopulistischen Propaganda". Sorry, aber da bin ich gar nicht Ihrer Meinung. Auch hier in der Schweiz haben doch gerade Politik und Medien durch Leisetreten und Schönfärben von offensichtlichen Problemen massgeblich zum Erfolg der Minarettinitiative beigetragen. Antworten



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