Meinung

Nicht die SVP, sondern die Demokratie attackiert

Von Thomas Knellwolf. Aktualisiert am 24.01.2011 4 Kommentare

Unser Kleinstaat zeichnet sich auch dadurch aus, dass sich selbst höchste Amtsträger wie alle anderen ohne Personenschutz bewegen können. Dieses hohe Gut wird nun angegriffen.

Thomas Knellwolf.

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Da hat es den Richtigen getroffen! Das dürfte sich manch einer gedacht haben, als er hörte, dass Vermummte Hans Fehr auf dem Weg hinauf zum Zürcher Albisgüetli zusammengeschlagen haben. Hat es nicht auch die erste Reaktion des SVP-Nationalrats bestätigt? «Hätte ich eine Waffe dabeigehabt», sagte Fehr, «ich hätte keine Sekunde gezögert.»

Sogar die Zürcher Polizei scheint zu finden, dass die stärkste Partei der Schweiz und ihr Wahlkampfleiter Fehr zumindest mitschuldig sind am Vorfall. Anders lassen sich die Worte von Kommandant Philipp Hotzenköcherle kaum deuten: Die SVP habe für ihre Tagung keinen Personenschutz angefordert. Der oberste Ordnungshüter der Stadt lobte, Hans Fehr habe sich «sehr mutig» verhalten, als er an den Gewaltbereiten vorbeiging. Zynischer gehts kaum.

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Dreingeschlagen haben Linksextreme. Mit Ansage. Ihr Aufruf «Albisgüetli angreifen!» dürfte auch jenen nicht entgangen sein, welche die Sicherheit aller Zürcher garantieren sollten. Ebenso wenig, dass in einschlägigen Foren bereits über Aktionen «wie in Griechenland» diskutiert wird, wo Paketbomben beinahe an der Tagesordnung sind.

So weit ist es in der Schweiz noch nicht. Am Freitag beim Eindunkeln aber hat die politische Gewalt im Land eine neue Dimension erreicht. Farb- und Brandanschläge gab es schon öfter. Doch direkte Angriffe auf Leib und Leben politischer Akteure sind eine Seltenheit. Unser Kleinstaat zeichnet sich auch dadurch aus, dass sich selbst höchste Amtsträger wie alle anderen ohne Personenschutz bewegen können. Dieses hohe Gut wird nun angegriffen.

Die Kommentatoren der Sonntagsblätter schwiegen trotzdem – bis auf den «SonntagsBlick», der behauptete, Micheline Calmy-Rey habe nach der Tat gefordert, dass mit den Chaoten diskutiert werde. Das ist infam. Alle SVPler im Albisgüetli haben die Bundespräsidentin richtig verstanden, als sie dazu aufrief «mit Worten, nicht mit Fäusten zu kämpfen». Sie haben kräftig applaudiert. Denn Calmy-Rey stellte sich gegen die Gewalt. Gegen eine Tat, die nicht etwa den Richtigen getroffen hat, sondern unsere Demokratie. Und damit uns alle. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 23.01.2011, 21:51 Uhr

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4 Kommentare

Stefan Rüegger

24.01.2011, 15:34 Uhr
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Diese Idioten haben nichts mit linker Denkweise am Hut. Denn diese basiert auf Humanismus und Respekt. Sie nun als "Links"extreme zu bezeichnen, ist denn auch ziemlicher Unsinn. Wer gegen die menschenverachtende SVP-Politik ist, muss noch lange nicht automatisch links sein. Und wer Gewalt anwendet, kann per se nicht mehr im politischen Sinne links sein. Antworten


werner pfister

25.01.2011, 08:03 Uhr
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linke denkweise und respekt? das kann nur ein linker so fühlen stefan rüegger! man lese zb nur den respektvollen komentar von bodenmann. für mich hört sich das eher nach schadenfreude an. hat wohl gejubelt wie die respektvollen schadenfreudigen linken bei der abwahl von blocher. Antworten



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