Lächeln als Entwaffnung
Von Verena Vonarburg. Aktualisiert am 14.08.2010 2 Kommentare
Verena Vonarburg
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Frauen in der Politik haben ein Stimmproblem. Und das ist wörtlich zu verstehen, denn in der Politik geht es oft lärmig zu. Wer sich an Versammlungen, auf Podien, in Ratssälen Gehör verschaffen will, muss laut werden. Männer können das. Sprechen Frauen dagegen laut, tönt das rasch nervtötend schrill und quäkend. Die Stimme überschlägt sich im schlimmsten Fall. Bebt vor Empörung. Wird begleitet von unangenehmem Gefuchtel. Wer so auftritt, hat grösste Mühe – selbst mit der besten Botschaft.
Gerade linke Frauen tappen oft in die Stimmfalle. Noch höchst unangenehm sind einem die früheren Auftritte der jetzigen SP-Fraktionschefin Ursula Wyss im Ohr. Sie hat gelernt. Auch schnarrende Stimmen wie etwa jene der FDP-Fraktionschefin Gabi Huber irritieren. Unser Gehör – es ist ungerecht – verzeiht Männern stimmliche Schwächen viel eher.
Simonetta Sommaruga, die Berner Ständerätin mit Bundesratsambitionen, kennt das Problem. Sie hat selbst eine hohe Stimme, eine eher leise, dafür eine warme. All die typischen Frauenfehler beim Reden – Sommaruga macht sie nicht. Tritt sie auf, tut sie das praktisch ohne Ausnahme lächelnd. Sie lächelt jeden noch so provozierenden Gegner weg. Sie redet zurückhaltend sanft, ohne säuselnd zu werden. Man hört hin, ohne dass sie die Stimme unangenehm erhebt. Nie lässt sie sich zu einer Abfälligkeit hinreissen. Sommaruga, 50-jährige Politikerin mit mädchenhaftem Charme, weiss perfekt, wie sie andere für sich einnimmt. Dass sie dazu noch über einen Namen verfügt, der so klangvoll tönt, als hätte ihn ein Marketingexperte kreiert, ist auch kein Nachteil.
Sommarugas perfekter Auftritt entspringt politischem Talent, aber nicht nur. Was so mühelos daherkommt, ist zu einem nicht unwesentlichen Teil einstudiert. Mit intensivem Schauspielunterricht hat Sommaruga ihre Körpersprache trainiert, mit Stimmbildung ihren Ausdruck perfektioniert. Sommaruga hat als Politikerin viel früher als andere verinnerlicht: Das Nonverbale und die Art der Rede sind mindestens so wichtig wie der Inhalt.
Die Bernerin droht auf ihrem Weg in den Bundesrat allerdings in die Perfektionsfalle zu tappen: Die Politiker des Mittelmasses mögen keine herausragenden Figuren. Und die Stimmen dieser Politiker sind es, die am Ende zählen. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 13.08.2010, 21:15 Uhr
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2 Kommentare
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Immer diese Vorschusslorbeeren! Wie oft hörten wir sie schon, gerade von den Frauen (Leuthard, Widmer-Schlumpf. Calmy-Rey, aber auch von Männern). Und wie sind die Resultate, gerade dieser Frauen? Schwamm darüber. Auf alle Fälle hat bis heute keine dieser Damen auch nur annähernd das Format von Frau Kopp erreicht. Also lassen wir Frau Sommaruga mal arbeiten und sehen dann, ob sie herausragend ist. Antworten
Politiker des Mittelmasses mögen keine herausragenden Figuren---wieso werde ich dann jedesmal schief angeguckt wenn ich vor BR wahlen "behaupte", was soll dieser hype und dieses pfauentum, es werden ja eh höchstens mittelmässige figuren gewählt? und spätestens während der ersten 4 jahre kommt dann die bestätigung Antworten
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