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Gewalt – der letzte Tabubruch

Von Dario Venutti. Aktualisiert am 12.08.2010 3 Kommentare

Dario Venutti.

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Kinder und Jugendliche erpressen ihre Eltern auf perfide Art, werfen mit Gegenständen nach ihnen und traktieren sie mit Faustschlägen. Im Kanton Zürich ist sogar ein Fall dokumentiert, in dem ein Sohn seine Mutter spitalreif prügelte.

Elternmisshandlung nennt sich das Phänomen, und es ist ein Tabuthema wie früher häusliche Gewalt gegen Frauen. Ob die Fälle zunehmen, weiss man nicht, weil Vergleichszahlen fehlen. Sicher ist hingegen, dass der Elternnotruf eine steigende Zahl Mütter und Väter berät, die Opfer ihrer Söhne und – seltener – Töchter wurden. Die Dunkelziffer dürfte hoch sein: Misshandelte Eltern leiden unter Schuld- und Schamgefühlen und holen sich deshalb selten Hilfe.

Ist die Gewalt gegen Eltern ein weiterer Beleg für den oft beklagten Zerfall der Familie und eine allgemeine Verrohung der Jugend? Wer sich nach den 50er-Jahren sehnt, als die Autorität von Vater und Mutter unhinterfragt war und angeblich Ordnung herrschte, macht es sich einfach. Eltern und Jugendliche leben heute in einer anderen Zeit und sind mit anderen Problemen konfrontiert.

Was eine gute Erziehung ist, ist unsicher geworden. Verfechter der antiautoritären und der autoritären Erziehung liefern sich in dieser Frage einen Kulturkampf. Doch beide irren: Wer seinen Kindern hauptsächlich Angst einflösst, vermittelt ihnen ein geringes Selbstwertgefühl. Da wird Gewalt seitens der Kinder zum letzten Mittel, um Aufmerksamkeit zu erregen. Und wer mit ihnen wie ein Kumpel umgeht, läuft Gefahr, keine Grenzen zu setzen und damit seine Rolle als Eltern preiszugeben. Schläge gegen die Mutter sind ein Zeichen dafür, dass Kinder dieses Vakuum füllen. Soll Erziehung gelingen, braucht es beides: verlässliche Regeln und den Aufbau einer Beziehung.

Den Heranwachsenden wiederum wird die Jugend von den Eltern streitig gemacht: 50-jährige Frauen kleiden sich wie 17-Jährige, 40-jährige Männer spielen auf der Playstation. Und beide übernehmen den Jugendslang in ihr Vokabular.

Wie wollen sich Jugendliche da noch abgrenzen? Wenn sie durch Kleidung, Sprache und Lebensstil nicht mehr provozieren können, bleibt die Gewalt als krasser Tabubruch. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 11.08.2010, 23:30 Uhr

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3 Kommentare

Matthias Aggeler

12.08.2010, 15:50 Uhr
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Bei vielen Fällen der Gewalt gegenüber der Eltern sind diese aber nicht unbedingt Unschuldig. Zb. kenne ich jemanden der seiner Mutter eine reingehauen hat. Diese hat aber zuvor bei der Scheidung den eher scheuen und zu netten Vater ausgenommen wie eine Weihnachtsgans und dieser Stand danach kurz vor dem Suizid.. das ist nicht grundlos. Antworten


Lukas O. Bendel

12.08.2010, 16:28 Uhr
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Wie soll Kinder-Gewalt ein Tabubruch sein in dieser CH-Gesellschaft, die "erzieherische" Gewalt gegenüber Kindern als alltägliche Erfahrung zulässt? Und Kinder-Gewalt ein Hilfeschrei um Aufmerksamkeit? Früher misshandelten die "Geschlagenen" später ihre Kinder. Nun richtet sich ihre Gewalt tw. gegen die sie früher (physisch u/o psychisch) Misshandelnden und sie rächen sich so für fehlende Liebe! Antworten



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