Meinung

Die halbe Einsicht des Stadtrats

Von Simon Graf. Aktualisiert am 26.01.2010
Simon Graf.

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Es ist noch nicht lange her, dass die ZSC Lions im Abstimmungskampf um den 147 Millionen Franken teuren Umbau des Hallenstadions als prominentester Werbeträger hinhalten mussten. Nun bietet die Stadt Hand bei deren Auszug aus der Oerliker Mehrzweckarena per 2015, indem sie dem Klub ein Grundstück in Zürich-Altstetten zur Verfügung stellt. Was auf den ersten Blick paradox tönt, ist das Resultat einer Einsicht, die im Stadtrat über Jahre reifen musste: Die Renovation hat dem ZSC nicht genützt, sondern geschadet. Er kann im neuen Hallenstadion auf die Dauer nicht überleben, weil da ein regelmässiger Spielbetrieb nicht möglich ist und er nicht selber als Wirt auftreten kann. Und man kann sich nicht darauf verlassen, dass Mäzen Walter Frey noch lange Zeit Jahr für Jahr Löcher in Millionenhöhe stopft.

Man dürfe auch mal gescheiter werden, sagte FDP-Stadträtin Kathrin Martelli zum Meinungsumschwung. Die internationalen Erfolge der ZSC Lions, mit denen diese auch Werbung für Zürich machten, dürften zu diesem Prozess beigetragen haben. Es ist begrüssenswert, dass die Stadtregierung den Wert des Klubs, der die grösste Nachwuchsabteilung in der Schweiz aufbaute, erkannt hat. Das Projekt hat politisch und auch wegen seiner Einfachheit gute Chancen: Die Stadt gibt das Land, die ZSC Lions sorgen mit ihrer zu gründenden Trägerschaft für die Finanzierung und den Betrieb.

Es stellt sich indes die Frage, weshalb man angesichts der Probleme beim Fussballstadion (unsichere Finanzierung) nicht daran gedacht hat, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. Eine kombinierte Spielstätte für Eishockey und Fussball (Duplex-Arena), die Synergien in verschiedenen Bereichen erzeugen würde, wäre in Altstetten – anders als auf dem Hardturm-Areal – möglich. Doch angesichts des Scheiterns des Fünfecks scheint man sich nicht mehr an ambitionierte Projekte zu wagen.

Das ist verständlich, aber schade. Eine Duplex-Arena wäre zwar die beste Lösung. Ein reines Eishockeystadion ist aber schneller zu realisieren. Hauptsache ist freilich, dass nun wieder Bewegung in die Stadionfrage kommt. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 26.01.2010, 04:00 Uhr

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