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Die Finma schützt die Versicherten

Von Hans Galli. Aktualisiert am 16.12.2010

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Es ist ein weit verbreitetes Vorgehen: Verwaltungsräte und Manager kaufen Aktien von kleinen und mittleren Unternehmen zu günstigen Preisen. Sobald die betreffenden Gesellschaften ihre Aktien an der Börse kotieren oder wenn sie mit einem anderen Unternehmen fusionieren, steigt der Aktienwert stark an. Für die Firmenchefs resultieren daraus Millionengewinne.

Dieses Muster war auch bei der Berner Krankenkasse KPT vorgesehen. Das Mitarbeiterbeteiligungsprogramm wurde vor fünf Jahren aufgesetzt. Die Chefs und weitere Mitarbeiter konnten die Titel für 28 bis 40 Franken kaufen. Wegen der geplanten Fusion mit der Zürcher Krankenkasse Sanitas sollten die Aktien der KPT plötzlich 600 Franken wert sein. Verwaltungsräte und Manager rieben sich bereits die Hände. Doch sie hatten ihre Rechnung ohne die Finanzmarktaufsicht (Finma) gemacht.

Die Finma realisierte, dass die KPT versicherungstechnische Rückstellungen auflösen wollte, um die Aktien zurückkaufen zu können. Gemäss einem Rundschreiben der Finma gehören überschüssige Rückstellungen nicht nur in der Grundversicherung, sondern auch in den Zusatzversicherungen ausschliesslich den Versicherten: Sie können für Prämienverbilligungen eingesetzt werden, nicht aber für die Ausschüttung von Dividenden oder für Aktienrückkäufe. Die Finma hat deshalb die Aktienrückkäufe im Interesse der Versicherten gestoppt.Sie hat zudem eine Untersuchung gegen die obersten KPT-Chefs gestartet. Verwaltungsratspräsident Walter Bosch sollte auch die neue KPT-Sanitas-Holding präsidieren, KPT-Chef Christoph Bangerter war als Vizechef vorgesehen. Falls die Finma-Untersuchung ergibt, dass sie Versicherungsaufsichtsrecht verletzt haben, dürfen sie nicht mehr in einer Versicherung tätig sein.

Es dürfte vor allem die Sanitas gewesen sein, die auf den Abbruch der Verhandlungen drängte. Sie wollte zu Recht das Risiko nicht eingehen, im kommenden Frühjahr nur wenige Monate nach der Fusion zwei wichtige Kaderleute durch Intervention der Aufsicht zu verlieren. Deshalb haben die beiden Kassen die Notbremse gezogen und das Vorhaben noch vor Jahresende abgeblasen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 15.12.2010, 23:39 Uhr

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