Die Chance der kleinen Würfe
Von Martin Läubli. Aktualisiert am 26.11.2010 2 Kommentare
Es ist nichts mehr, wie es war, wenn nächste Woche in der mexikanischen Tourismus-Hochburg Cancún die nächste Runde in der internationalen Klimapolitik beginnt. Vom grossen Wurf eines völkerrechtlich verbindlichen neuen Klimavertrags spricht seit der letzten ernüchternden Klimakonferenz in Kopenhagen niemand mehr. Nach Jahren der Aufregung und des Medienhypes ist Ruhe eingekehrt. Und das ist für den Klimaschutz gar nicht so schlecht, wie es auf den ersten Blick scheinen mag.
Die Zeit ist heute noch nicht reif für ein starkes neues Klimaabkommen. Mit der Wirtschaftskrise ist der Klimaschutz auf der Prioritätenliste vieler Staaten nach hinten gerutscht. Die USA haben nach dem Erfolg der Republikaner an den Parlamentswahlen im Herbst wieder weniger Gewicht in der internationalen Klimapolitik. China strengt sich national im Umweltschutz an, doch Vorrang haben die sichere Energieversorgung und die Entwicklung der Wirtschaft – vor allem mithilfe der Kohle. Auch die EU tut sich schwer, künftig ihre Treibhausgase um mehr als 20 Prozent zu reduzieren – ein wenig ehrgeiziges Ziel, zumal heute schon 17 Prozent realisiert sind.
Auch wenn die Ambitionen der einzelnen Staaten derzeit nicht genügen, um eine kritische Erderwärmung zu verhindern, so kann Cancún dennoch die Chance sein für einen künftig starken Klimaschutz – nämlich dann, wenn man auf kleine Würfe setzt. Es braucht das Bekenntnis von Industrie- und Entwicklungsländern, in den nächsten 40 Jahren den globalen Ausstoss der Treibhausgase um die Hälfte zu senken. Es braucht den Willen, weniger umstrittene, aber gegen den Klimawandel effektive Abkommen wie jenes für den Schutz des Regenwaldes zu beschliessen. Es braucht glaubwürdige Signale, dass die angekündigten Zusatzmilliarden der Industriestaaten für den Klimaschutz in Entwicklungsländern keine leeren Versprechungen sind.
Kleine Würfe fördern das Vertrauen zwischen den reichen und den armen Staaten. Sie zeigen, dass wirtschaftlich Gewinner sein wird, wer auf Umwelttechnologien setzt. Sie führen auf das Ziel hin, an dem letztlich kein Weg vorbei führt – ein Klimaabkommen, das die ganze Welt einschliesst. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 25.11.2010, 22:13 Uhr
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2 Kommentare
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@TA/M.Läubli: Nicht Abkommen und Emissionsrechtehandel sondern Taten bringen etwas. Als Journalist werden Sie es nachprüfen können, dass die USA bereits 2008, im letzten Bush-Jahr (!) den Platz 1 von Deutschland in der installierten Windenergie-Kapazität mit 25GW übernommen haben und den Vorsprung 2009, im ersten Obama-Jahr, trotz Finanzkrise noch markant ausgebaut haben (35GW). Ganz ohne Kyoto. Antworten
Bis zu einem bindenden Klimaabkommen ist es noch ein weiter Weg, da hat der Autor recht. Es fehlt an vielem - vor allem aber am Problembewusstsein. Der Autor sieht im Klimaschutz eine Art des Umweltschutzes. Doch Klimaschutz ist viel mehr und erfordert den völligen Umbau unseres Wirtschaftssystems, denn Klimaschutz fordert den völligen Verzicht auf fossile Rohstoffe, die heute vieles bewegen. Antworten
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