Meinung

Die Chance der kleinen Würfe

Von Martin Läubli. Aktualisiert am 26.11.2010 2 Kommentare

Martin Läubli.

Umfrage

Stimmen Sie dem Autor zu?

Ja

 
25%

Nein

 
75%

20 Stimmen


Es ist nichts mehr, wie es war, wenn nächste Woche in der mexikanischen Tourismus-Hochburg Cancún die nächste Runde in der internationalen Klimapolitik beginnt. Vom grossen Wurf eines völkerrechtlich verbindlichen neuen Klimavertrags spricht seit der letzten ernüchternden Klimakonferenz in Kopenhagen niemand mehr. Nach Jahren der Aufregung und des Medienhypes ist Ruhe eingekehrt. Und das ist für den Klimaschutz gar nicht so schlecht, wie es auf den ersten Blick scheinen mag.

Die Zeit ist heute noch nicht reif für ein starkes neues Klimaabkommen. Mit der Wirtschaftskrise ist der Klimaschutz auf der Prioritätenliste vieler Staaten nach hinten gerutscht. Die USA haben nach dem Erfolg der Republikaner an den Parlamentswahlen im Herbst wieder weniger Gewicht in der internationalen Klimapolitik. China strengt sich national im Umweltschutz an, doch Vorrang haben die sichere Energieversorgung und die Entwicklung der Wirtschaft – vor allem mithilfe der Kohle. Auch die EU tut sich schwer, künftig ihre Treibhausgase um mehr als 20 Prozent zu reduzieren – ein wenig ehrgeiziges Ziel, zumal heute schon 17 Prozent realisiert sind.

Auch wenn die Ambitionen der einzelnen Staaten derzeit nicht genügen, um eine kritische Erderwärmung zu verhindern, so kann Cancún dennoch die Chance sein für einen künftig starken Klimaschutz – nämlich dann, wenn man auf kleine Würfe setzt. Es braucht das Bekenntnis von Industrie- und Entwicklungsländern, in den nächsten 40 Jahren den globalen Ausstoss der Treibhausgase um die Hälfte zu senken. Es braucht den Willen, weniger umstrittene, aber gegen den Klimawandel effektive Abkommen wie jenes für den Schutz des Regenwaldes zu beschliessen. Es braucht glaubwürdige Signale, dass die angekündigten Zusatzmilliarden der Industriestaaten für den Klimaschutz in Entwicklungsländern keine leeren Versprechungen sind.

Kleine Würfe fördern das Vertrauen zwischen den reichen und den armen Staaten. Sie zeigen, dass wirtschaftlich Gewinner sein wird, wer auf Umwelttechnologien setzt. Sie führen auf das Ziel hin, an dem letztlich kein Weg vorbei führt – ein Klimaabkommen, das die ganze Welt einschliesst. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 25.11.2010, 22:13 Uhr

Kommentar schreiben







 Ausland





Verbleibende Anzahl Zeichen:

Mit dem Absenden des Kommentars erklärt sich der Leser mit nachfolgenden Bedingungen einverstanden: Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt. Telefonische Auskünfte werden keine erteilt. Ihr Kommentar kann auch auf Google und anderen Suchseiten gefunden werden.

2 Kommentare

Georg Klein

26.11.2010, 10:18 Uhr
Melden

@TA/M.Läubli: Nicht Abkommen und Emissionsrechtehandel sondern Taten bringen etwas. Als Journalist werden Sie es nachprüfen können, dass die USA bereits 2008, im letzten Bush-Jahr (!) den Platz 1 von Deutschland in der installierten Windenergie-Kapazität mit 25GW übernommen haben und den Vorsprung 2009, im ersten Obama-Jahr, trotz Finanzkrise noch markant ausgebaut haben (35GW). Ganz ohne Kyoto. Antworten


Martin Holzherr

26.11.2010, 09:52 Uhr
Melden

Bis zu einem bindenden Klimaabkommen ist es noch ein weiter Weg, da hat der Autor recht. Es fehlt an vielem - vor allem aber am Problembewusstsein. Der Autor sieht im Klimaschutz eine Art des Umweltschutzes. Doch Klimaschutz ist viel mehr und erfordert den völligen Umbau unseres Wirtschaftssystems, denn Klimaschutz fordert den völligen Verzicht auf fossile Rohstoffe, die heute vieles bewegen. Antworten



Gratis ePaper für «Bund»-Abonnenten

Telefonbuch

Marktplatz

Immobilien

Marktplatz
Wohnung/Haus suchen

Weitere Immo-Links
homegate TV
Hypotheken vergleichen
Umzug
Immobilie inserieren
Inserat erfassen
Grillsaison
homegate Besser grillieren mit unseren Experten-Tipps Mehr

In Partnerschaft mit:

Homegate

DIE AGENDA

Informieren Sie sich über aktuelle Kulturveranstaltungen in der Stadt und Umgebung.

Online-Wettbewerb

Jetzt mitmachen!: Gewinnen Sie einen Abend als Statist bei den Tellspielen Interlaken!

Remund führend in Werbetechnik

Kein Wunsch zu aufwendig, kein Format zu gross - Remund Werbetechnik löst jede Aufgabe mit modernster Technik.