Meinung

Die Bahn darf mehr Geld verlangen

Von Romeo Regenass. Aktualisiert am 15.01.2010 1 Kommentar

Die Bahnen in der Schweiz erhöhen ihre Preise um 6,4 Prozent. Kein Anlass zur Freude, aber auch kein Grund zum Jammern. Der öffentliche Verkehr hat sein bereits gutes Angebot in letzter Zeit massiv ausgebaut und letztes Jahr aus Rücksicht auf die wirtschaftliche Lage auf eine Preisrunde verzichtet. Auch bei einer tiefen Teuerung ist der Bedarf der Bahnen jetzt gerechtfertigt.

Erfreulich ist das vorläufige Nein zu einem Tarifsystem, das je nach Zug und Tageszeit unterschiedliche Tarife kennt. Die entsprechenden Erfahrungen aus dem Ausland sind nicht ermutigend und hätten auch in der Schweiz zu einem Tarifchaos geführt. Das offene System, dank dem man mit einem gültigen Billett in einen beliebigen Zug steigen oder auch mit dem Schiff fahren kann, ist ein Wert, den man nicht leichtfertig aufgeben sollte. Wenn die SBB jetzt noch einige Jahre darüber nachdenken wollen, ist das sehr zu begrüssen.

Ebenfalls positiv: Die Bahnen beweisen soziales Gewissen. Indem sie bei den Generalabonnementen für Behinderte, Kinder und zum Teil Jugendliche auf eine Erhöhung verzichten, tragen sie der geringeren Kaufkraft dieser Kundenkategorien Rechnung. Obschon die für Familien fast unverzichtbare Juniorkarte 50 Prozent teurer wird, gewinnt sie an Attraktivität: Für 30 Franken kann der Nachwuchs bis 16 Jahre neu nicht nur mit den Eltern, sondern auch mit den Grosseltern gratis fahren – sofern diese ein gültiges Billett vorzeigen können.

Das Ziel, möglichst viele Bahnfahrer von den Spitzenzeiten wegzulocken, ist unter anderem bei den Tageskarten erkennbar, die man als Bahnfahrer bei vielen Gemeinden beziehen kann: Diese werden nicht nur teurer, sie sind an Wochentagen auch nur noch ab 9 Uhr gültig. Bei diesen oft sehr günstigen Billetten ist diese Massnahme absolut vertretbar und im Sinne der Pendler, die nicht ausweichen können.

Die Bahnfahrer sind beileibe nicht die Einzigen, die zur Kasse gebeten werden. Auch in Zukunft werden die Steuerzahler die Bahnen mit Milliarden unterstützen müssen – ob sie nun Bahnfahrer sind, Autofahrer oder beides. Das ist recht so: An einer funktionierenden Bahn muss jeder ein Interesse haben. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 15.01.2010, 04:00 Uhr

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1 Kommentar

Rudolf Steiner

15.01.2010, 13:42 Uhr
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Danke für diese erste vernünftige Stimme. Was Frau Stalder, Frau Teuscher und viele andere geflissentlich verschweigen, ist dass ein immer grösser werdender Teil der Bahnreisen durch Freizeitmobilität verursacht wird. Ganz zu schweigen davon, dass kein Pender mit einer normalen Stelle auf ein GA angewiesen sein sollte - es muss wieder Anreize geben, in der Nähe der Arbeitsstelle zu wohnen. Antworten



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