Meinung

Die Angst der Erwachsenen

Von Dario Venutti. Aktualisiert am 29.03.2010 2 Kommentare
Dario Venutti.

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In Manchester bewachen Polizisten jedes Wochenende Partygänger nach durchzechter Nacht am Taxistand. In Zürich erstach am vorletzten Freitag ein Unbekannter einen 17-Jährigen auf der Partymeile. Welche Stadt ist demnach sicherer?

Die schnelle Antwort fällt einfach aus: Der Mord in Zürich ist schlimm. Im Vergleich dazu sind die Polizisten an den Taxiständen von Manchester vernachlässigbar. Es scheint also, dass Zürich am Wochenende eine gefährliche, Manchester dagegen eine sichere Stadt ist.

Doch die Dinge liegen komplizierter: In Manchester ist das Unsicherheitsgefühl der Bevölkerung so gross, dass sich die Menschen auf dem Weg nach Hause bewachen lassen. Für Zürich dagegen lässt der Mord keine Verallgemeinerungen zu. Die Tat war trotz der tragischen Konsequenzen letztlich ein Einzelfall. Erst wenn sich auch hier die Masse der Partygäste von Sicherheitskräften begleiten lassen müsste, könnte man von einer unsicheren Stadt reden.

Daran ändert auch «die Stunde der Idioten» nichts, wie Juristen die frühmorgendlichen Schlägereien und Pöbeleien ausserhalb der Clubs und Bars nennen. Angesichts der Masse, die sich jedes Wochenende in Zürich vergnügt – die Schätzungen gehen von 60'000 Leuten aus –, ist der Ausgang in der Stadt sicher. Das sagen selbst die Polizei und die städtische Interventions- und Präventionsstelle SIP. Wer jetzt also schnelle Massnahmen und griffige Lösungen gegen die angeblich ausufernde Jugendgewalt fordert, kocht sein eigenes politisches Süppchen.

Und er offenbart, dass er den Wandel der Stadt nicht nachvollzogen hat: In Berlin oder New York werden die Schattenseiten des Nachtlebens unaufgeregter diskutiert. Hier aber kommt wieder einmal der Geist Zwinglis zum Ausdruck: In erster Linie haben Ruhe und Ordnung zu herrschen. Man hat sich die Medaille der Partystadt Zürich umgehängt, will aber deren Kehrseite nicht.

Die Forderungen kommen von Erwachsenen. Wahrscheinlich sind sie im Lauf der Jahre ängstlicher geworden und haben die Auswüchse ihrer eigenen Jugend vergessen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 29.03.2010, 04:00 Uhr

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2 Kommentare

Christoph Geiser

29.03.2010, 05:20 Uhr
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Natürlich waren wir früher keine Heiligen. Aber die Anonymität der Stadt zu geniessen, um Dampf abzulassen, dieses Phänomen ist erst wieder neu entdeckt worden. Früher hatte man Stadtmauern und die Tore blieben Nachts geschlossen, damit, unter anderem, die Landbevölkerung eben nicht in den Städten über die Stränge schlägt. Antworten


Benjamin Hitz

29.03.2010, 08:09 Uhr
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@Geiser: Ich bezweifle, dass jemand der Tagi-Online-Leser seine Jugend in Zeiten verbracht hat, in denen die Stadtmauern nachts dicht gemacht wurden. Antworten



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