Der Aargau lässt Lucies Eltern leiden
Von Thomas Knellwolf. Aktualisiert am 08.02.2011 2 Kommentare
Thomas Knellwolf
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Gibt es etwas Grausameres, etwas Unerklärlicheres, etwas Traurigeres, als wenn das eigene Kind entführt und ermordet wird? Den Eltern von Lucie Trezzini ist dies vor zwei Jahren widerfahren. Der vorbestrafte Sexualstraftäter Daniel H. hatte ihre 16-jährige Tochter vom Zürcher Hauptbahnhof in seine Wohnung bei Baden gelockt und dort umgebracht.
Der Tod des Freiburger Aupairs hätte vielleicht verhindert werden können, wenn die Behörden korrekt gehandelt hätten. Doch verschiedenste Involvierte leisteten sich eine Kaskade von Fehlern: Ein gutgläubiger Gutachter wendet eine veraltete Untersuchungsmethode an, als er Daniel H. nach dessen erster sexueller Gewalttat untersucht. Nach der Haftentlassung fliessen die Informationen über den Rückfallgefährdeten zäh. Die Gefährlichkeit von Daniel H. wird massiv unterschätzt. Er darf selber bestimmen, ob er eine Psychotherapie machen will (und macht keine). Läppisch organisierte Urinproben zu umgehen, ist für Daniel H. ein Kinderspiel. Ämter überhören Alarmsignale. Diese und viele Fehler mehr listet ein Untersuchungsbericht des Kantons Aargau auf. Das Fazit lautet: Nicht eine Einzelperson, sondern das System hat versagt. Die individuelle Schuldfrage soll aber ein ausserordentlicher Untersuchungsrichter klären.
Doch wieder gebärdet sich die Aargauer Justiz sonderbar. Das Obergericht beruft nicht etwa – wie andernorts üblich – einen Ermittler aus einem anderen Kanton. Vielmehr fällt die Wahl auf einen Aargauer Genossen des SP-Justizdirektors Urs Hofmann. Nun, nach einem Jahr Warten, stellt sich heraus, dass dieser ausserordentliche Untersuchungsrichter in seiner Arbeit kaum vorwärtsgemacht hat. Eine einzige Befragung brachte er zustande. Diese musste nach wenigen Minuten wegen eines Formfehlers abgebrochen werden.
Es wiederholt sich die Geschichte: Wieder versagt im Aargau das Justizsystem. Wieder im Fall Lucie. Für das erneute Desaster will wieder niemand verantwortlich sein. Und wieder sind die Leidtragenden Lucies Eltern. Sie müssen sich selber um etwas kümmern, was der Staat von sich aus tun müsste. Der Aargau verlängert ihr Leiden. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 07.02.2011, 21:43 Uhr
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