Meinung

Das Prinzip bleibt unbefleckt

Von Michael Meier. Aktualisiert am 22.11.2010 1 Kommentar

Michael Meier

Umfrage

Denken Sie auch, dass die Äusserung des Papstes zum Kondomverbot nur eine Ausnahme der Regel darstellt?




Eine Prostituierte soll zum Schutz ihrer Gesundheit und jener des Freiersein Kondom benützen dürfen. Eine solche Aussage aus dem Munde von Papst Benedikt XVI. tönt fast schon revolutionär. Sie lockert das sakrosankt geglaubte Kondomverbot der römischen Kirche beträchtlich. Und bedeutet in diesem Pontifikat der Restaurationden wohl bemerkenswertesten Schritt nach vorn.

Noch auf seiner letztjährigen Afrikareise verurteilte Benedikt das Kondom im Kampf gegen die Aidsepidemie. Die weltweite Entrüstung und die Appelle afrikanischer Kardinäle zugunsten des Präservativs dürften Benedikt so unter Druck gesetzt haben, dass er für einmal die Praxis über die Theorie stellt.

Allerdings kommt die Äusserung Benedikts recht unverbindlich, fast beiläufig daher. Sie steht in einem Interviewbuch, nicht etwa in einem amtlichen Dokument. Eigentlich hätte sich der Papst bei Fragen solcher moralischer Tragweite mit der Glaubens-kongregation und der Päpstlichen Akademie für das Leben absprechen müssen. Hinzu kommt, dass er gerade den halbwegs liberalen Präsidenten der Akademie durch einen konservativen Mann des Opus Dei ersetzt hat.

In der Lebensakademie und in anderen Gremien des Vatikans dürfte die päpstliche Deregulierung des Kondomverbots für Unmut sorgen – und für jahrelangen Gesprächsstoff. Die UNO begrüsste den Schritt bereits, ebenso die Aidsorganisationen. Die Traditionalisten haben sich aber bezeichnenderweise noch kaum dazu geäussert.

Bricht im Vatikan jetzt Glasnost an? Ein erster Schritt ist getan, gewiss. Noch bleiben aber viele Fragen offen. Etwa ob Rom das Kondom zur Aidsbekämpfungin Afrika in grossem Stil erlauben wird. Die Lockerung des Kondomverbots betrifft allein den Gesundheitsschutz. Präservative als Mittel der Familienplanung oder auch staatlicher Programme zur Geburtenkontrolle sind weiterhin nicht erlaubt. In der katholischen Moraltheologie bestätigen Ausnahmen seit je die Regel. Hauptsache, das Prinzip bleibt unbefleckt. Unddas ist hier das Verbot der künstlichen Empfängnisverhütung. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 21.11.2010, 22:28 Uhr

Kommentar schreiben







 Ausland





Verbleibende Anzahl Zeichen:

Mit dem Absenden des Kommentars erklärt sich der Leser mit nachfolgenden Bedingungen einverstanden: Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt. Telefonische Auskünfte werden keine erteilt. Ihr Kommentar kann auch auf Google und anderen Suchseiten gefunden werden.

1 Kommentar

maja naef

22.11.2010, 07:21 Uhr
Melden

Seit wann können Frauen das Kondom benützen. Das ist Sache des Mannes. Ich glaube der Papst braucht Nachhilfe in Sexualkunde. Antworten



Gratis ePaper für «Bund»-Abonnenten

Telefonbuch

Marktplatz

Immobilien

Marktplatz
Wohnung/Haus suchen

Weitere Immo-Links
homegate TV
Hypotheken vergleichen
Umzug
Immobilie inserieren
Inserat erfassen
Grillsaison
homegate Besser grillieren mit unseren Experten-Tipps Mehr

In Partnerschaft mit:

Homegate

DIE AGENDA

Informieren Sie sich über aktuelle Kulturveranstaltungen in der Stadt und Umgebung.

Online-Wettbewerb

Jetzt mitmachen!: Gewinnen Sie einen Abend als Statist bei den Tellspielen Interlaken!

Remund führend in Werbetechnik

Kein Wunsch zu aufwendig, kein Format zu gross - Remund Werbetechnik löst jede Aufgabe mit modernster Technik.