Adieu Tristesse
Von Patrick Kühnis. Aktualisiert am 08.07.2010 2 Kommentare
Patrick Kühnis.
Zürich ist die Stadt der Superlative.Zürich hat den höchsten Büroturm, das vielfältigste Kulturangebot, den längsten Strassenstrich und – vor allem – das grösste Ego der Schweiz. Folgerichtig träumten Zürich, der damalige Stadtpräsident Elmar Ledergerber und die Credit Suisse als Investorin auch vom «schönsten Fussballstadion» im ganzen Land, als man sich für die Euro 2008 rüstete: Ein magisches Fünfeck samt Einkaufszentrum, Hotelzimmern, Restaurants, VIP-Logen und Fitnesscenter sollte es werden, das nebenbei Platz für 31 000 Fans bietet. Gigantisch.
Der Traum vom Fussballtempel endete, wie so viele hochfliegende Zürcher Pläne: als Planungsleiche. Wer zum Fussball wollte, musste seither in eine seelenlose Leichtathletikarena, die zuletzt an Krücken ging. Ein Desaster.
Jetzt löst die rot-grüne Stadtregierung das Problem, indem sie die überdimensionierten Zürcher Stadionpläne auf ein gesundes Mass zurechtstutzt. Sie begnügt sich mit einer Arena für 16 000 Fans. Das ehrgeizige Zürich spielt damit plötzlich eine Liga tiefer als Basel, Bern oder St. Gallen. Sogar der FC Luzern hat Grösseres vor. Er baut gerade für 18 000 Zuschauer.
Ein Grund für Minderwertigkeitskomplexe? Eine Schande? Mitnichten. Denn der Zürcher Fussballalltag besteht längst nicht nur aus der Euro, der AC Milan oder Real Madrid. In der Meisterschaft lockten zuletzt nur das Derby und der Klassiker FCZ - FCB über 16 000 Fans in den Letzi-grund. Waren Bellinzona oder Xamax zu Gast, blieben bis zu 20 000 Sitze leer.
Wenn die Stadt jetzt bescheidener plant, ist Schluss mit der trostlosen Kulisse. Dann hat Zürich wieder einen Fussballkessel, der auch einmal aus allen Nähten platzt. Es ist die Auferstehung des alten Hardturms. Und es siegt damit die Einsicht, dass ein Mahnmal für grössenwahnsinnige Stadionträume reicht. Das steht zum Glück in Genf.
Geschickt auch, dass der Stadtrat den neuen Anlauf in Zürich-West mit der Schaffung neuen Lebensraums kombiniert. 160 günstige Wohnungen für Zürich? Damit lässt sich sogar jener Teil des Stimmvolks für ein neues Stadion begeistern, der sich überhaupt nicht für Fussball interessiert. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 07.07.2010, 21:38 Uhr
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2 Kommentare
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Wenn jetzt die Stadt ein solch bünzliges Stadion baut, hat dies mit Bescheidenheit nichts zu tun und schon gar nicht mit Weitsicht. Die Rot/Grüne Regierung ist halt besessen von Neid. Wenn Investoren grosszügig und mit Risiko gebaut und dabei sogar erfolgreich gewesen wären, das geht doch nicht. Einige hätten ja vielleicht mehr verdient als sie. Und das geht unmöglich. Natürlich bestreitet sie das Antworten
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