Der Abstieg ist unaufhaltsam
Von David Nauer. Aktualisiert am 16.03.2011 2 Kommentare
David Nauer
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Die Katastrophe von Japan hat auch im fernen Berlin ein Erdbeben ausgelöst, zum Glück nur ein politisches. Die Regierung hat angekündigt, sieben Atomkraftwerke vorübergehend stillzulegen. Sie hat sich ein dreimonatiges Moratorium auferlegt, die Atomfrage soll neu durchdacht und die Suche nach alternativen Energiequellen verstärkt werden.
Diese dramatische Wende hat eine starke innenpolitische Komponente: CDU und FDP wollen mit ihrer plötzlich erwachten AKW-Skepsis eine Pleite bei den kommenden Landtagswahlen verhindern. In weniger als zwei Wochen wird in Baden-Württemberg und in Rheinland-Pfalz gewählt, das Reizthema Atom könnte dabei das Regierungslager entscheidende Stimmen kosten. Besonders glaubwürdig ist der schwarz-gelbe Kurswechsel nicht. Noch vor wenigen Monaten priesen Kanzlerin Merkel und ihre Parteifreunde die Atomenergie als «Brückentechnologie», die sauber und sicher sei. Jetzt plötzlich, nach einem schrecklichen Unfall, müssen die Meiler doch noch einmal untersucht, einige sogar abgeschaltet werden. Die Wähler werden diesen argumentativen Zickzack kaum goutieren.
Die deutsche Denkpause hat freilich eine Bedeutung über das Gerangel der Parteien hinaus. Auch nach Ablauf des Moratoriums wird nichts mehr sein wie vorher. Berlin hat mit seiner raschen, brüsken Reaktion auf die Ereignisse in Japan eine energiepolitische Zeitenwende ausgelöst. Selbst die Physikerin Angela Merkel, eigentlich eine Freundin der Atomenergie, fragt sich inzwischen, ob der billige Strom aus den Meilern die potenziell tödliche Gefahr wert ist.
Die Folge: Die Atomenergie ist in Deutschland unwiederbringlich auf dem absteigenden Ast. Wenn Deutschlands mächtige Industrie jetzt beginnt, ernsthaft nach Technologien für eine atomfreie Zukunft zu suchen, entsteht ein Sog, der den ganzen Kontinent mitzieht. Alle anderen Europäer sind gut beraten, diesen Zug nicht zu verpassen. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 15.03.2011, 23:24 Uhr
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2 Kommentare
Frau Merkel hat ein Ziel: an der Macht bleiben. Dafür würde sie auch ihre Familie verkaufen. Dagegen sind Meinungsrevisionen im Wahlperiodenrhythmus oder Handeln gegen die eigene Überzeugung doch ein Klacks. Meistens hats bisher ja gereicht, gar nix zu tun und den politischen Gegner ins Messer laufen zu lassen, zuletzt Herrn zu Guttenberg, den "Plagiator". Antworten
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