Leben

Schlafen wie auf Wolke sieben hat seinen Preis

Von Ulrike Hark. Aktualisiert am 08.10.2012 12 Kommentare

Die exklusivsten Matratzen der Schweiz entstehen in Wollerau SZ. Roman Corbat tüftelt dort unter dem Label Coroon an Lösungen, die auf das persönliche Gewicht und die Körperkontur zugeschnitten sind.

Schichten wie bei einer Cremeschnitte: Coroon-Chef Roman Corbat mit einer seiner Luxusmatratzen.

Schichten wie bei einer Cremeschnitte: Coroon-Chef Roman Corbat mit einer seiner Luxusmatratzen.
Bild: Tom Kawara

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Was man wissen muss: Ein Besuch bei Coroon hat Frustrationen zur Folge. Da lag man in Wollerau SZ im Showroom auf der Wolke sieben namens «Furore» und sinkt daheim auf die gute alte Latexmatratze, in deren Mitte sich während der letzten zehn Jahre eine kleine Kuhle gebildet hat, die einen auch in tiefster Umnachtung sofort wissen lässt, wo denn hier die Mitte ist. Aber ganz glücklich mag man mit ihr nicht mehr werden. In den 90er-Jahren war die natürliche Kautschukmatratze das Nonplusultra des nächtlichen Regenerierens, heute gilt sie als out: Muldenbildung, Hitzestau, Gewicht! Hat sie das verdient? Roman Corbat versteht die Anhänglichkeit, aber er selber ist bereits Lichtjahre weiter, matratzentechnologisch gesehen.

Von Bico das Handwerk gelernt

Während herkömmliche Ausführungen unserer nächtlichen Unterlage entweder «hart» oder «weich» sind – da braucht es keine grosse Entscheidungsfreudigkeit –, baut Corbat seine Matratzen mehrdimensional auf, nämlich diagonal wie auch horizontal. Es ist eine ausgeklügelte Welt, in der sich der ehemalige, langjährige Entwickler der Bettenfirma Bico bewegt. Seine kleine Werkstatt in Wollerau befindet sich in einem unscheinbaren Hinterhof, unten wird produziert, im ersten Stock hat Corbat seinen Showroom eingerichtet. «Nachdem Bico zum x-ten Mal den Eigentümer gewechselt hatte, dachte ich mir, jetzt ists genug. Jetzt mach ich mich selbstständig», sagt Corbat. Den besten Mann, Walter Reisp, der viel von Textilien versteht, nahm er gleich mit.

Klasse statt Masse

Damals, vor drei Jahren, schon fast im Ruhestand, krempelte Reisp für die neue Firma Coroon noch mal richtig die Ärmel hoch. An diesem Morgen baut er gerade mit Corbats Ehefrau eine Matratze aus mehreren Komponenten zusammen – alles hier ist Handarbeit, man produziert die edlen Stücke quasi en famille mit ganz wenig Personal. Und die Erfolgsgeschichte läuft und läuft, die Aufträge stapeln sich. «Es sind Leute, denen Schlaf viel wert ist und die auch gern etwas dafür ausgeben», sagt Corbat.

Der Preis spielt bei der Klientel nicht die entscheidende Rolle – der liegt je nach Grösse und System etwa zwischen 3000 und 6000 Franken und ist nach oben offen. Doch das ist wohl das Geheimnis der Manufaktur: Klasse statt Masse. Corbat hat eine Marktnische jenseits des herkömmlichen Standardangebots entdeckt, und diese Nische bespielt er mit seinem Wissen und seiner Tüftlerseele virtuos. Er kauft die besten Schaumstoffe zusammen, die er bekommen kann, dazu winzige, aber hochkarätige Taschenfederkerne.

«Zwei Minuten schnell mal Probeliegen reichen nie und nimmer aus»

Das Probeliegen auf der «Furore» jedenfalls ist absolut sicher, obwohl man sich tatsächlich ein wenig fühlt wie auf einem Wasserbett – oder auf einer fliegenden Wolke, denn auf die geringste Körperbewegung antwortet die Matratze mit einem kleinen Vibrato; das bewirken die 3000 Sensitive-Federn aus Plymouth, die hier auf raffinierte Weise eingebaut sind. Ein Schichtensystem von beachtlicher Höhe, wie bei einer Cremeschnitte. Corbat spricht von seinen Luxusschlafstätten denn auch wie ein Chocolatier: eine Zutat von diesem, ein Stückchen von jenem, bis das System passt und sich der kleinsten Bewegung des Körpers punktelastisch anpasst. Für Bauchschläfer baut er ein speziell weiches Schaumstoffelement am Fussende ein, damit der Rist des umgekehrten Fusses nicht flach liegen muss, sondern bequem ein wenig einsinkt.

Wer es gern weniger wolkig hat, wählt die «Master»: Sie hat keine flexiblen Taschenfedern, sondern fügt sich aus einem ausgefuchsten Puzzle von Schaumstoffen zusammen, während die «Aurum», das dritte System von Corbat, das Beste aus den beiden anderen in sich vereint. Auf Bestellung sind aber auch Varianten zu den drei Systemen möglich. Und wenn man nach 30 Tagen nicht glücklich wird mit dem edlen Teil, nimmt es Corbat zurück. Er schaut, was nicht passt, macht das ganze Ding auf und baut es so zusammen, dass es schliesslich optimal auf Körperkontur und Belastung reagiert. Probeschlafen im Showroom – nach Voranmeldung – wird gern gestattet, «zwei Minuten schnell mal Probeliegen reichen nie und nimmer aus», so Corbat.

Beschwerdefreiere Nachtruhe

Wieso ist man eigentlich die letzten 10 Jahre ohne Beschwerden aufgestanden?, fragt man sich da. So schlecht können die anderen Matratzen doch nicht sein! Für Normalos reichen sie vermutlich aus, aber bei Menschen mit körperlichen Beschwerden? Viele stehen am Morgen mit Schmerzen von einer Standardmatratze auf. In solchen Fällen läuft Corbat dann jeweils zu Hochform auf, da lässt er nicht locker. «Vor kurzem hatte ich eine Frau mit Weichteilrheuma», erzählt er. «Durchschlafen kann sie auch mit unseren Matratzen nicht, das wäre unrealistisch. Aber sie kann nun immerhin fünf Stunden schlafen und nicht mehr nur zwei.»

Hohlkreuz, Nackenverspannungen, Arthrose – wo muss entlastet, wo gestützt werden? Corbat ist überzeugt, dass man mit der richtigen Unterlage einer Vielzahl von Beschwerden entgegenwirken kann. Selbstverständlich bekomme ein schwacher Rücken durch komfortables Liegen noch keine starke Muskulatur, «ganz sicher hat der Betroffene aber weniger Beschwerden». Keine Frage, auch die oberste Schicht von Corbats Luxus-Cremeschnitten ist aus bestem Material. Der waschbare Bezug ist aus Wolle; sie kommt von Schafen aus Disentis und von Baby-Yaks aus der Mongolei. Da möchte man eigentlich gar nicht mehr aufstehen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 11.04.2012, 08:46 Uhr

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12 Kommentare

Denise Achermann

11.04.2012, 14:28 Uhr
Melden 15 Empfehlung 0

Man gibt für Dümmeres mehr Geld aus ! Ich habe mir vor einigen Jahren auch eine teure variable Matratze geleistet - unterdessen komme ich immer gerne heim, auch aus üppig besternten Hotels. Aber wer Futon mag, kann auch gehen, je nach körperlicher Verfassung. Immerhin geht es um einen Drittel Lebenszeit, vielleicht den gemütlichsten Drittel. Antworten


rolf berner

11.04.2012, 10:42 Uhr
Melden 15 Empfehlung 6

finde ich alles geldmacherei. das beste immer noch eine harte matratze! Antworten



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