Leben

Die Frau, welche die Modetrends von morgen setzt – weltweit

Phoebe Philo ist die zurzeit einflussreichste Designerin der Welt. Was sie entwirft, wird Trend. Höchste Zeit, die Dame vorzustellen.

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Bild: Reuters

   

Céline in der Schweiz

Grieder, Bahnhofstrasse 30, Zürich,Trois Pommes, Storchengasse 6, Zürich, Céline Boutique, 47, rue du Rhône, Genf.

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Sie ist überall. Man kann sie förmlich riechen, so präsent ist sie. Bei H & M. Bei Mango. Bei Topshop. Bei Zara. Überall hängt da Phoebe Philo. Beziehungsweise: ihre Entwürfe. Manchmal als exakte Nachahmung, manchmal ist bloss die Inspiration unverkennbar. Wie auch immer: Keine andere wird so oft kopiert wie die Chefdesignerin des französischen Labels Céline. Weshalb sie quasi im Alleingang dafür verantwortlich ist, dass die Mode seit einem halben Jahr und in der kommenden Saison erst recht eleganter und gleichzeitig schlichter wird; dafür, dass die Hosen weiter werden und die Taille nach oben rutscht; dafür, dass die Tage der Jeans gezählt und Blusen ein absolutes Muss sind und dass überhaupt eine neue, starke Weiblichkeit Einzug hält. Wegen ihr wird die Silhouette fliessender, wegen ihr gibt es T-Shirts aus Leder, wegen ihr ist von einem neuen Minimalismus die Rede, der das Kunststück fertigbringt, gleichzeitig schnörkellos und äusserst feminin daherzukommen.

Im Grunde geht das seit zehn Jahren so. Die 37-jährige Engländerin gibt den Ton an, seit sie 2001 Nachfolgerin von Stella McCartney bei Chloé wurde. Die beiden hatten zusammen am Londoner College Central Saint Martins Modedesign studiert, und als McCartney nach ihrem Abschluss das Angebot von Chloé bekam, nahm sie Philo als Assistentin mit. Hinter vorgehaltener Hand hiess es damals, das eigentliche Talent sei Philo, und die Beatle-Tochter habe den Job nur wegen ihres Namens bekommen. Das war unfair gegenüber McCartney, die in der Zwischenzeit bewiesen hatte, dass sie mehr zu bieten hat als einen grossen Namen, aber richtig bezüglich Philo.

Die Polizei musste ausrücken

Während der fünf Jahre, in denen Philo Kreativchefin von Chloé war, verdoppelte sich der Umsatz, und das Label galt als das meistkopierte der Welt. Sie war es, die 2005 die erste It-Bag kreierte, als sie mit der Paddington-Bag exakt den Nerv der Zeit traf; die Hysterie war derart gross, dass während einer Lieferung bei der Chloé-Boutique an der Londoner Sloane Street einst ein Tumult ausbrach und daraufhin die Polizei ausrücken musste.

Philo machte den Parka salonfähig und kombinierte Tunika-Kleider mit klobigen Sandalen, ein wenig hippiesk war das alles immer, aber befreit vom ganzen Patchouli-Mief der Siebziger und deshalb modern. Ihre Mode war mädchenhaft, leicht, unbekümmert. Und immer auch klug. Weil sie die Frauen nicht verkleidete. Während andere Labels, allen voran die Italiener, den Frauen mit ihrer Mode immer ein Etikett aufdrückten, sie wahlweise in die Rolle des Sex-symbols, der Gouvernante, der Rockgöre oder der Lolita steckten, machte Philo Mode für Frauen, die einen Alltag meistern müssen, dabei aber dennoch gut aussehen möchten. Oder wie sie das formuliert: «Ich wollte einfach Hosen machen, in denen mein Hintern gut aussieht. Und nicht Hosen, die den Holocaust repräsentieren.»

Das, was Chanel einst war

Chloé war also Mitte der Nullerjahre das Label der Stunde, die «New York Times» schrieb: «Chloé ist für unsere Generation das, was Chanel einst war.» Und da, auf dem Höhepunkt ihres Erfolges, hörte Philo einfach auf. Sie verschwand. Nahm sich eine dreijährige Auszeit mit ihren zwei Kindern und ihrem Mann, hatte genug davon, zwischen London und Paris zu pendeln, kehrte der Mode den Rücken und ward nicht mehr gesehen. Auf keiner Party, bei keiner Shop-Eröffnung, bei keinem einzigen Anlass der Branche. Sie hatte sich sozusagen in Luft aufgelöst. Ihr Nachfolger bei Chloé scheiterte grandios, zwei Jahre lang sprach niemand mehr von der Marke. Erst jetzt gelingt es der Engländerin Hannah MacGibbon, an die Erfolge von früher anzuknüpfen.

Als das leicht verstaubte französische Label Céline drei Jahre später verkündete, Philo würde den Chefdesign-Posten übernehmen, war die Branche hingerissen, das Ticket für die erste Modenschau im Frühling 2009 das begehrteste überhaupt. Und natürlich waren die Kritiken erneut hymnisch. Philo schaffte es einmal mehr, dieses kaum fassbare, aber in der Mode alles entscheidende Ding namens Zeitgeist einzufangen. Sie zeigte Pudertöne, Holz-Zoccoli und viel streng geschnittenes Leder; das Ganze war eine Reduktion aufs Wesentliche, die man so noch nie gesehen hatte. Style.com, die Onlineausgabe der amerikanischen «Vogue», kommentierte: «Jede Frau im Raum spürte es. Und jede dachte es: So will ich sein.» Seitdem ist Céline das, was Chloé einst gewesen war. Man sprach vom «Phoebe-Effekt».

Starlets tragen nicht Philo

Es passt, dass sie sagt: «Ich mag keine komplizierte Mode.» Oder: «Ich verstand den Sinn von untragbarer Mode nie.» Genauso wie es passt, dass sie ausserhalb der Branche kaum jemand kennt. In der vordersten Reihe einer Céline-Modenschau sitzt keine C-Prominenz, und der gängigen Praxis, einflussreiche Journalisten oder aufstrebende Jungschauspielerinnen mit Geschenken zu überhäufen, verweigert sich das Label ebenfalls. Starlets wie Paris Hilton sieht man ohnehin nicht in Philo-Entwürfen. Dafür sind sie zu schlicht, zu unaufgeregt, zu clean. Und ihre Sexyness zu intelligent und zu subtil. Ganz so, wie die Designerin selbst. Sie hält sich lieber im Hintergrund und mag es diskret; meist ist sie ungeschminkt, trägt die Haare zu einem unordentlichen kleinen Knoten zusammengesteckt, dazu eine schlichte Bluse, eine schwarze Hose und flache Schuhe. Während ihrer Auszeit, so sagte sie unlängst, habe sie eigentlich vor allem Trainerhosen getragen.

Vielleicht ist dies das Geheimnis der Phoebe Philo. Ihre Eigenwilligkeit. Ihre Distanz zu einer Branche, die kaum Bodenhaftung hat. Ihre Unverkrampftheit. Ihre pragmatische Art. Als sie 2004 ihren Mann, einen Kunsthändler, heiratete, machten sie dies auf dem Standesamt, danach ging es mit ein paar Freunden in ein italienisches Restaurant. Kein Pomp, keine Märchenhochzeit und erst recht keine Fotostrecke für ein Hochglanzmagazin. Und deshalb versteht sie auch die Mode als das, was sie ist: etwas, das die Frauen schöner, aber eben nicht lächerlich machen sollte. Man könnte es auch so sagen: Philo macht mit einer umwerfenden Selbstverständlichkeit emanzipierte Mode. Damit hat sie eine Nische besetzt, die ihr gegenwärtig niemand streitig machen kann, nicht einmal Miuccia Prada.

Familie ist das Wichtigste

Nichts fürchtet daher die Céline-Chefetage so sehr, als dass Phoebe Philo des Ganzen wieder überdrüssig werden könnte. Obschon auf ihren Wunsch hin ein Designbüro in London eingerichtet wurde, damit sie da arbeiten kann, wo ihre Kinder zur Schule gehen, betonte sie bereits bei ihrer Einstellung: «Nichts ist mir wichtiger als meine Familie.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 24.08.2010, 19:50 Uhr

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4 Kommentare

Maria Zryd

14.09.2010, 10:12 Uhr
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Es ist einfach wunderbar, dass eine Designerin ein Mal Kleider entwirft, worin man nicht aussieht wie Lady GaGa. Wir wollen uns ja nicht verkleiden, sondern chick anziehen. Vielen Dank. Maria Zryd Antworten


Kurt Aegeri

25.08.2010, 19:20 Uhr
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Mode lebt mit und vor allem durch die Trägerin, das scheint diese Frau verstanden zu haben. Und wenn Frauen die Kleider dann auch wirklich tragen können und sich nicht reinhungern müssen - umso besser. Reduce To The Max - sowenig Glamour wie möglich, soviel wie nötig - das war immer genial und wird es auch bleiben. Antworten


susanne mueller

25.08.2010, 09:19 Uhr
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Philo ist eine Meisterin ihres Fachs und der wunderbare Gegenpol zum untragbaren Blingbling-Kitsch. Es ist jedoch Schade, dass auf der Startseite ein Bild aus der aktuellen Chloé-Werbekampagne verwendet wurde und nicht eins von Céline. Antworten


Caroline Tschäppät

25.08.2010, 08:11 Uhr
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Eine wunderbare Frau mit wunderschöner Mode. Weiblich und doch praktisch. Oder umgekehrt ;-). Antworten



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