Leben

Wie das Schweizer Buchungsportal den Grossen die Stirn bieten will

Von Olivia Raths. Aktualisiert am 23.08.2012 10 Kommentare

Booking.com & Co.: Schweizer Hoteliers fühlen sich bedrängt durch grosse Buchungsportale und ihre happigen Kommissionen. Nun soll ein eigenes Portal Abhilfe schaffen. David gegen Goliath?

1/3 Schnell und unkompliziert: Hotels reservieren über Buchungsportale wie Booking.com. Die Schweizer Hoteliers streben Ähnliches an.
Bild: Keystone/Montage Newsnet

   

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Ein paar Klicks, und das gewünschte Hotel ist online gebucht. So reservieren immer mehr Leute ihre Unterkunft auf der ganzen Welt. In der Schweiz hat sich diese Art von Hotelbuchung seit 2008 fast verdreifacht, wie die Nachrichtensendung «10vor10» berichtete. Die grösste Marktmacht hat Booking.com mit einem Anteil von 53 Prozent, gefolgt von HRS mit 13,7 Prozent, zu dem auch Hotel.de und Tiscover.com gehören.

Die Schweizer Hoteliers stören sich an der Marktmacht einiger weniger grosser, globaler Buchungsportale, wie Thomas Allemann vom Verband Hotelleriesuisse gegenüber der Nachrichtensendung «10vor10» sagte. Dazu gehören die Kommissionssätze, die in den letzten Jahren kontinuierlich angestiegen sind. Teils betragen sie um die 15 Prozent. «Doch die Hoteliers können es sich nicht leisten, nicht via diese Portale buchbar zu sein», sagt Patrick Scherrer, Direktor des Hotels Allegro in Bern, im selben TV-Beitrag. Wenn man gefunden werden wolle, müsse man dabei sein.

Von der Branche für die Branche

Um sich gegen die grossen Buchungsportale zu behaupten, haben die Schweizer Tourismusvertreter eine eigene Buchungsplattform für Schweizer Hotels ins Leben gerufen. So wurde auf der Infoplattform Swisshotels.com letztes Jahr eine Buchungsfunktion eingebaut. Lanciert wurde das Portal vom Switzerland Travel Centre (STC). Daran beteiligt sind Schweiz Tourismus und Hotelleriesuisse zu je 33 Prozent, gefolgt von den SBB mit 24 Prozent und den KTU (konzessionierte Transportunternehmen) mit 10 Prozent.

Dem Hotelier entstehen bei Aufschaltung und Buchung im Portal keine Kosten – sofern er STC-Kunde ist. Wenn nicht, zahlt man für den Standardaufwand, wie es in einem Infoblatt von Hotelleriesuisse heisst. «Unsere Buchungsplattform ist eine Lösung der Branche für die Branche», sagte Präsident Guglielmo L. Brentel in einem Interview mit der «Hotelrevue» diesen Sommer. Das Engagement richte sich nicht gegen die globalen Buchungsplattformen, sondern ziele auf eine unabhängige und profitable Schweizer Hotellerie. Das Plus der Plattform sei: «Wir sind die Schweiz-Kenner und haben die besten Angebote – wer denn sonst?»

Viele Buchungen dank grossen Portalen

Brentel kündigte am diesjährigen Schweizer Ferientag an, Swisshotels.com zu überarbeiten. Schlanke Buchungsprozesse, modernes Design, transparente Gästebewertung und Auflistung von Alternativen gehören zu den Anforderungen an das neue System. Marc Geissbühler, Experte für Online-Hotelbuchungen und Chef des Buchungsportals GHIX, hält die Überarbeitung von Swisshotels.com für dringend nötig. «Das jetzige Portal ist überhaupt nicht benutzerfreundlich und generiert sehr wenige Buchungen. So, wie es jetzt daherkommt, ist es ehrlich gesagt kontraproduktiv.» Wie Geissbühler gegenüber DerBund.ch/Newsnet erklärt, ist eine schlank funktionierende und übersichtliche Website absolut zentral, wenn man konkurrenzfähig sein will.

Benutzerfreundlichkeit hin oder her: Ist Swisshotels.com aus der kleinen Schweiz nicht der Versuch eines Davids, den Goliath zu schlagen? Geissbühler relativiert: «Das Schweizer Portal ist keine Konkurrenz, sondern eine Ergänzung zu den grossen Buchungsplattformen.» Die Idee sei grundsätzlich sinnvoll. Doch dem Hotelexperten sind auch die Herausforderungen bewusst: Der technologische Aspekt, die Positionierung in einer Unmenge von Buchungsportalen sowie die unternehmerische Seite. «Speziell Letzteres könnte ein Stolperstein sein, weil STC mehrheitlich von nicht profitorientierten Institutionen getragen wird.»

Ob sich die neue Version von Swisshotels.com auf dem internationalen Markt behaupten kann, wird sich weisen. Klar ist jedoch schon heute: Die Schweizer Hoteliers werden um Booking.com & Co. auch künftig keinen Bogen machen können. «Doch man darf dabei nicht vergessen, dass sie gewissen Hotels zu Sichtbarkeit im Internet verholfen haben. Und zu Buchungen, die es sonst vielleicht nicht gegeben hätte», so Geissbühler. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 23.08.2012, 07:47 Uhr

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10 Kommentare

Hans Meier

23.08.2012, 09:34 Uhr
Melden 25 Empfehlung 1

Wie immer - die Schweiz legt sich mit der grossen Welt an! Hören wir doch endlich auf, für alles eine eigenes "Züglein" zu fahren und glauben, dass die "Schweizer Lösung" das gelbe vom Ei ist! Antworten


Beat Riemer

23.08.2012, 07:57 Uhr
Melden 18 Empfehlung 1

Die Buchungszahlen gehen dramatisch zurück und die Hoteliers brauchen ein extra Buchungssystem. tztztz..Bevor man so einen Blödsinn veranstaltet, sollte jedes Hotel, da ohnehin online vertreten, sich ein eigenes online Buchungssystem anschaffen. Gibts schon unter 1000 Franken als Software. Ein Buchungsportal frisst nur Geld und ist überflüssig wie ein Kropf. Antworten



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