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Weshalb das schöne Toggenburg nicht mehr Touristen anlockt

Von Romeo Regenass. Aktualisiert am 18.04.2012 13 Kommentare

Die Region ist ein Paradebeispiel für die Nöte der Branche. Eines der Probleme: Die Hoteliers investieren zu wenig.

Aller Idylle zum Trotz: Die Übernachtungen im Toggenburg nahmen vergangenes Jahr um neun Prozent ab.

Aller Idylle zum Trotz: Die Übernachtungen im Toggenburg nahmen vergangenes Jahr um neun Prozent ab.
Bild: Eddy Risch/Keystone

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Mit wunderschönen Bildern vom Wasserland Schweiz will Schweiz Tourismus (ST) verhindern, dass sich der zum Teil dramatische Rückgang der Gästezahlen vom letzten Sommer dieses Jahr wiederholt. «Die Schweiz bietet gewaltige Erlebnisse an Seen, Flüssen, Bergbächen und Gletschern», sagte ST-Direktor Jürg Schmid vor den Medien in Zürich. Die Sommerkampagne 2012 soll zeigen, dass es für Schweizer immer weniger Gründe gibt, ins Ausland zu verreisen, und für Ausländer dafür umso mehr, ihre Ferien bei uns zu verbringen.

Die total 48,5 Millionen Franken teure Kampagne hat den schwachen Euro als Gegner, zudem waren die Konsumenten im Ausland auch schon besser gelaunt, und am Mittelmeer kämpfen viele Destinationen mit Dumpingpreisen gegen Überkapazitäten. Doch das ist nur ein Teil der Wahrheit, denn die Tourismusbranche leidet auch unter hausgemachten Problemen. Dazu gehört ein Missverhältnis zwischen Preis und Angebot in beachtlichen Teilen der Hotellerie.

Zu wenig konkurrenzfähig

Das Paradebeispiel dafür ist das Toggenburg. Selbst Tourismusdirektor Jürg Schmid sieht da eine «Hotelinfrastruktur mit akutem Investitionsbedarf». Auch Christine Bolt, Direktorin von Toggenburg Tourismus, hat in einem Interview im «St. Galler Tagblatt» Ende letzten Jahres das Kind beim Namen genannt: «Das Ausland, insbesondere Österreich, ist nicht nur billiger, sondern in vielem auch besser.» Für Bolt akzentuiert der starke Franken lediglich ein Problem, das schon vorher da war – «nämlich dass die Schweiz in Sachen Angebot und Qualität anderen Ländern hinterherhinkt.»

Damit schuf sich Bolt, selber im Toggenburg aufgewachsen, unter den lokalen Hoteliers wenig Freunde. Nun hat die frühere Marketingchefin nach dreieinhalb Jahren an der Spitze der Organisation ihren Rücktritt auf Ende Jahr mitgeteilt. «Aus rein persönlichen Gründen», wie Bolt sagt. Doch ihre Gegner geben sich nicht zufrieden. Hinter vorgehaltener Hand heisst es schon mal, sie sollte besser gleich gehen.

«Die meisten Restaurants und Hotels sehen gleich aus wie vor 40 Jahren»

Dabei hat Bolt nur laut gesagt, was viele Hotelgäste davon abhält, ihre Ferien in der an sich attraktiven Region zu verbringen. Ein St. Galler, der als Kind und später mit der Familie dort in den Ferien war, schreibt in einem Leserbrief, die intakte Natur sei das Kapital der Region. Vermarkten liesse sich diese aber nur mit einem konkurrenzfähigen Gesamtpaket. Und daran fehle es: «Die meisten Restaurants und Hotels sehen gleich aus wie vor 40 Jahren: dunkles Interieur, bröckelnde Fassaden, braun oder orange geplättelte Sanitäreinrichtungen verströmen den Groove der 70er-Jahre.» Als Beispiel erwähnt wird das Hotel Säntis in Unterwasser: Nettes und geschultes Personal sowie ein Hoteldirektor, der für die Gäste da sei, milderten den Umstand, dass das Haus total renoviert werden müsste.

Säntis-Besitzer Paul Beutler, der auch die vergleichbaren Hotels Toggenburg und Sonne in Wildhaus besitzt, weist darauf hin, dass die Berghotellerie unmöglich alle fünf bis zehn Jahre eine Totalrenovation vornehmen könne. «In diesem Jahr haben wir knapp eine Million in die drei Hotels investiert, unter anderem in neue Sonnenterrassen.» Die Nasszellen mit den braunen Kacheln stammen laut Beutler von 1992. Für die Sommersaison hat Beutler die Werbung intensiviert. Im Juni wird eine Online-Buchungsplattform eingeführt. Im Hotelbereich setze man auf Angebote mit echtem Mehrwert oder Preisreduktionen. Beutler betont, dass seine drei Hotels in den letzten vier Jahren gesamthaft keine nennenswerte Umsatzeinbusse hinnehmen mussten.

Flaggschiff-Hotel für die Region

Die Region Toggenburg musste 2011 bei den Übernachtungen allerdings einen schmerzhaften Rückgang von 9 Prozent hinnehmen – mit einer Spitze von minus 17 Prozent im August. Ähnlich schlecht war es 2011 nur Graubünden ergangen, das ein Minus von 7,6 Prozent beklagte. Bergregionen wie das Berner Oberland oder das Wallis kamen dank Touristen aus Übersee glimpflicher davon.

Tourismus-Direktorin Bolt kritisiert nicht nur, sie hat auch eine Reihe von Unterfangen angeregt, die dem Toggenburg neuen Schub geben sollen. So haben sich auf ihre Initiative acht Betriebe einer Arbeitsgruppe angeschlossen, die eine Kooperation im Stil der Matterhorn Valley Hotels anpeilt. Für die Hotels gibt es ein Impulsprogramm, das den einzelnen Betrieben hilft, eine neue Strategie zu definieren. Die Idee eines Hotelneubaus mit 80 bis 100 Zimmern als Flaggschiff für die Region will Bolt mit einer Machbarkeitsstudie vorantreiben. Und um das Potenzial der vielen Genuss-Biker auszunützen, sollen Trails und Serviceangebote geschaffen werden. «Doch für sie muss das Übernachtungsangebot genau so stimmen wie für die Besucher des Klangwegs, der etwas Einzigartiges ist, aber bisher vor allem Tagestouristen angezogen hat.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 18.04.2012, 12:47 Uhr

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13 Kommentare

Andreas Heuer

18.04.2012, 13:01 Uhr
Melden 21 Empfehlung 0

eine online-buchungsplattform erst im Jahr 2012 einzuführen zeigt doch, wie rückständig die Branche ist; seit bald drei Jahren mache ich Reservationen für Hotels weltweit ausschliesslich online.
Guten Morgen, Hotellerie
Antworten


Stefan Meier

18.04.2012, 15:33 Uhr
Melden 4 Empfehlung 0

Oder es gibt andere hilflose Versuche, wie Mürren, das für 8 Mio. etwas Wellness aus dem Boden stampft. Solange sich die zwar netten Hotelzimmer wie Besenkammern anfühlen, lockt man die an internationale Standards gewöhnte Kundschaft auch mit solchen Angeboten nicht in die eigenen Häuser - oder genau zweimal: das erste und das letzte Mal. Antworten



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