Touristen erobern den Irak zurück
Von Christoph Landolt. Aktualisiert am 19.02.2009 4 Kommentare
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Eine geführte Tour, die rund um die Uhr von bewaffneten Sicherheitskräften begleitet wird? In der Nacht im Hotel eingesperrt sein? Nicht jedermanns Sache. Ein Grüpplein von unentwegten Touristen lässt sich von solchen Rahmenbedingungen allerdings nicht abhalten. In den Irak soll die Reise führen, allen Sicherheitsrisiken zum Trotz.
«Jetzt ist genau die richtige Zeit, um dahin zu reisen. Wir erleben gerade die Anfänge eines neuen Iraks», sagt der Direktor des Reisebüros mit dem sinnigen Namen «Hinterland Travel». Bereits während der Herrschaft von Saddam Hussein hat das Unternehmen Reisen in den Irak angeboten, neben Afghanistan und Kaschmir. Die Iraker wollten Normalität, und Tourismus sei ein Teil dieser Normalität, sagt das Reisebüro gegenüber der britischen Zeitung «The Telegraph».
Saddams Palast wird zur Sehenswürdigkeit
Die Reisegruppe wird neben den archäologischen Stätten Babylon, Nimrud und Ktesiphon auch Pilgerorte wie Nadschaf oder Kerbala besuchen. Die gefährlichsten Städte wie Falludscha werden während der zweiwöchigen Reise im Minibus nicht besucht. Zum Programm gehören weiter das im Krieg teilweise geplünderte Nationalmuseum in Bagdad und ein Besuch in einem von Saddams luxuriösen Palästen – sofern die amerikanischen Besatzungstruppen es zulassen. Das Abenteuer kostet 1900 Pfund, der Flug von London nach Bagdad und das Visum sind in diesem Preis nicht inbegriffen.
Gemäss dem «Telegraph» werten die irakischen Behörden die Tour als Vertrauensbeweis. Obwohl es immer noch regelmässig Schiessereien und Autobomben gebe, habe sich die Sicherheitslage deutlich verbessert.
Bereits vor der britischen Reisegruppe fanden Touristen den Weg in das kriegsgebeutelte Land. Die meisten Exkursionen führen von der türkischen Grenze aus in die relativ sicheren kurdischen Gebiete im Norden. Auf Travel-Foren im Internet wird heftig darüber debattiert, wie tief ein Rucksacktourist in das Zweistromland vordringen muss, um als Irak-Reisender gelten zu können.
Rucksacktourist reist bis nach Faludscha
Erst vor wenigen Wochen griffen Sicherheitskräfte in Falludscha einen Rucksacktouristen auf – offenbar der erste Individualreisende seit dem Einmarsch der US-Truppen. Der 33-jährige Italiener durchquerte gemäss einem Bericht der «New York Times» mit Bussen und Taxis den halben Irak, ehe ihn die verdutzten Polizisten an der Weiterreise hinderten. «Ich bin ein Tourist und finde, jedes Land der Welt sollte man besucht haben», begründete der Mann sein Unterfangen.
Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten warnt, dass die Sicherheit weiterhin nicht gewährleistet und das Entführungsrisiko hoch sei. Von Reisen in den Irak rät das EDA weiterhin ab. (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 19.02.2009, 14:07 Uhr















































