Leben

Ferien bei Revolutionären

Aktualisiert am 10.03.2011

Die Umstürze in Ägypten und Tunesien haben zu einem Tourismuseinbruch geführt. Nun werben diese Länder mit der Revolution um neue Gäste. Und auch der Irak will zu einem Ferienland werden.

«Ein Platz rockt die Welt»: Eine Werbung für Ägypten an der Tourismusbörse in Berlin.

«Ein Platz rockt die Welt»: Eine Werbung für Ägypten an der Tourismusbörse in Berlin.
Bild: Keystone

Der Irak als Tourismusdestination

Der Irak wirbt auf der Reisemesse ITB in Berlin erstmals für Reisen in das von mehreren Kriegen und internen Konflikten gebeutelte Land. Der Auftritt auf der international wichtigsten Branchenschau sei «eine ideale Chance für den Irak, mit dem Rest der Welt zu interagieren», sagte Fadhil al-Saaehg vom Reiseanbieter El Rafidein.

Auf die Frage nach möglichen Gefahren für Touristen gab er sich entspannt: «Haben Sie je davon gehört, dass Touristen angegriffen wurden?» Die Hotels in Bagdad seien zwar «derzeit nicht das, woran westliche Touristen gewöhnt sind», gestand er ein. «Aber wir bemühen uns.» Al-Rafidein bietet beispielsweise eine 13-tägige Tour durch den Irak an: Babylon, Kurdistan, Mossul, Hatra und zum Abschluss Bagdad. «Fast jede Stadt hat eine Geschichte, die tausende Jahre zurückgeht», sagte Saaehg. «Die irakische Zivilisation ist mehr als 7000 Jahre alt. Wir haben 18'000 archäologische Stätten.» Bislang kommen seinen Angaben zufolge 5000 Touristen täglich in den Irak. Rund zehn Prozent davon seien aus Europa, Amerika oder Australien. Die ganz grosse Mehrheit allerdings sind iranische Pilger, die im Irak die für Schiiten wichtige heiligen Stätten besuchen.

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Sonne, Strand und alte Steine - damit versuchten Ägypten und Tunesien bisher Touristen zu locken. Nun präsentieren sich die beiden Länder mit einer neuen Werbestrategie: Die erfolgreichen Revolutionen sollen Urlauber zu einer Reise nach Nordafrika bewegen. Auf dem riesigen Messestand der Ägypter an der Internationalen Tourismusbörse (ITB) in Berlin ist, neben Pharaonenbüsten, der Tahrir-Platz in Kairo nachgebildet, der zentrale Schauplatz des Volksaufstandes. «See where it all began» (»Sehen Sie selbst, wo alles begann»), lautet der dazugehörige Slogan.

Einige Hallen weiter stellt sich Tunesien als «The Place to be» (in etwa: «Dort müssen Sie hin») dar. Die Reiseveranstalter hingegen sind noch sehr zurückhaltend mit den beiden Zielen, und viele Touristen haben von Nordafrika auf Südeuropa umgebucht. «Ich empfehle Ausländern, die bewegte Stimmung in Tunesien mitzuerleben» - bevor das Land sich zu einer «klassischen Demokratie» wandle, wirbt der tunesische Tourismusminister Mehdi Houas.

Der «Elektroschock» der friedlichen Revolution mache Tunesien für eine neue Gruppe von Kulturtouristen attraktiv. «Bisher wurden die Touristen an den Stränden geparkt und fern von der Wirklichkeit gehalten», sagt der Minister und verspricht eine neue touristische Infrastruktur ausserhalb der Badeorte.

«Wer helfen will, soll kommen»

Beim Nachbarn Ägypten sind ähnliche Töne zu hören. «Ägypten war bereits wegen seiner Geschichte und seiner Naturschätze unumgänglich, aber jetzt gibt es ein neues Element: Wir laden die Touristen ein, die Erfahrung einer demokratischen Revolution mit uns zu teilen», sagt Hischam Saasu vom ägyptischen Tourismusministerium.

«Die Werte der Revolution sind die europäischen Werte. Wenn die Europäer Ägypten helfen wollen, dann sollen sie uns besuchen kommen.» Für die ägyptischen Reiseführer ist die Revolution bereits jetzt Teil ihres Programms. Bislang wurde der Tahrir-Platz in erster Linie wegen des Ägyptischen Museums angesteuert. «Jetzt zeigen die Führer auch die Orte, an denen die Demonstranten die Zelte aufgestellt hatten und erzählen, wie die Anhänger des alten Regimes auf Kamelen angriffen», schildert Mahmud Sekri vom Veranstalter Sekri Tours.

«Noch zu früh»

Trotz dieser Marketingoffensive machen sich die beiden Länder keine grossen Hoffnungen für 2011. In Tunesien brachen die Besucherzahlen Anfang des Jahres um 45 Prozent ein, das ägyptische Tourismusministerium rechnet erst ab dem Sommer damit, dass sich der Zustrom der Touristen wieder normalisiert.

Mohammed Abdo, der Kreuzfahrten auf dem Nil organisiert, findet sogar, «dass es noch zu früh ist, um die Touristen wieder kommen zu lassen, das Land hat sich noch nicht stabilisiert.» Diese Meinung teilt auch das führende europäische Kreuzfahrtunternehmen Costa Crociere. Es sagte am Mittwoch alle für dieses Jahr geplanten Stopps in Tunesien und Ägypten ab. «Ägypten ist sicher», beteuert hingegen Hischam Saasu. Und auch der Tourismusminister Houas ist überzeugt: In Tunesien herrsche «absolute Sicherheit».

(jak/Aurélia End, AFP)

Erstellt: 10.03.2011, 22:30 Uhr

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