Leben

«Es ist, als wären wir von Postkarten umgeben»

Von Luzia Kunz. Aktualisiert am 26.04.2011 5 Kommentare

Isabelle von Siebenthal und Hans Schenker übernehmen das Hotel und Restaurant Wildhorn. Auch mit den berühmten Pächtern soll das Lokal seinen einheimischem Charme beibehalten.

Die neuen Pächter des «Wildhorns»: Isabelle von Siebenthal und Hans Schenker auf der Terrasse ihres Restaurants mit Blick auf das echte Wildhorn.

Die neuen Pächter des «Wildhorns»: Isabelle von Siebenthal und Hans Schenker auf der Terrasse ihres Restaurants mit Blick auf das echte Wildhorn.
Bild: Luzia Kunz

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Am 10. Juni wird die Eröffnung gefeiert, zu welcher jedermann eingeladen ist.

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Eine kaputte Bassgeige, Matratzen zum gratis Mitnehmen und zu ausgediente Blumenkübel. So präsentierte sich der Eingang des Hotels und Restaurants Wildhorn letzte Woche. Inmitten von Inventar, Vorstellungsgesprächen und Kostenvoranschlägen bewegen sich die neuen Pächter Isabelle von Siebenthal und Hans Schenker (wir berichteten) perfekt gekleidet und ohne Anzeichen von Anstrengung. Es scheint, als seien sie Herr (und Herrin) des Chaos. Weder Umbau noch Neugestaltung scheinen ihnen Schweissperlen zu verursachen. Entspannt nehmen sie sodann auch auf der Terrasse Platz und geniessen die Abendsonne.

«Es ist, als wären wir von Postkarten umgeben», schwärmt Hans Schenker und deutet auf die nahe Umgebung: Die mit weissen Hauben bedeckten Wild- und Geltenhorn, grüne Matten mit weidenden Kühen und der friedliche Charakter des Bergdorfes beeindrucken ihn. «Erst einmal musste ich mich aber an die Bedeutung des Namens des Dorfes gewöhnen», erklärt der Schauspieler. Er habe Lauenen mit lauen Winden in Verbindung gebracht und wäre nie darauf gekommen, dass «Louene» im Dialekt eine Lawine bedeutet. Einen kurzen Moment habe er daher an der Friedlichkeit der Region gezweifelt. Doch: «Ich könnte mich an der Aussicht betrinken. Als am ersten Abend der Vollmond die Bergkuppen angeschienen hat, war ich wiederum von der Heimeligkeit von Lauenen überzeugt.»

Überdosis Natur

Hans Schenker hat Lauenen und das Saanenland schon einige Male bereist. «Wir haben uns in Saanen trauen lassen und haben den 80. Geburtstag von Isabelles Vater in Lauenen gefeiert», erzählt er. Er geniesse jedes Mal die Fahrt vom Flughafen in Genf Richtung Lauenen. Er gebe schon fast eine Überdosis Natur, wie er in einem Beispiel beschreibt: «Unsere Vorgänger haben eine lebensgrosse Plastikkuh vor dem Eingang aufgestellt. Regelmässig hätten bei einer Züglete vorbeiziehende lebende Kühe verdutzt die unechte Gefährtin angeschaut, gestaunt und geschissen», erzählt Hans Schenker lachend. Auch nach mehreren Standortwechseln hätte dieses Phänomen angehalten, weshalb die Plastikkuh in den Garten verlegt wurde, wo keine Züglete vorbeikam. «Das zeigt doch, dass die echte Natur in Lauenen beim Anblick eines Imitats an Durchfall zu leiden beginnt», interpretiert er die Reaktion.

Erfüllung eines Traumes

«Ich habe mir immer eine Pension im Süden gewünscht», erzählt die gebürtige Gstaaderin Isabelle von Siebenthal. Sie lacht: «Jetzt ist es eben ein Betrieb in Lauenen.» Eine langjährige Freundin hat sie auf das pächterlose Wildhorn aufmerksam gemacht. Dank der spontanen Begeisterung ihres Mannes hat sich das prominenten Paar sodann beworben. Ein Betrieb in einer anderen Region des Berner Oberlandes wäre aber nicht in Frage gekommen. «Es ist wie ein Nach-Hause-Kommen, obwohl ich mir vor einigen Monaten noch nicht habe vorstellen können, dass es mich wieder ins Saanenland zieht», erklärt die Schauspielerin. Da ihre Eltern verstorben sind und ihre Geschwister nicht mehr im Saanenland wohnen, hat sie den Ort, in welchem sie aufgewachsen ist, in letzter Zeit nur wenig besucht.

Die jungen Jahre im Saanenland sind ihr aber in bester Erinnerung: «Ich erinnere mich an eine perfekte Kindheit. Wir hatten eine grosse Freiheit und konnten ohne Einschränkungen dorthin gehen wo wir wollten. Jeder kannte den anderen und wir spielten oft Indianerlis.»

Lauenen in bester Erinnerung

Und auch Lauenen hat für die 53-jährige eine wichtige Bedeutung: «Wir liefen im Winter oft Schlittschuh auf dem See und verbrachten so manchen Sonntag im Rohr», erzählt sie. Bereits mit 12 Jahren verliess Isabelle von Siebenthal für ihre Tanzausbildung jedoch das Saanenland. Das unbeschwerte Leben habe ihr manchmal schon etwas gefehlt. «Ich war nicht geerdet und nirgends verwurzelt», verrät sie. Da sie immer weniger Lust habe, Koffer zu packen und zwischen Berlin, Nizza und nun auch noch Lauenen zu pendeln, suche sie jetzt eine gewisse Stabilität. Sie möchte in Lauenen sesshafter werden und zur Ruhe kommen. Dass sie wieder vermehrt «saanetütschi» Ausdrücke benutzt, unterstreicht diese Absicht.

Das Paar möchte sich die Aufgaben im Gastbetrieb zwar teilen, jedoch wird sich vorerst Isabelle von Siebenthal bei der Gemeinde anmelden, zu 100 Prozent im Wildhorn tätig sein und auch dort wohnen. «Wir sind aber beide Pächter und wollen einander ergänzen können», erklärt sie. Wegen den aktuellen Engagements von Hans Schenker werde er jedoch vorerst zwischen 60 und 70 Prozent fürs Wildhorn arbeiten. Dass sie weiter als Schauspielerin tätig sein werde, schliesst Isabelle von Siebenthal nicht aus. «Film- und Fernsehproduktionen würden nach wie vor drinliegen.»

Theater mit Einheimischen

Während Isabelle von Siebenthal das Wirtepatent machen wird – worauf sie sich sehr freut – wird Hans Schenker als «hervorragenden Gastgeber», wie er sagt, agieren. «Schauspielerei und Gastgewerbe sind sich ähnlich: Man hat beiderorts ein Publikum, erhält Applaus oder erntet Kritik», erklärt der Wortakrobat. «In beiden Berufen steht man gewissermassen auf einer Bühne und muss dem Publikum etwas bieten.» Dass im Familienwappen der Schenkers ein Krug abgebildet sei, betrachtet er als gutes Ohmen.

Wer nun aber denke, dass der Schauspieler als Dauerunterhalter durchs Restaurant ziehe, werde überrascht sein, wie der gebürtige Bündner zurückhaltend und den Gästewünschen entsprechend im Hintergrund agieren könne. «Für grosse Auftritte werden wir im Sääli Veranstaltungen organisieren», erzählt er. Nebst dem traditionellen Folkloreabend freitags, den die neuen Pächter weiterführen möchten, sprühen die Ideen der Schauspieler: «Wir möchten einen Kulturcocktail servieren.» Hierbei stehe nebst Vorträgen und Konzerten Theater im Vordergrund. «Gerne würden wir eine Plattform für so genannte Try Outs bieten», erklärt er. Hierbei werden Stücke zum ersten Mal vor Publikum vorgetragen und somit überprüft, wie das Stück ankommt. Aber nicht nur Profis sollen eine Bühne erhalten: «Gerne würde ich mit den Einheimischen ein Stück einstudieren», verrät Hans Schenker.

International und regional

Gemäss dem lokalen Prinzip wollen die neuen Pächter das Wildhorn sowohl Einheimischen wie Gästen aus dem Ausland öffnen. «Wir werden eine Bar installieren, von welcher man Sicht in den Speisesaal hat und umgekehrt», erklärt Isabelle von Siebenthal. Der Arbeiter, der nach Feierabend ein Bier trinke solle Blickkontakt mit einem Prominenten haben, der sein Essen geniesse. Es soll sowohl für das kleine wie auch das grosse Portemonnaie etwas dabei sein. Dasselbe gelte für die Zimmer: «Wir wollen kein Boutiquehotel machen, sondern die Traditionen wahren», erklärt Isabelle von Siebenthal. Auch wollen die beide unbedingt das «echte» Wildhorn besteigen.

Obwohl der Zeitplan eng ist, wollen die beiden das Restaurant im Juni eröffnen. «Die Priorität liegt im Restaurant und bei der Terrasse. Der Umbau der Hotelzimmer wird nach und nach angegangen», erklärt Isabelle von Siebenthal. Die Zimmer werden jedoch nicht total umgestaltet, sondern saniert. Sie sollen ihren alten, ehrwürdigen Charme behalten. «Das Wildhorn ist sehr gemütlich und diese Gemütlichkeit wollen wir unterstreichen», so die Gastgeberin. (Berner Oberländer)

Erstellt: 26.04.2011, 16:41 Uhr

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5 Kommentare

Esther Bernou

26.04.2011, 17:47 Uhr
Melden 7 Empfehlung

Liebes Pächterpaar
Zu Eurem Entscheid gratuliere ich Euch von ganzem Herzen und wünsche Euch jetzt schon viel Erfolg und Zufriedenheit. Ich selber liebe ebenfalls die Gegend um Lauenen. Mit meinem Mann zusammen haben wir das Wildhori, den Strubel, den Arpelistock und das Oldenhorn bestiegen. Alles super und ich bin überzeugt, Ihr werdet die Gegend nicht nur als Postkarte lieben. Alles Gute.
Antworten


Daniel Zollinger

27.04.2011, 10:52 Uhr
Melden 3 Empfehlung

Da werde ich aber auch mal einkehren.Das ganze macht einen sehr Sympathischen Eindruck und ich hoffe das Hans Schenker und Isabelle von Siebenthal voll Erfolg haben werden. Alles Gute auch von mir! Antworten



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