Leben
Auch mit 53 findet man noch eine Stelle
Von Denise Marquard. Aktualisiert am 02.11.2012 76 Kommentare
Arbeitssuche mit 50plus
Die Lage auf dem Arbeitsmarkt wird härter. Nicht nur die Banken kündigen Tausenden von Arbeitnehmern, im Wallis verlieren bei der Lonza 400 Leute ihre Stelle. Die jüngsten Konjunkturaussichten sind durchzogen und versprechen keine rasche Besserung. Besonders schwierig ist die Situation für Arbeitnehmer in der Kategorie 50 plus. Um diese Menschen bei einer Neuorientierung zu unterstützen, bieten im Kanton Zürich fünf Berufsinformationszentren (BIZ) ein zweitägiges Seminar an. Ein Pilotversuch im BIZ Uster hat im Januar so viel Anklang gefunden, dass er doppelt geführt werden musste. Thema des zweitägigen Wochenend-Seminars ist; «50 plus – mit Schwung und Gelassenheit in die nächsten Arbeitsjahre». Es geht darum, bisherige Rollen zu überprüfen, die Situation am Arbeitsmarkt zu analysieren, Zukunftsperspektiven zu entwerfen und für diese Alterskategorie berufliche Entwicklungen aufzuzeigen. Das nächste Seminar beginnt am 10. November in Urdorf, und am 23. Februar wird eines in Zürich abgehalten. Kostenpunkt: 375 Franken. (mq)
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Martin Elbel strahlt Selbstbewusstsein und Zuversicht aus. Kein Mensch käme auf die Idee, dass der 53-Jährige in den letzten vier Jahren mehrmals die Stelle wechselte und ihn dabei immer wieder Ängste und Selbstzweifel plagten. Seit ein paar Wochen hat er wieder einen Job. Er leitet die Kommunikationsabteilung bei einem KMU-Unternehmen in der Medizinaltechnik. Von diesem Job hätte er vielleicht nie erfahren, wenn er nicht einen Tipp aus seinem persönlichen Netzwerk erhalten hätte. Darauf schickte er der Geschäftsführerin seinen Lebenslauf und bat um ein Gespräch. Nach einigen Vorstellungsrunden kam das Telefon: «Sie haben den Job.»
Die Nachricht befreite Elbel von seinen Sorgen. An der neuen Stelle kann er sein Kommunikations-Know-how, seine Führungserfahrungen und seine Sprachkenntnisse einbringen. Zudem entspricht die Firma seinen Vorstellungen: Es handelt sich um ein schweizerisches, global tätiges, mittelständisches Unternehmen, das explizit eine ältere, erfahrene Person suchte, um Kontinuität zu gewährleisten. Bei Stellenantritt fühlte sich der 53-Jährige wie am ersten Tag seines ersten Jobs: «Ein bisschen nervös, aber voller Vorfreude.»
Überwindung von Angst und Selbstzweifel
Er weiss inzwischen, was es heisst, in der Alterskategorie «50 plus» eine Stelle zu suchen – und Erfolg zu haben. Das erste Mal traf ihn die Entlassungswelle nach der Finanzkrise kurz vor seinem 50. Geburtstag. Damals arbeitete er bei einer Grossbank. Nach sieben Monaten fand er wieder eine Arbeit bei einem KMU. Danach erhielt er ein verlockendes Angebot einer Versicherung. Dieses Angebot brachte ihn in ein Dilemma: «Soll ich die Chance packen oder bleiben?» Er entschied sich für die neue Herausforderung, musste dann aber einsehen, dass dieser Wechsel nicht funktionierte. Elbel kündigte mit 53 Jahren.
Inzwischen hat er Erfahrung, wenn es darum geht, einen Job zu suchen. Dabei ist er alles andere als ein Draufgänger. Als erstes Prinzip für den Erfolg bei der Jobsuche bezeichnet er die Überwindung der Angst und der Selbstzweifel. «Nach 10 Jahren musste ich wieder lernen, wie man einen Lebenslauf schreibt.» Er konnte dies unter der Anleitung eines Coaches tun.
Seine Erfahrungen einer erfolgreichen Jobsuche hat Elbel analysiert. Und jetzt möchte er sie weitergeben:
- Herausfinden, was einem am Beruf besonders gefällt.
- Stärken und Schwächen analysieren.
- Das eigene Netzwerk aktivieren und Leute informieren.
- Nicht Zu- oder Absagen abwarten, Steuer selber in die Hand nehmen.
- Einige Wunsch-Unternehmen definieren, die Werte vertreten, hinter denen man selber stehen kann.
- Adressen dieser Betriebe sammeln und Kontaktpersonen herausfinden.
- Blinde Bewerbungen an eine bestimmte Person schreiben mit der Bitte um ein Vorstellungsgespräch.
Martin Elbel ist Realist geworden. «Es braucht ganz einfach auch Glück, wenn es mit dem Job klappen soll.» Man dürfe keine Angst davor haben, dass man schräg angeschaut werden könnte, wenn man kurz nacheinander auf Stellensuche sei. «Heute ist es nicht mehr exotisch, mit 53 eine neue Arbeit zu suchen. Das kommt häufiger vor, als man denkt.» (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 02.11.2012, 07:10 Uhr
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76 Kommentare
Ein Kommunikationsprofi mit Führungserfahrung und gutem Netzwerk findet eine neue Stelle? Na was für eine Überraschung.
Natürlich können auch Ältere noch eine Stelle finden, wir haben grad erst einen 60-Jährigen eingestellt. Aber es hat halt nicht jeder ein so gutes Netzwerk oder kann sich so gut verkaufen, dann sieht die Sache ganz anders aus.
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Ich habe gemeint, die Werbebeiträge seien ganz unten und ganz oben... Diese 375 Fr.-Kurs-Werbung links und dazu noch dieser überoptimistische Bericht wirken auf mich wie Werbung. Es ist widerlich und verstösst gegen den Journalistencodex, eine Werbung als Artikel zu verkaufen.
Ansonsten: Hugo Müllers Kurzbeitrag ist besser als der ganze Artikel.
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