«Kügeli» wirken langfristig
Tipps der Homöopathin
Gemäss homöopathischer Lehre spielen bei der Behandlung nicht nur die richtigen Globuli eine Rolle; auch bestimmte Begleitmassnahmen sind von Bedeutung, etwa in der Ernährung oder beim Lebensstil. Einige Tipps vom Merkblatt einer diplomierten Homöopathin:
- Vollwertige Ernährung: Grundsätzlich sollte man viel Gemüse, Obst und Vollkornprodukte, möglichst wenig Fett, tierisches Eiweiss und Süssigkeiten zu sich nehmen.
- Histaminreiche Nahrungsmittel meiden: Um allergische Reaktionen zu mildern, sollte man auf histaminreiche Nahrung verzichten. Viel Histamin enthalten z.B. geräuchertes Fleisch, Wurtstwaren, Speck, Sardellen oder Tunfisch aus der Dose, lange gelagerter Käse wie Emmentaler oder Parmesan.
- Genügend trinken: Erwachsene sollten mindestens 1.5 bis 2.5 Liter Flüssigkeit pro Tag trinken. Ideal sind gewöhnliches Hahnenwasser, leichte Früchtetees oder stark verdünnte Fruchtsäfte.
- Vor jeder Mahlzeit Zitronensaft: Zitrone hilft die Schleimhäute abzudichten und unterstützt die Verdauungssäfte bei der Verarbeitung von zugeführtem Eiweiss. 1-2 Teelöffel frischgepressten Zitronensaft vor den Mahlzeiten einnehmen.
- Nikotin meiden: Rauchen und Aufenthalt in rauchigen Räumen verstärken die Allergiebereitschaft und auftretende Symptome.
Stichworte
Wenn man mit Heuschnupfen zum Homöopathen geht, ist es zunächst nicht viel anders als beim Schulmediziner: Er oder sie gibt dem leidenden Patienten ein Mittel gegen die akuten Beschwerden – nicht den üblichen Nasenspray oder Cortisontabletten, sondern typischerweise die Globuli («Kügeli») aus der homöopathischen «Küche». Bei Fliessschnupfen zum Beispiel hilft Allium cepa – Küchenzwiebel . Gegen gereizte, tränende und lichtempfindliche Augen wirkt Euphrasia – Augentrost. Bei juckendem Gaumen ist Wyethia angezeigt, bei Jucken tief in den Ohren verspricht Arundo – Wasserrohr – Linderung. Auch Galphimia gilt in der homöopathischen Welt als hochpotentes Antiallergikum, wirksam gegen tränende, juckende Augen, eine fliessende Nase mit Niesattacken und Atembeschwerden.
Und wenn das alles nichts nützt, verschreibt der pragmatische homöopathsiche Arzt auch mal was Schulmedizinisches. «Oft geht es zunächst einmal darum, Ruhe herzustellen», sagt Klaus von Ammon, Arzt für Homöopathie in Stäfa und Dozent an der KIKOM (Kollegiale Instanz für Komplementärmedizin) der Universität Bern. Oberstes Ziel sei es, dass die Patienten – in von Ammons Praxis sind dies zur Hälfte Kinder – nicht leiden.
Nach dem Zwiebelschalenprinzip
Ab diesem Punkt, wenn das Fliessen der Nase gestoppt, brennende Augen gekühlt und «Ruhe hergestellt» ist, scheiden sich der schulmedizinische und der homöopathische Weg. Denn die Homöopathie ortet das Problem nicht bei den Pollen beziehungsweise der allergischen Reaktion darauf; vielmehr sieht sie die Ursache von Heuschnupfen in einem geschwächten, überforderten Immunsystem. «Wir sind nicht mehr so tolerant gegenüber äusseren Einflüssen, so dass wir überschiessend auf ganz normale Reize reagieren», sagt Klaus von Ammon. Deshalb muss nach homöopathischer Lesart alles unternommen werden, um die körpereigenen Abwehrkräfte zu mobilisieren und zu stärken.
Die homöopathische Theorie geht davon aus, dass die typische Allergiekarriere eine logische Abfolge ist, die dann eintritt, wenn Symptome falsch behandelt beziehungsweise unterdrückt werden: Unterdrückte Hautreaktionen – Neurodermitis – äussern sich in Schleimhautreaktionen, also Nasenlaufen, tränenden Augen und Husten; und diese Reaktionen, wenn sie wiederum unterdrückt werden, schlagen sich bis auf die Bronchien nieder und können Asthma auslösen. «Das homöopathische Ziel wäre, die Krankheit jeweils auf die weniger bedrohliche Ebene zu verlagern», erklärt von Ammon, «und zwar nach dem Zwiebelschalenprinzip: das Asthma zum Heuschnupfen, den Heuschnupfen zur Hautallergie, diese zu Hautausschlag und –rötung bis zum vollständigen Abheilen.» Das Ziel ist eine «konstitutionelle homöopathische Therapie, das heisst eine Stärkung des Immunsystems und damit der Person», wie der KIKOM-Dozent erläutert.
Die richtige Arznei wird individuell bestimmt. Homöopathie wirkt dann am besten, wenn die Krankheitssymptome mit denejneigen Symptomen übereinstimmen, welche die Arzneien bei einem Gesunden hervorrufen. Similia similibus curentur – «Ähnliches soll durch Ähnliches geheilt werden», heisst das Wirkprinzip, dabei sollen der Patient und die Arznei möglichst optimal übereinstimmen. «Bestenfalls verschwinden die Symptome im Nu», sagt von Ammon, «wie bei einem Resonanzphänomen: die Wellenlänge des Senders und des Patienten harmonieren, und so entsteht ein Signal, das der Organismus umsetzen kann.»
Erfahrung gut, Studienlage dürftig
Um den wissenschaftlichen Nachweis dieser Mechanismen ist es ziemlich dürftig bestellt, dies zumindest in den Augen derjenigen, die die Homöopathie skeptisch beurteilen. Ihnen gegenüber stehen unzählige Heuschnupfen-Geplagte, die mit der komplementärmedizinischen Methode gute Erfahrungen machen. Zwei Drittel Erfolgsrate, in erfahrenen Händen 75 bis 80 Prozent – so lautet die Bilanz der Homöopathen bei Heuschnupfen. Und Klaus Ammon betont: «Wir wissen mit Sicherheit, dass homöopathische Arzneien Auswirkungen auf biologische Systeme haben. Wir können diese nicht erklären, aber sehr wohl beschreiben, sei es bei Pflanzen, Zellkulturen, Tieren, oder Menschen.» Was den Heuschnupfen betrifft, so habe eine neue Studie aus Berlin kürzlich gezeigt, dass Heuschnupfen und Allergien mit Homöopathie mindestens gleich gut behandelbar seien wie mit konventionellen Methoden; allerdings fordere sie dem Betroffenen mindestens gleichviel Geduld ab wie die Hyposensibilisierung.
«Ökonomisch ist die konventionelle Medizin kurzfristig gesehen noch im Vorteil», räumt Klaus von Ammon ein. Aber: «Ich bin zuversichtlich, dass, wenn mehr Studiendaten vorliegen, langfristig der Kostenvorteil durch eingesparte Medikamente noch zum Tragen kommt.» Für ihn zähle erst ein Ergebnis nach zwei, drei Jahren. Dies sei auch eine Frage der Geduld und der Bereitschaft, biologische Prozesse verstehen zu wollen. (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 31.05.2010, 14:46 Uhr
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